Die «Kulturplatz»-Hosts im Interview

Mittendrin statt nur dabei

Der «Kulturplatz» kommt weniger sphärisch daher als früher. Unplanbarer – halt wie das Leben selber.

TELE

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Ihr erste gemeinsame Moderation bestand aus einer Talkrunde mit Schweizer Kulturschaffenden: Nina Mavis Brunner und Nino Gadient. SRF

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Am 18. Juni 2025 moderierte Eva Wannenmacher (55) ein letztes Mal «Kulturplatz». Danach herrschte monatelang Ungewissheit. Bleiben die «Stellvertreter» Nina Mavis Brunner (45; seit 2010) und Nino Gadient (41; seit 2022) beim SRF-Magazin? Wie weiter?
Im April wurde endlich verkündet: Die zwei führen den «Kulturplatz» auch in die Zukunft, heissen nicht mehr «Moderator/-in», sondern «Hosts». Gehen raus an Orte, wo Kultur passiert: auf die Bühnen, die Strasse. Mittendrin statt nur dabei.
Im Gespräch mit TELE erzählen Brunner und Gadient, wieso sie sich neu erfinden mussten, was das mit ihrem Terminkalender anstellt und wieso Kultur auch mal wehtut.

TELE: Warum hat Ihre Ernennung als «Kulturplatz»-Hosts so lange gedauert?

Nina Mavis Brunner: Die Stellen wurden ausgeschrieben, und es gab Castings. Das benötigt natürlich Zeit. Als öffentlich-rechtlicher Sender muss sich SRF an klare Prozesse halten. Das ist auch richtig so.

Mussten Sie in dieser Phase um Ihren Job fürchten?

Brunner: Fürchten ist das falsche Wort. Aber ich habe mich darauf eingestellt, dass ich nicht mehr besetzt werde. Ich durfte die Sendung 15 Jahre lang moderieren. Hätte man sich für ein frisches Gesicht entschieden, hätte ich das ver­standen. Natürlich wäre das nicht schmerzlos an mir vorbeigegangen, weil ich echt begeistert bin von der neuen Ausrichtung des Formats.

Im Normalfall moderieren Sie getrennt, Ende Mai/Anfang Juni gab es erstmals zwei gemeinsame Sendungen. Hat die Chemie gestimmt?

(Beide im Chor:) Die stimmt immer!
Brunner: Nino und ich arbeiten seit 15 Jahren zusammen. Er war schon öfter Produzent von Sendungen, die ich moderierte. Wir kennen uns wirklich sehr gut.

Ist eine weitere Ausgabe zu zweit geplant?

Nino Gadient: Die Redaktion plant das für den Spätsommer. Es ist zwar noch nichts spruchreif, eine Talksendung wird es aber nicht mehr.

Das neue Konzept rückt Sie beide ins Zentrum. Macht das die Sendung besser?

Gadient: Als Erstes tut das neue Konzept dem Format einfach mal gut – und uns auch. Wenn ich mich auf ein Thema fokussiere, kann ich richtig eintauchen. Gleichzeitig hängt aber auch alles stärker von uns ab. Ich denke, es ist eine grosse Chance, den Geschichten und Menschen noch mehr gerecht zu werden. Sie so zu zeigen, wie sie sind, und für die Zuschauer wirklich ein Erlebnis anbieten zu können.

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Brunner: Wir wissen nie, was uns erwartet. Ich mag das. Ich gehe mit einem Plan A raus, doch schon bald wird dieser zu Plan B, dann zu Plan C. Es ist sehr reizvoll, mich intensiv mit Themen zu befassen, von denen ich vorher wenig wusste.
Gadient: Mir ging es ähnlich, als ich Stefanie Heinzmann zu «Art on Ice» begleitete. Ich hatte weder mit Heinzmann noch mit Schlittschuhlaufen viel am Hut, was ich ihr und dem Publikum nicht verheimlichte. Das hat geholfen, Stefanie aus der Reserve zu locken, sodass sie viel Persön­liches von sich preisgab.

