ARD – «Prisoner»

Nachts durch den eiskalten Tunnel

Gefesselt an einen Schwerstkrimi­nellen: Die Sky-Serie «Prisoner» erneuert ein beliebtes Filmmotiv als moderne Thrillerserie.

TELE

Prisoner - Auf der Flucht
Schicksalsgemeinschaft auf der Flucht: Amber (Izuka Hoyle) und Tibor (Tahar Rahim). Sky UK

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Seit dem Klassiker «Flucht in Ketten» (1958) mit Tony Curtis und Sidney Poitier ist das filmische Sujet populär: Zwei flüchtende Menschen, die sich nicht ausstehen können, sind zusammengekettet und gezwungen, miteinander auszukommen. Mit der sechsteiligen Sky-Serie «Prisoner», die nun die ARD ins Programm aufnimmt, erfährt diese traditionsreiche Konstellation ein modernes, bleihaltiges Update. Als wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel um Moral, Verrat und das nackte Überleben.
Im Zentrum des Nervenkitzels steht die Justizbeamtin Amber Todd (Izuka Hoyle). Kaum ist sie aus dem Mutterschaftsurlaub zurück, erwartet sie auch schon ein hochexplosiver Einsatz: Sie soll den Schwerkriminellen Tibor Stone (Tahar Rahim) von einem geheimen Ort nach London überführen. Der hochintelligente Mann ist ein ehemaliger Auftragskiller des berüchtigten Verbrechersyndikats «Pegasus» und soll nun als Kronzeuge vor Gericht gegen dessen Anführer aussagen.
Doch der Polizeikonvoi wird unterwegs von einer mit einem Maschinengewehr bestückten Drohne überfallen. Plötzlich findet sich Amber auf der Flucht wieder – mit Handschellen untrennbar an den durchtriebenen und manipulativen Stone gekettet.
Die Serie lebt von ihrer klaus­trophobischen Intensität. Rahim beschreibt den viermonatigen Dreh in Ketten als eine Art Tanz, bei dem jede Bewegung, jeder Ruck milli­metergenau mit seiner Kollegin abgestimmt werden musste.
Der eigentliche Besetzungs-Coup der Serie ist aber die Gegenspielerin: Als eiskalte «Pegasus»-Killerin Nina Drâgus jagt die Hamburgerin Leonie Benesch das Duo in bester Terminator-Manier durch die britische Provinz. Wer Benesch noch als verschupftes Landei aus «Babylon Berlin» oder als Pflegekraft am Limit im Kinofilm «Heldin» in Erinnerung hat, wird staunen. Die 35-Jährige habe schon beim Casting allen regelrecht Angst eingejagt.

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Für die Rolle trainierte Benesch intensiv mit einer ehemaligen Marinesoldatin: «Nina trägt fast immer eine Waffe, deshalb habe ich mir deren Umgang, Haltung und Aufmerksamkeit antrainiert.» Besonders die Action habe ihr alles abverlangt. Die Schiesserei in der Tunnelszene etwa sei absolut verrückt gewesen: «Wir haben nachts in einem echten Tunnel gedreht, oft elf Stunden am Stück. Es war eiskalt und unglaublich laut.»
Zum ersten Mal ein Sturmgewehr abzufeuern, sei verstörend gewesen. Doch gleichzeitig habe es sich erschreckend gut angefühlt: «Wegen des Machtgefühls, genau das ist das Unheimliche daran.»
Auch wenn das Motiv der Schicksalsgemeinschaft filmhistorisch ein alter Hut ist: «Prisoner» poliert es mit moderner Härte auf und transferiert es geschickt ins digitale bzw. ins Drohnenzeitalter.

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Zu bemängeln gibt es vielleicht dies: Als vor dem Showdown der Plot ins Stocken gerät, verhält sich Amber in höchster Gefahr so cool, dass man sich fragt: Ist sie wirklich gerade Mutter geworden?

Prisoner

ARD | Thrillerserie | 1. Staffel
Mit Izuka Hoyle, Tahar Rahim, Finn Bennett
Folgen 1–4/6: Mittwoch, 24. Juni 2026, 23.30 Uhr
Folgen 5+6/6: Freitag, 26. Juni 2026, 23.45 Uhr

Der Trailer

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