ARD – «Oderbruch»

Mit Blut getränkt

Die ARD-Thrillerserie «Oderbruch» wandelt sich in Staffel 2 definitiv zum blutigen, bildgewaltigen Dark-Fantasy-Vampir-Epos.

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Oderbruch
Die Vampir-Geschwister Maggie (Karoline Schuch) und Kai (Julius Gause) sind Jäger und Gejagte. ARD Degeto Film/SWR/Syrreal Ente

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Das Oderbruch ist kein Ort für Postkarten-Idylle und Romantiker. Es ist eine topographische Wunde im deutsch-polnischen Grenzgebiet. 1945 wütete hier der Zweite Weltkrieg besonders blutig. Die Rote Armee stiess bei ihrem Vormarsch Richtung Berlin auf erbitterten Widerstand von Hitlers Wehrmacht. Mehrere zehntausend Soldaten verloren ihr Leben. Längst sind nicht alle Gefallenen geborgen. Das Oderbruch ist bis heute ein einziges riesiges Grabmal.
Damit sind wir schon mitten im Thema. Wer glaubt, nach dem Fund des gigantischen Leichenbergs in der ersten Staffel sei das Grauen auserzählt, hat sich getäuscht. Die ARD-Serie kehrt zurück. Und mit ihr ein Hunger, der keine Grenzen kennt.
Zwei Jahre sind vergangen, seit Maggie Kring (Karoline Schuch) vom dunklen Familiengeheimnis erfuhr: Haben die Angehörigen erst einmal Menschenblut gekostet, brauchen sie es fortan, um zu überleben. Gleichzeitig verleiht es ihnen übermenschliche Kräfte.
Staffel 2 vollzieht endgültig den Schritt vom atmosphärischen Krimithriller zur «vollblütigen Vampir­serie», wie es die Produzenten pointiert formulieren. Doch Klischees von Fledermäusen, Knoblauch- und Sonnenallergien muss niemand fürchten. «Oderbruch» gibt dem Genre ein neues, geerdetes Gesicht.
Der Einstieg in die Fortsetzung gelingt auch Quereinsteigern: Die nötigen Informationsbissen werden organisch eingeflochten, ohne den tiefroten Fluss der Erzählung durch plumpe Rückblenden zu stören.
Maggie und ihr Bruder Kai (Julius Gause) sind entschlossen, den Opferungen von Menschen ein Ende zu setzen. Sie machen gnadenlos Jagd auf ihresgleichen und werden dabei selber zu Gejagten: Der suspendierte Ermittler Stanislaw Zajak (Lucas Gregorowicz) aus der ersten Staffel hat sich an ihre Fersen geheftet. Auch der mächtige Blutsauger Quito (Sabin Tambrea) hetzt Maggie hinterher. Ist sie als Frau doch die einzige Hoffnung auf den Fortbestand ihrer Art. Oder doch nicht?

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Wir erfahren, dass Maggie eine Tochter hat, die in Spanien lebt und von der ausser Maggie nur Zajak Kenntnis hat. Er will Vera (Emily Kusche) als Köder benutzen, um die Kring-Geschwister zu fassen. Deren Mission führt sie aus der menschenleeren Einöde des deutschen Ostens bis weit in die Wüstenlandschaften Spaniens, wo sie die letzten Vampire vermuten und zur Strecke bringen wollen.
Eine Krimiserie derart radikal zur Horrorserie mutieren zu lassen, erfordert Mut. Mit fast 13 Millionen Abrufen in der Mediathek hat die erste Staffel aber bewiesen, dass das Publikum bereit ist für dieses finstere Experiment. Die Bildgewalt der zweiten Staffel unterstreicht diesen hohen Anspruch. Die trüben, oft nebelverhangenen Originalschauplätze des Oderbruchs finden in der gleissenden Sonne Spaniens einen Gegenpol, der die Zerrissenheit der Figuren unterstreicht.

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Die zweite Staffel schafft das Kunststück, das Niveau der ersten nicht bloss zu halten, sondern es sogar noch anzuheben. Gerade im Vergleich zu den erzählerischen Durststrecken, die den Mittelteil der ersten Staffel sporadisch zerdehnten, wirkt die Fortsetzung deutlich fokussierter.
Und trotz der Düsternis gönnt die Serie ihrem Publikum jene Prise subtiler Ironie, die mittlerweile schon fast zum guten Ton gehört. Etwa wenn Kai das Geld ausgeht und er für einen Raubüberfall auf ein Wettbüro zur billigen Vampirmaske greift; oder wenn Maggie in einer Bar in Spanien schalkhaft zwei «Vampiros» bestellt.
Man muss also nicht unbedingt ein Fan von Vampirgeschichten sein, um von dieser Serie gefesselt zu werden. Wer diese Reise einmal angetreten und Blut geleckt hat, kommt so schnell nicht wieder los.

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Ungeduldigen stehen ab dem 20. Februar alle Folgen in der ARD-Mediathek zum Abruf bereit. Auch jene der ersten Staffel.

Oderbruch

ARD | Horrorserie | 2. Staffel
Mit Karoline Schuch, Juliu Gause, Lucas Gregorowicz
Folgen 1+2/6: Sonntag, 22. Februar 2026, 22.05 Uhr, ARD
Folgen 3–6/6: Freitag, 27. Februar 2026, 23.55 Uhr, ARD
Alle Folgen bereits ab 20. Februar 2026 in der ARD-Mediathek

Der Trailer

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