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SRF – «The Pressure Game»

«Ganz andere Perspektiven»

«The Pressure Game» zeigt die Natispieler, wie man sie noch nie gesehen hat.

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Irene Lustenberger
Irene Lustenberger

Ein Granit Xhaka, dem die Stimme stockt. Haris Seferovic den Tränen nah. Ein Nati-Betreuer, der in der Kabine herumschreit und wütend in die Materialkiste kickt.

Das ist die 6-teilige Serie «The Pressure Game – Im Herzen der Schweizer Nati». Während eines Jahres hat ein TV-Team die Fussball-Nationalmannschaft hautnah begleitet: im Training, bei den Matches, bei einigen Spielern auch privat zu Hause – und natürlich an der Weltmeisterschaft in Katar.

Tele.ch hat sich mit Regisseur Simon Helbling unterhalten.

Tele.ch: Herr Helbling, was erwartet die Zuschauer?

Simon Helbling: Ein Einblick in die Nati, wie es ihn noch nie gab.

Die Doku ist also nicht nur für Fussball-Fans?

Im Gegenteil, sie ist vor allem für Nicht-Fussball-Fans. Weil es nicht in erster Linie um den Sport geht, sondern um die Menschen mit ihren alltäglichen Problemen.

Was für Probleme konkret?

Konkurrenzdruck, Eifersucht, Ehrgeiz, der Kampf mit sich selbst, der Umgang mit Verletzungen etc.

Wie haben die Nationalspieler auf Ihre Idee reagiert?

Sie sahen das ziemlich entspannt. Ich gab ihnen das Versprechen, nicht nach einer Schlagzeile zu suchen, sondern eine Geschichte zu erzählen. Der Staff, also die Leute im direkten Umfeld der Spieler, brauchte etwas länger, um mich so nahe ranzulassen. Klar, deren Job ist es ja, die Spieler abzuschirmen.

Sie sprechen mit rund 20 Personen. Anhand welcher Kriterien haben Sie diese ausgewählt?

Das war relativ schwierig, weil ich gerne mit allen gesprochen hätte. Ich rede mit Spielern und dem Staff und habe darauf geachtet, welche Charaktere im Storytelling zusammenpassen. Im Vorfeld machte ich mir Gedanken, wen ich porträtieren wollte. Ich habe dies aber konstant revidiert, und es sind Leute aufgetaucht, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Und erstaunlicherweise haben sich die Spieler mir gegenüber schnell geöffnet.

Einer, der in der Öffentlichkeit polarisiert, ist Captain Granit Xhaka. Wie haben Sie ihn erlebt?

Granit ist ein lustiger, sympathischer und herzlicher Zeitgenosse. Er ist sehr ehrgeizig, aber Aussenstehende bekommen gar nicht mit, wie fürsorglich er ist. Ihn durfte ich auch zu Hause bei seiner Familie besuchen. Das eröffnet nochmals ganz andere Perspektiven auf ihn.

Also werden diejenigen, die Xhaka nicht mögen, ihr Bild von ihm revidieren?

Auf jeden Fall! (Lacht.) Klar hat er ein gesundes Selbstvertrauen, aber das haben doch wohl die meisten Fussballer. Und wenn man so viel Gegenwind erhält wie er, dann formt einen das auch.

Gab es einen Spieler, der Ihnen besonders nahe stand?

Mir sind alle ans Herz gewachsen. Es gibt aber Spieler, die mich überrascht haben. Zum Beispiel Haris Seferovic, weil er gegen aussen sonst eher unnahbar und ernst wirkt. Aber er ist ein sehr lustiger und intelligenter Mensch. Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden einen ganz anderen Haris kennenlernen als denjenigen, den man in der Öffentlichkeit wahrnimmt.

Sie haben rund ein Jahr lang gedreht. Wie viele Stunden Filmmaterial sind da zusammengekommen?

Circa 300 Stunden. Und diese mussten dann auf drei Stunden gekürzt und geschnitten werden …

Gab es Vorgaben, was Sie filmen durften und was nicht?

Nein. Wir haben einander schnell vertraut, und es war von Anfang an klar, dass wir keinen zeigen, der nackt unter der Dusche steht.

Sie zeigen unter anderem eine Szene mit dem verletzten Ruben Vargas. Jemand sagt: «Schalt mal die Kamera ab!» Hält man da einfach trotzdem drauf?

Das ganze Projekt ist eine Beziehungsarbeit. Man muss das Vertrauen der Protagonisten gewinnen. Wenn jemand sagt «Schalt mal die Kamera ab!», kann dies einerseits bedeuten, dass man prinzipiell nicht gefilmt werden möchte. Dann stellt man sie halt ab.

Und andererseits?

Es kann aber auch sein, dass der Betroffene wegen einer Verletzung oder sonst wie überfordert ist und es im Grunde gar nicht um die Kamera geht. Da braucht es dann viel Fingerspitzengefühl. Aber natürlich ist es unangenehm, eine solche Szene zu filmen.

Was war die grösste Schwierigkeit?

Dass wir nicht den Ablauf und die Konzentration der Spieler stören, aber trotzdem möglichst viel aufs Bild bekommen.

Und was war das Schönste?

Es gibt viele Klischees, die dem Beruf des Fussballers anhaften. Deshalb war es schön, zu sehen, dass es ganz normale Menschen mit alltäglichen Problemen sind.

Welches war für Sie der emotionalste Moment?

Das letzte Gruppenspiel an der WM gegen Serbien. Die Stimmung im Stadion war aufgeheizt, die Schweiz lag 1:2 zurück, drehte das Spiel aber noch und schaffte es in den Achtelfinal. Die 1:6-Niederlage dort gegen Portugal tat dann aber sehr weh.

The Pressure Game

SRF 1 | Dokuserie (1–3/6)

Im Herzen der Schweizer Nati

CH 2023, ab 21. März 2023
Alle sechs Folgen ab dem 21. März auch auf Play Suisse

Von Irene Lustenberger am 15. März 2023 - 09:00 Uhr