Sie ist die Neue im Mehrfamilienhaus in Reykjavík. Die Dänin Ditte Jensen (Trine Dyrholm) sieht aus wie die nette Oma von nebenan, wenn sie in ihrem selbst angelegten Gemüsebeet die Erde umgräbt. Dabei hat sie es faustdick hinter den Ohren. Ditte ist nämlich eine Geheimdienstagentin und ehemalige Elitesoldatin, die im Irak, in Bosnien und Afghanistan gedient hat. Sie war eine treffsichere Sniperin und kennt sich mit Foltermethoden wie Waterboarding bestens aus.
Nun wohnt sie also undercover (Ditte ist nicht ihr richtiger Name) im Pseudo-Ruhestand in Island. Doch es fällt ihr schwer, den hart antrainierten Instinkt als Elitesoldatin auszuschalten. Also beginnt sie ihren Nachbarinnen und Nachbarn unter die Arme zu greifen. Oftmals ungefragt und ohne dass dies gewünscht wäre. Gerne wählt sie dabei radikale Mittel wie Gift, Vorschlaghammer und Brecheisen. Oder Jutesack: In diesen steckt sie die eigenhändig getötete Hauskatze der Nachbarsfamilie, um sie später im Hauskehricht zu entsorgen. Nun gut, da sind wohl die Pferde etwas mit ihr durchgegangen. Aber wer in ihrem Gemüsegarten einen Haufen hinterlässt, muss die Konsequenzen tragen!
Ditte ist kein von Grund auf schlechter Mensch, im Gegenteil. Als etwa eine Nachbarin von ihrem Mann misshandelt wird und bei einer anderen im Treppenhaus starke Wehen einsetzen, steht ihnen die ehemalige Krankenschwester (ja, auch das ist Ditte!) fürsorglich bei. Und als sie ein Teenagergirl beim Sex in der Waschküche erwischt, gibt sie ihr nicht etwa Saures, sondern gute Ratschläge für ein erfüllteres Sexleben.
Dittes Mitmenschen müssen einfach wissen, dass es Themen gibt, bei denen diese Frau absolut keinen Spass versteht und austickt. Das ist zuerst mal die Umwelt, für deren Schutz sie sich selbstlos einsetzt. Liebend gern würde sie alle Nachbarn dazu zwingen, ihre Autos zu verkaufen und sich nur noch vegetarisch zu ernähren.
Richtig sauer wird Ditte auch, wenn sich die Isländer keine Mühe geben, ihr Dänisch zu verstehen. Für sie ein Zeichen von Faulheit, mangelnder Bildung und Respektlosigkeit.
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«The Danish Woman» ist eine bitterböse Serienperle aus dem hohen Norden. Natürlich gibt es Gründe für all die Unzulänglichkeiten der Hauptfigur: Sie liegen in ihrer Vergangenheit und blitzen immer wieder als Alb- und Tagträume der resoluten Ditte auf.
Dem auffälligsten Stilmittel von «The Danish Woman» begegnet man gleich am Anfang: Während des Vorspanns sieht man Ditte auf einer Anhöhe im Nordosten Reykjavíks tanzen. Erst zaghaft, dann immer entschlossener und selbstbewusster wiegt sie sich im Takt des Liedes und singt den Text mit. Dieser Tanz auf dem Vulkan – davon gibt es in Island ja einige – wiederholt sich jeweils zu Beginn und am Ende jeder Folge.
Mit der Zeit tanzt und singt Ditte aber nicht mehr allein, sondern bekommt Gesellschaft von stets wechselnden Serienfiguren. Dabei passen sich die Musik und Dittes Art zu tanzen ihrem Gemütszustand, in dem sie sich gerade befindet, an: Je wütender sie ist, desto enthemmter tanzt sie. Nur so viel sei hier verraten: Es wird wirklich wild! Und darum werden die Tanzeinlagen auch mal mitten in einer Folge eingeschoben.
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Die Serie mit der grossartigen Trine Dyrholm lohnt sich für alle Fans von schwarzem Humor. Arte zeigt sie an zwei Donnerstagen mit je drei Folgen am Stück.
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