Wer zurzeit Jason Isaacs begegnet, dem zaubert das zuerst einmal ein Schmunzeln ins Gesicht. Das Schweizer Publikum sieht den 62-jährigen Briten regelmässig in der Cailler-Werbung: als genervten Skitouristen, der sich mit hautenger, pinkfarbener Badehose präsentiert, nachdem er sich endlich sein Stück Schokolade ergattert hat. Auch Serienfans hatten ihn auf dem Schirm: In der dritten Staffel des HBO-Hits «The White Lotus» spielte er einen egozentrischen Geschäftsmann kurz vor dem Kollaps.
Nun zeigt Isaacs eine ganz andere Facette: In der vierteiligen Dramaserie «Archie» verkörpert er einen der grössten Weltstars der Filmgeschichte: Cary Grant (1904–1986). Die Miniserie lässt ein berührendes und kreativ umgesetztes Porträt eines Mannes entstehen, dessen ganzes Dasein auf einer traurigen Lebenslüge basiert.
Cary Grant galt als Inbegriff von maskuliner Eleganz, Charme und Charisma. Meisterwerke wie Alfred Hitchcocks «Über den Dächern von Nizza» (1955) oder «Der unsichtbare Dritte» (1959) machten ihn zum Star und globalen Idol.
Die ITV-Serie basiert auf den Erinnerungen seiner vierten Ehefrau Dyan Cannon (89) und der gemeinsamen Tochter Jennifer Grant (60), die beide als ausführende Produzentinnen fungierten. Die Story beginnt mit dem bereits 58-jährigen Grant im Los Angeles der 60er-Jahre nach seiner dritten Scheidung. Er sitzt niedergeschlagen auf dem Bett, als ihm im TV die junge Dyan Cannon (Laura Aikman) ins Auge sticht. Kurzerhand beschliesst er, sie zu umwerben. Und tritt damit eine schmerzhafte Reise zu seinen Wurzeln an. Denn Cary Grant wurde erst spät zum Gentleman.
Dies zeigen Rückblenden in die Kindheit. Grant kam 1904 in Bristol (GB) als Archibald Leach zur Welt, hineingeboren in ein Milieu aus Armut und familiärem Zerfall. Der Vater, ein jähzorniger Alkoholiker, hatte seine depressive Frau früh in eine Nervenheilanstalt verfrachtet. Dem Bub wurde weisgemacht, seine Mutter sei gestorben. Die Wahrheit erfuhr Archie erst viel später, als er schon ein Filmstar war. Wiederum von seinem Vater, den er 30 Jahre nicht gesehen hatte. Archies Mutter sollte den Tyrannen um Jahrzehnte überleben. Sie starb erst 1973, mit weit über neunzig.
Werbung
Doch wie wurde Archie Leach zu Cary Grant? Den Namen nahm er 1932 auf Drängen der Paramount-Bosse an, denen Archie Leach für einen Hollywoodstar zu plump und nicht zugkräftig genug erschien. Sein neuer Name wurde zu einer Kunstfigur, die mithalf, der düsteren Vergangenheit zu entfliehen. «Ich gab vor, jemand zu sein, der ich sein wollte, und wurde schliesslich zu dieser Person», erklärte sich Grant. Sogar seinen Bristol-Akzent trainierte er sich ab, um nicht mehr das Klischee des verkopften Briten zu bedienen. Doch auch der Erfolg füllte seine innere Leere nicht.
Glaubt man der ersten Szene der Serie, soll Cary Grant kurz vor seinem Tod gesagt haben: «Ich hatte ein schönes Zuhause, ein Dienstmädchen, ein klasse Auto und einen super Job. Ich drehte Filme und alle liebten mich. Nun mögt ihr euch fragen, was ich mich selber immer wieder fragte, wenn ich mein dämliches Gesicht im Spiegel betrachtete: Warum war ich nicht wahnsinnig glücklich?» Tja, das sei eine lange Geschichte …
Werbung
«Archie» erzählt sie. Als tragisches Porträt eines Mannes, der sein ganzes Leben damit zubrachte, vor sich selber davonzulaufen.
«Archie – Die Cary Grant Story»
One | Drama-Miniserie | GB 2023
Mit Jason Isaacs, Laura Aikman, Jason Watkins
Montag, 9. März, 21:45 Uhr auf One (alle vier Folgen am Stück)
An dieser Stelle findest du einen ergänzenden externen Inhalt. Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.