Leere Worte: Mit ihrer Fake-Kryptowährung prellt Ruja (Nilam Farooq) tausende Menschen um Millionen und ergaunert sich Milliarden. ZDF und Mathias Bothor/Nicolas L
Es gibt kaum eine Figur der jüngeren Wirtschaftsgeschichte, die so unfassbar ist wie Dr. Ruja Ignatova. Eine Frau, die mit einem Lächeln Milliarden einsackte und dann von der Bildfläche verschwand. «Take the Money and Run» zieht diesen modernen Mythos heran – nicht als kühlen Wirtschaftsfall, sondern als schillerndes Drama um Verführung, Macht und die Gier nach grenzenlosem Reichtum. Zwischen Krypto-Versprechen und Popstar-Inszenierung entfaltet sich hier weniger ein Krimi als vielmehr das Psychogramm einer Zeit, die allzu gern an Wunder glaubt.
Die sechsteilige ZDF-Serie führt uns zurück ins Jahr 1990. Die hochbegabte Ruja emigriert als Zehnjährige aus Bulgarien in den Schwarzwald. Ihr Vater scheitert als Unternehmer an den Verlockungen des Kapitalismus. Die Tochter hat einen besseren Plan: Sie studiert Jura in Konstanz, promoviert 2005 und will ab 2014 die Welt aus den Angeln heben.
Das Vehikel dazu heisst One Coin – eine Kryptowährung, die gar keine war. Die Serie zeigt schonungslos auf, wie Ruja ihr Imperium auf Lüge und Täuschung aufbaut. Statt einer Blockchain gab es ein Schneeballsystem, statt digitaler Revolution wertlose Token, getarnt als Schulungspakete.
Wir begleiten Ruja zu glamourösen Events und dem legendären Wembley-Auftritt, während im Hintergrund toxische Bündnisse geschmiedet werden, um das Kartenhaus am Einsturz zu hindern. Vorläufig.
In der Hauptrolle überzeugt Nilam Farooq, die in den Körper dieser undurchsichtigen Kryptoqueen schlüpft. Im Interview beschreibt sie ihre Figur so: «Ruja ist auf jeden Fall charismatisch. Ausserdem ist sie, unschön gesagt, machtgeil und überzeugend.» Farooq sieht in der Rolle einen Glücksfall, gerade weil es in Deutschland zu wenige Porträts niederträchtiger Frauen gebe.
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Tatsächlich ist es dieser Fokus auf eine skrupellose Hochstaplerin, der die Serie erzählerisch trägt. Was hat diese hochintelligente Frau angetrieben, sich an ihren gutgläubigen Opfern zu bereichern? Darüber kann nur spekuliert werden, von ihr selber weiss man nichts.
Was in der Serie hingegen klar wird: Hier ist eine Frau, die ihre Weiblichkeit im Haifischbecken der Finanzen ungeniert als Waffe nutzt. «Die Menschen mögen es nicht, wenn man erfolgreich ist, vor allem als Frau», sagt Ruja in einer Szene. Ein Satz, der laut Farooq unsere Neidgesellschaft spiegelt.
Erzählt wird auf mehreren Zeitebenen, wobei man nie die Orientierung verliert. Eine Off-Stimme ordnet das Geschehen ein und erläutert Fachbegriffe wie Ponzi-System, Blockchain und Kryptowährung.
Die Realität hinter der Fiktion ist kein bisschen weniger spektakulär: Über vier Milliarden US-Dollar wurden verbrannt. Ruja Ignatova selbst stieg am 25. Oktober 2017 in einen Flieger von Sofia nach Athen und ist seither verschwunden. Sie steht als einzige Frau auf der «Ten Most Wanted»-Liste des FBI. Das Kopfgeld auf sie wurde 2024 auf fünf Millionen Dollar erhöht.
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Doch während die Serie ihren Aufstieg und den Zusammenbruch des betrügerischen Systems bebildert, ranken sich viele Legenden und Gerüchte um Ruja: von plastischer Chirurgie bis hin zu Theorien über ihre Ermordung durch die Mafia.
Am Ende ist «Take the Money and Run» ein Mahnmal menschlicher Verblendung. Oder wie Ruja sagt: «Auch ein schlechtes Beispiel kann als Vorbild dienen. Man muss nur wissen, was man daraus lernt!»
Take the Money and Run
ZDF neo | Drama-Miniserie | D 2026
Mit Nilam Farooq, Charlie Petersson, László Branko Breiding
Sonntag, 11. Januar 2026, 20.15 Uhr (1+2/6); wöchentlich in Doppelfolgen
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