SRF 2 – «La linea della palma»

Es klebt Blut am Meisterwerk

«La linea della palma» dreht sich um ein gestohlenes Gemälde von Caravaggio. Die Spuren führen zur Cosa Nostra auf Sizilien.

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Hartnäckig: Anna (Gaia Messerklinger) untersucht den Mord an ihrem Vater. RSI

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Bei Sonnenschein sieht er be­törend schön aus, dieser ruhig daliegende Luganersee. In der neuen Schweizer Krimiserie «La linea della palma» dient er sowohl als Kulisse als auch als Tatort. Vom Grund des Sees wird nämlich ein Autowrack samt einer männlichen Leiche geborgen. Dreissig Jahre ist der Wagen un­entdeckt geblieben.
Für die Investigativjournalistin Anna Romano (Gaia Messerklinger) ist die Nachricht ein riesiger Schock: Bei der Leiche handelt es sich um ihren Vater Antonio, der seit 1993 als verschollen galt. Anna reist von ihrem Wohnort Mailand ins Elternhaus nach ­Lugano. Dort kümmert sie sich aber nicht etwa um die Beerdigung, sondern um die Umstände, die zum Tod ihres Vaters geführt haben. Es stellt sich schnell heraus, dass er ermordet wurde: Im Körper stecken zwei Kugeln!
Als Anna zu ermitteln beginnt, kommt sie bald Kommissar Andrea Cava­dini (Alberto Malanchino) in die Quere, denn sie lässt sich von niemandem etwas vorschreiben. Ihre unzimperlichen Methoden er­staunen nicht nur den jungen Kommissar, sondern auch uns beim Zuschauen.
Annas Vater Antonio war ein grossartiger Maler und Kunstexperte. In einer Schublade findet sie Fotos von einem weltberühmten Gemälde: «Geburt Christi» des italienischen Frühbarock-Malers Caravaggio. Pikant dabei: Das Meisterwerk wurde im Jahr 1969 aus einer Kirche im sizilianischen Palermo gestohlen und ist seither nicht mehr aufgetaucht. Hatte Antonio vielleicht etwas mit dem Diebstahl zu tun?
Anna wühlt forsch in der Vergangenheit, indem sie Kunstsammler und alte Weggefährten ihres Vaters befragt. Die verhalten sich zunehmend verdächtig! Unterdessen hat Anna den jungen Polizeibeamten Andrea von ihrer Caravaggio-Theorie überzeugt, und sie wühlen gemeinsam im höchst komplexen Fall. Doch damit begeben sie sich in grosse Gefahr, denn auch in Palermo hat man von den Geschehnissen in Lugano erfahren. Wie alle wissen, ist die Cosa Nostra auf Sizilien zu Hause – und die streckt schon bald ihre Fühler in Richtung Norden aus.

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«La linea della palma» jongliert geschickt mit verschiedenen Zeitebenen. Dabei bleibt die Spannung stets hoch, die Action knackig und die Geschichte voller unerwarteter Wendungen. Kaum glaubt man, den Übel­täter ausgemacht zu haben, hat sich das Bild schon wieder verändert, und man muss die Lage neu überdenken.
Auch optisch macht die RSI-Serie einiges her: Lugano bietet eine abwechslungsreiche Kulisse mit vielen Schauplätzen, ebenso Palermo, das vor allem in der Vergangenheit gezeigt wird. Beachtenswert ist die Kameraführung in jenen Szenen, in denen Annas Welt auf den Kopf gestellt wird: Die Kamera dreht sich genauso kopfüber wie Annas Gefühlswelt.
Besonders reizvoll: Caravaggios «Geburt Christi» wurde tatsächlich 1969 in Palermo gestohlen. Der Fall wurde bis heute nicht aufgeklärt. Es kursierten immer wieder Gerüchte, das Bild sei in die Schweiz gelangt.

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Zum Schluss stellt sich eigentlich nur noch die Frage nach dem kryptischen Titel «La linea della palma». Die Serie beginnt und endet mit einem Zitat des sizilianischen Schriftstellers Leonardo Sciascia (1921–1989): «Mit der Erderwärmung verschiebt sich die Wachstumsgrenze der Palmen nach Norden. Auch die Grenze der Mafia verschiebt sich jedes Jahr nach Norden. In einigen Jahren werden wir auch dort Palmen wachsen sehen, wo es heute noch keine gibt.»

La linea della palma

SRF 2 | Krimiserie
Mit Gaia Messerklinger, Alberto Malanchino, Esther Gemsch
Folgen 1–4: Freitag, 30. Januar, 1.50 Uhr
Folgen 5+6: Samstag, 31. Januar, 23.35 Uhr

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