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ARD – «Tage, die es nicht gab»

1000 Gründe für einen Mord

In «Tage, die es nicht gab» wird ein Todesfall neu aufgerollt. Wer hatte ein Mordmotiv? Oder einfacher gefragt: Wer hatte keins?

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Tage, die es nicht gab

Freundinnen (von oben links im Uhrzeigersinn): Christiane (Franziska Hackl), Inès (Jasmin Gerat), Doris (Diana Amft) und Miriam (Franziska Weisz).

ARD/ORF/MR Film/Thomas Ramstorfe
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Simone Reich

Die Eliteschule Sophianum ist nichts für arme Schlucker. Nur die Reichen und Mächtigen schicken ihren Nachwuchs hier in den Unterricht. So auch die vier Hauptfiguren Inès, Miriam, Doris und Christiane. Sie kennen sich seit der Kindheit, als sie selber hier zur Schule gingen und einander schworen, die eigenen Kinder nie ans Sophianum zu schicken. Sie haben es aber dennoch getan – warum auch immer.

Eines Tages taucht ein Ermittlerduo aus dem fernen Wien auf, das den Tod des Sophianum-Direktors Paul Paulitz (Harald Krassnitzer) von vor drei Jahren neu aufrollen will. Der Schulleiter war seinerzeit vom Paulsdamm, einer Staumauer, in den Tod gestürzt.

Nun will Ermittlerin Elfriede Grünberger (herrlich: Sissy Höfferer) der Sache auf den Grund gehen. War es doch kein Unfall? Für die vier Frauen kommt die erneute Ermittlung sehr ungelegen.

Allen voran stösst sich Miriam (Franziska Weisz) an den Fragen der Polizei. Sie ist Staatsanwältin und kam damals ganz zufällig am Tatort vorbei. Also versucht sie die Beamten abzuwimmeln, schliesslich ist sie mit der Trennung von ihrem unterkühlten Gatten Joachim (Andreas Lust) beschäftigt.

Auch Christiane (Franziska Hackl) hat kein Gehör für die forsch ermittelnde Grünberger. Zwei Tage vor Paulitzers Tod hatte sich ihr Sohn Balthasar das Leben genommen. Noch immer ist sie traumatisiert, und man merkt bald, dass der Schulleiter wohl nicht unschuldig am Freitod des Jungen war.

Inès (Jasmin Gerat) ist erst frisch wieder in der Stadt: Sie zog mit ihrem Gatten und dem Teenagersohn Olivier von Paris zurück hierher, um Olivier den Ausstieg aus der Drogensucht zu erleichtern. Ob das Sophianum aber eine geeignete Adresse ist, um clean zu werden? Mehr als fraglich.

Zu guter Letzt wäre da noch Doris (Diana Amft). Sie hat die Speditionsfirma von ihrer Mutter (brillant: Jutta Speidel) übernommen, die sich aber nach wie vor ungeniert in die Geschäfte einmischt. Ausserdem besass der tote Paulitz offenbar Anteile der Speditionsfirma, was Doris beim besten Willen nicht nachvollziehen kann.

Die Dramaserie «Tage, die es nicht gab» begeistert von der ersten Minute an. Die Ausgangslage ist klar – zumindest scheinbar. Der Schuldirektor war ein absolutes Scheusal, ein Despot, ein Kinderquäler. Wenn einer den Sturz in den Tod verdient hat, dann er.

Ergo geht es nur noch darum, herauszufinden, wer denn ein Mordmotiv gehabt hat. Nun, so einfach ist es natürlich nicht. In jeder Folge werden einzelne Handlungsstränge in die Vergangenheit verlegt. So sieht das Publikum, was damals geschah.

Doch statt dem Täter oder der Täterin auf die Spur zu kommen, wird man immer unsicherer angesichts der vielen Möglichkeiten, wie sich der Fall von der Staumauer abgespielt haben könnte. Denn eines ist klar: Ein Motiv für den Mord an Paulitz hätten fast alle gehabt.

«Tage, die es nicht gab» ist intelligent erzählt, schön fotografiert und kommt ganz ohne Längen aus. Bloss die «Prise schwarzer Humor», womit die Macherinnen einzelne Szenen würzen, ist nicht immer gelungen: Dass Doris und ihr Gatte (Rick Kavanian) die Finger nicht voneinander lassen können und sich ständig irgendwo besteigen, wirkt dann doch gar aufgesetzt.

Dass Ermittlerin Elfriede Grünberger andauernd am Essen ist und ihren jungen Kollegen im Hotel in Unterhosen durch die Gänge irren lässt – das hingegen ist wirklich sehr komisch.

Tage, die es nicht gab

ARD | Dramaserie

Mit Jasmin Gerat, Franziska Weisz, Diana Amft, Franziska Hackl

D 2023

TELE
Simone ReichMehr erfahren
Von Simone Reich am 11. Februar 2023 - 09:00 Uhr