Der erste Telefontermin fällt ins Wasser. Denn statt von seiner Gastrolle im Zürcher «Tatort: Könige der Nacht» zu erzählen, kniet Basil Eidenbenz (33) neben einem Tierarzt, der sich um das trächtige Schaf Bonnie kümmert, das von einem Hund gerissen wurde. «Hier laufen viele Hunde wild rum, da passiert das leider schon mal», erklärt Eidenbenz am nächsten Tag, als es mit dem Anruf doch noch klappt.
Mit «hier» meint er Schottland. Dort verbringt er mehrere Wochen auf einem alten Bauernhof, welcher der britischen Schauspielerin Emma Thompson (67) gehört. Sie ist die Mutter seiner Partnerin, Schauspielerin Gaia Wise (26).
Die ganze Familie nutzt diesen Rückzugsort auf dem Land als Detox von London und verbringt die Tage mit Rollenstudium, Textlernen und damit, «mal wieder ein bisschen das Wasser zu hören». In Schottland, so erklärt Eidenbenz, plätschere es eben dauernd und überall. Ein Geräusch, das er in London vermisse.
Und es erinnert ihn auch an früher, denn Eidenbenz ist im Zürcher Niederdorf aufgewachsen. Spaziert man am Sonntagmorgen, wenn es keine Leute und keine Autos hat, vom Bellevue zum Central, höre man ständig irgendwo einen Brunnen plätschern, egal, wo man sei, man höre Wasser.
Ganz anders in London. «Wir haben zwar einen Trinkbrunnen, doch der ist seit fünf Jahren kaputt. Wir haben schon zig E-Mails geschrieben, man möge ihn bitte flicken. Bis jetzt ohne Erfolg.»
Seit vierzehn Jahren lebt Eidenbenz in der englischen Metropole, dort hat er Schauspiel studiert, und dort ist nun sein Lebensmittelpunkt, im Stadtviertel Hampstead. Darauf angesprochen, schwärmt er von der Natur, die er von der Schweiz vermisst, die er aber im Hampstead Heath, einem wilden, naturbelassenen Park in der Nähe findet. «Wenn man dort mittendrin steht, hört man kein einziges Auto», sagt er begeistert. «Du hast das Gefühl, als stündest du auf dem Üetliberg!»
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Basil Eidenbenz als Justus Reynier in «Tatort: Könige der Nacht».SRF/Repro
Basil Eidenbenz als Justus Reynier in «Tatort: Könige der Nacht».SRF/Repro
Doch wir sind abgeschweift. Eigentlich wollten wir ja wissen, wie es für ihn war, beim Zürcher «Tatort» einzusteigen. Denn im neusten Fall verabschiedet sich der IT-Spezialist und Kriminaltechniker Noah Löwenherz (Aaron Arens) in sein wohlverdientes Sabbatical – und seine Vertretung übernimmt nun Justus Reynier, gespielt von Basil Eidenbenz.
Ein eingefleischter «Tatort»-Kenner sei er nicht, in England sei es auch nicht so einfach, an Streams heranzukommen. «Aber wenn ich in Zürich bin und mein Vater am Sonntag den Fernseher einschaltet, dann ist ‹Tatort›-Zeit.»
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Eidenbenz gefiel es auch, wieder mal in der Schweiz zu drehen. «Schön war’s, aber ein bisschen lang, weil ich zwischen den Drehtagen nicht hin- und herfliegen konnte.» Also lebte er während der Dreharbeiten fünf Wochen lang bei seinen Eltern in Zürich. «Meine Mutter ist Hebamme, und wenn sie Spät- oder Nachtschichten und ich gleichzeitig Nachtdrehs hatte, hat sich unser Rhythmus angepasst, was schön war.»
Auch am Set sei nicht alles komplett anders als etwa beim Dreh von «Indiana Jones und das Rad des Schicksals» (2023), in dem er einen Nazi spielte. «Die Struktur eines Films ist eigentlich immer gleich – egal ob Studentenfilm oder Hollywoodproduktion», so Eidenbenz. «Der Unterschied ist, dass beim einen 2000 Leute arbeiten und beim anderen 20.» Die Beziehungen und Gespräche seien aber oft die gleichen, etwa zum Make-up-Team oder zum ersten Regieassistenten.
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Einen wirklichen Unterschied erlebte er allerdings 2020 während der Dreharbeiten zur zweiten Staffel der Netflix-Fantasyserie «The Witcher». «Wir drehten mitten in der Pandemie, während viele andere Produktionen nicht weiterarbeiten konnten, weil sie das Geld nicht hatten, um die Sicherheitsregeln einzuhalten.» Die Rolle als Hexer Eskel war zudem auch ein kleiner Gamechanger für den 33-Jährigen. «Es ist nicht so, dass ich danach ein Angebot nach dem anderen bekommen habe, aber die Rolle hat mir natürlich ein paar Türen geöffnet.»
In seiner Rolle als Hexer Eskel im Netflix-Hit «The Witcher».Netflix
In seiner Rolle als Hexer Eskel im Netflix-Hit «The Witcher».Netflix
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Basil Eidenbenz ist mit Haut und Haaren Schauspieler. Doch er kennt auch anderes. Ein Jahr lang hat er als Koch im angesehenen Londoner Restaurant «Straker’s» gearbeitet. «Ich wollte wissen, ob ich auch chrampfen kann.» Als Schauspieler verdiene man manchmal ganz gut, wenn man einen Job hat. «Man sitzt dann im Wohnwagen herum und lernt Text. Da fühlt man sich schon verwöhnt.» Also ging er als Koch schuften: «Du bist 17 Stunden am Tag auf den Beinen, verdienst fast nichts und trägst die ganze Zeit schweres Zeugs umher.» In seiner schlimmsten Woche hat er 86 Stunden gearbeitet. «Da war für mich der Beweis erbracht, dass ich sehr wohl hart arbeiten kann. Nun sitze ich lieber wieder im Wohnwagen (lacht).»
Was er als Nächstes dreht, darf er nicht verraten. Sicher ist, dass er Ende Mai in Winterthur am Afro-Pfingsten-Festival einen Food-Stand mitbetreibt. Bis dann wissen wir hoffentlich auch, ob Bonnie und ihre Lämmchen es geschafft haben.
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Tatort: Könige der Nacht
TV-Krimi
Mit Carol Schuler, Anna Pieri-Zuercher, Basil Eidenbenz