Es wirkt wie der logische erste Coup im frischen RTL-Kosmos: Kaum war die Übernahme von Sky Deutschland im Juni 2026 vollzogen, wurde mit «Der Pass» die erste Spitzenware aus dem Sky-Archiv in die Primetime des RTL-Spartensenders Nitro aufgenommen.
Dabei schlug der Krimiserie bei ihrer Ankündigung vor acht Jahren immense Skepsis entgegen. Wie konnte man sich nur an eine deutsch-österreichische Adaption der schwedisch-dänischen Überserie «Die Brücke» wagen?
Doch die Bedenken wurden in der Auftaktfolge schon früh regelrecht zerschlagen: Mit einem unkonventionellen Erzählkonzept und einem top besetzten Ermittlerduo schreibt «Der Pass» seine eigene wendungsreiche Geschichte im Grenzgebiet von Deutschland und Österreich.
Nur schon der Werdegang der beiden Kommissare ist filmreif: Die quirlige und gutherzige Ellie Stocker (Julia Jentsch) aus München stürzt sich voller Elan in die Ermittlungen. Ganz anders ihr Salzburger Kollege Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek). Der kettenrauchende, daueralkoholisierte Zyniker ist der wohl verlottertste Kommissar, den die Serienwelt je gesehen hat.
In Staffel 2 dann ein ganz neues Bild: Ellie ist zerzmürbt von den traumatischen Ereignissen der ersten Staffel. Und der tot geglaubte Gedeon steht etwas wackelig wieder auf der Matte, hat drei Kopfschüsse überlebt und kämpft sich zurück in den Polizeidienst.
Die Ausgangslage in der dritten Staffel, die in zwei Tranchen am 20. und 27. August bei Nitro zur besten Sendezeit läuft, krempelt nochmals alles um. Die beiden Kommissare sind zu erbitterten Kontrahenten geworden. Ellie setzt alles daran, Gedeon der Korruption zu überführen, um die Wahrheit über den Mord an ihrer Kollegin aufzudecken.
Gedeon entgehen die energischen Ermittlungen seiner Kollegin natürlich nicht. Doch er hat seinen ganz eigenen und für das Publikum sehr aufschlussreichen Fall am Laufen: Er sucht den Peiniger aus seiner Kindheit. Hier scheint auch die Ursache für sein kaputtes Wesen zu liegen.
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Allen Widerständen zum Trotz müssen Stocker und Winter beruflich noch ein letztes Mal zusammenspannen. Denn das düstere Serienmörder-Tableau wird mit einem weiteren Archetyp ergänzt, der erneut dies- und jenseits der Grenze den Gesetzeshütern zu schaffen macht.
Während im Fall des Krampus-Killers (Staffel 1) und Alexander Gössens (Staffel 2) rasch ein Tatmuster erkennbar wurde, bleibt die neue Mordserie für die Ermittler vorerst nebulös. Wahllos und ohne erkennbares Motiv, aber ganz offensichtlich akribisch geplant, meuchelt sich ein Unbekannter durch die alpine Landschaft.
Mit diesen von der Kamera eingefangenen Bildern liesse sich eine eigene Kunstausstellung installieren. Erstaunlich auch, wie diese Staffel nochmals sämtliche Register zieht und stets unvorhersehbar bleibt.
Neu ist auch, dass der Fall nicht wie bisher im Winter, sondern im Herbst seinen düsteren und atmosphärisch oft erdrückenden Lauf nimmt. Massgeblich verantwortlich dafür ist Kommissar Winters anstössiges Gebaren. Wiederholt überschreitet er die polizeilichen Befugnisse – umso mehr, als sich sein Suchtverhalten in Richtung Opiate und seine Arroganz ins Uferlose verschoben haben. Was Ellie und Gedeon vereint, ist die energische Suche nach Gerechtigkeit, die sie vor eine finale Entscheidung zwischen Vergeltung und Vergebung stellt.
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Mit dem Ende der dritten Staffel findet «Der Pass» nun einen rundum perfekten und stimmigen Abschluss. Die Trilogie schliesst ihren erzählerischen Kreis mit konsequenter Härte sowie grosser emotionaler Tiefe.
Dass die Serie Massstäbe gesetzt hat, widerspiegelt sich nicht zuletzt in der Flut an Auszeichnungen: Sie sicherte sich den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis, die österreichische Romy sowie die Goldene Kamera. «Der Pass» hinterlässt damit ein Gesamtkunstwerk, das als Meilenstein in die deutschsprachige Seriengeschichte eingeht.
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