Hat das neue Konzept auch Nachteile?

Gadient: Organisatorisch war das alte Konzept einfacher. Montags war meist Drehtag. Jetzt kann ein Dreh auch mehrere Tage dauern. Das erfordert Flexibilität. Nina moderiert ja noch «Kulturzeit» auf 3sat.
Brunner: (Schmunzelt.) Wir befinden uns da noch in der Lernphase.

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Sie haben zwei Kinder, Frau Brunner. Fragt man Sie oft, wie Sie das alles schaffen?

Brunner: Das frage ich mich selbst jeden Tag! (Lacht.) Im Ernst: Es ist alles eine Frage der Organisation. Natürlich gibt’s Diskussionen mit der Familie. Aber so erkläre ich meinen Kindern etwa, dass das Geld für die Badi und das Glacé nicht vom Himmel fällt und dass es auch toll ist, so abwechslungsreich arbeiten zu dürfen.

Dass einem Vater diese Frage in der Regel nicht gestellt wird, stört Sie nicht?

Brunner: Es stört mich eher, dass diese Frage Eltern, die zum Beispiel als Reinigungskräfte oder in der Pflege im Schichtbetrieb arbeiten, nicht gestellt wird. Mein Mann und ich haben ja das Privileg, dass wir uns auch mal einen zusätzlichen Krippentag leisten können. Eine deutsche Kollegin hat mich mal gefragt, warum viele Frauen bei uns wenige Wochen nach der Geburt ihres Kindes wieder zu arbeiten anfangen. Ob die alle so karrieregeil seien. Da habe ich ihr erklärt, wie kurz der Mutterschaftsurlaub in der Schweiz ist.

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Zurück zur Sendung: Werden Sie sich an den Redaktionssitzungen immer einig darüber, wer welches Thema übernimmt?

Brunner: So frei sind wir schon aufgrund unserer Terminkalender nicht. Wer Zeit hat, macht’s (lacht).
Gadient: Es gibt keine Nina- oder Nino-Themen. Was uns aber unterscheidet, ist die Herangehensweise. Nina achtet bei der Textarbeit mehr auf die Details, ich muss vieles ausprobieren, und dann spüre ich, was funktioniert und was vermutlich eher nicht.
Brunner: Sag’s ruhig: Ich bin ein Tüpflischiisser in der Recherche und beim Texten. Aber beim Dreh setze ich auf das Unplanbare, auf Situationskomik. Aufs Leben halt. Das macht das neue Format für uns beide aus.

Fühlen sich Kulturschaffende eigentlich immer geschmeichelt, wenn Sie dort anfragen?

Brunner: Weil wir ein Kulturmagazin machen? Sicher nicht zwingend. Auch bei uns gibt es Reibungsfläche – und das schadet nicht.
Gadient: Mir wurde tatsächlich schon vorgeworfen, zu streng mit meinen Gästen zu sein. Aber Kultur heisst nicht, dass alles nur nett und schön ist. Sie kann und muss auch kritisch sein. Das sind kul­turelle Produktionen wie Filme, Thea­terstücke, Romane etc. ja eben­falls. Manchmal muss Kultur auch etwas zwicken, etwas wehtun.

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In einem Satz: Wo sehen Sie den «Kulturplatz» in drei Jahren?

Brunner: Linear in der Primetime fände ich jetzt nicht so verkehrt.
Gadient: Und zwar vor «10 vor 10». Ich will am Ende der Sendung mal auf Arthur Honegger hinweisen statt er immer auf uns (lacht).

Kulturplatz

SRF 1 | Mittwoch, 17. Juni | 22:25 Uhr
«Kulturplatz» begleitet die junge Schweizer Pianistin Manoush Toth nach Eriwan in Armenien an die «Eurovision Young Musicians».
Host: Nino Gadient
Über die Autoren

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