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Kino – «Nightborn»

Ist mein Baby ein Wald-Troll?

Vier Jahre nach ihrem beeindruckenden Spielfilmdebüt «Hatching» legt die Finnin Hanna Bergholm mit «Nightborn» ein weiteres Mutter-Kind-Horrordrama nach.

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Saga (Seidi Haarla) hat sich das Landleben irgendwie anders vorgestellt.
Saga (Seidi Haarla) hat sich das Landleben irgendwie anders vorgestellt.Praesens Film

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Während es in ihrem Erstling um die Loslösung einer Zwölfjährigen von ihrer dominanten Mutter anhand eines sich entwickelnden Doppelgängers geht, handelt «Nightborn» am Beispiel eines «Monsterbabys» (mehr dazu hier) allegorisch von postnataler Depression.
Saga (Seidi Haarla) zieht mit ihrem englischen Ehemann Jon (Rupert Grint) von London in ihre finnische Heimat zurück – in das von der Oma geerbte Haus mitten im verwunschenen Wald. Nach einem Schäferstündchen zwischen den bedrohlichen alten Bäumen platzt Sohn Kuure einige Wochen zu früh aus ihr heraus und ist übermässig behaart. Doch das ist nicht das einzige Problem des Frühchens. An der Brust beisst es Sagas Nippel blutig, und auch sonst benimmt es sich gelinde formuliert merkwürdig: Statt nach Milch dürstet Kuure nach Blut und rohem Fleisch. Während Saga befürchtet, dass ihr Nachwuchs eine Brut der folkloristischen Wald-Trolle ist, redet das Umfeld ihr ein, dass mit dem Kind alles in Ordnung sei. Und Papa Jon ist eh hoffnungslos überfordert.
Bergholm stellt die trügerische Idylle im finnischen Forst mit Hilfe von Ton und Bild einer allgegenwärtigen latenten Bedrohung gegenüber und verfolgt die Geschehnisse ganz aus der Sicht der geplagten Mutter. Die ausserhalb Finnlands am ehesten aus dem Drama «Abteil Nr. 6» (2021) bekannte Seidi Haarla legt dabei eine wahrhaftige Tour de Force hin, wenn Saga in ihren Gemütslagen immer mehr zwischen Fürsorge, Verzweiflung und Wahnsinn schwankt. Rupert Grint, der einst Ron Weasley in den «Harry Potter»-Filmen gab, und hier, um im Potter-Jargon zu bleiben, aussieht wie der verlorene Sohn von Rubeus Hagrid, verleiht Jon eine Rat- und Hilflosigkeit, die perfekt passt. Inhaltlich, stilistisch und von der idealen Besetzung her lässt sich «Yön Lapsi» (Originaltitel) mit Lynne Ramsays so anstrengendem wie starkem Schocker «Die My Love» (2025) mit Jennifer Lawrence und Robert Pattinson vergleichen, der ganz konkret von postnataler Depression handelt.

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Bergholm entfaltet die Story lange sorgfältig, lockert sie mit verschrobenem und teils schwarzem Humor leicht auf, um sie gleich wieder unbequem und beklemmend weiterzuführen. Im letzten Drittel macht sie es sich dann aber etwas zu einfach: Plötzlich geht alles zu schnell, und «Nightborn» ist fertig. Dieses abrupte Ende passt nicht zum Rest und fällt daher unausweichlich ab – gerade auch im Vergleich mit dem konsequent zum bitteren Finale hin gesteigerten Pendant «Die My Love». Dies lässt das Publikum fast zwangsweise zumindest etwas frustriert zurück. Und das ist schade, sind doch Filme um «böse» Babys eher selten, wie unser Exkurs zeigt.

Nightborn ★★★☆☆

Horrordrama
Mit Seidi Haarla, Rupert Grint, Pamela Tola, Pirkko Saisio, Rebecca Lacey, John Thompson, Silvia Saloranta
FIN/GB/LT/F 2026, ab 6. August 2026

Der Trailer

Über die Autoren

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