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Interview mit Dominique Devenport

«Ich spürte direkt ihren Charakter»

Nach «Sisi» schlüpft die Luzernerin Dominique Devenport in der SRF-Thrillerserie «Davos 1917» in die Rolle der Krankenschwester Johanna.

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Ein «historisches» Gesicht? Dominique Devenport als Schwester Johanna Gabathuler in «Davos 1917».

Ein «historisches» Gesicht? Dominique Devenport als Schwester Johanna Gabathuler in «Davos 1917».

SRF/Patricia Neligan
TELE
Simone Reich

Sie sieht auf den ersten Blick aus wie die reine Unschuld. Doch ein vielsagendes Lächeln hier oder eine hochgezogene Braue da lassen erahnen, dass hinter der Fassade von Dominique Devenport viel mehr versteckt ist.

Die 27-jährige Luzernerin überzeugt seit zwei Jahren als Kaiserin «Sisi» auf RTL, nun spielt sie in der aufwendigen SRF-Produktion «Davos 1917» die Hauptrolle: Krankenschwester Johanna.  

Tele.ch: Sie haben offenbar ein Händchen für tolle Rollen. Wie sind Sie zu jener der Johanna gekommen?

Dominique Devenport Ich habe mich ganz normal beworben, wie alle anderen Frauen auch, es gab mehrere Castingrunden. Schliesslich schaute man in Konstellationscastings mit Gräfin Ilse und Doktor Mangold, ob es zusammenpasst.

Was mögen Sie an Johanna?

Ich war von Anfang an begeistert, als ich die Drehbücher las. Sie sind wirklich toll geschrieben, und es passiert sehr viel. Die Johanna ist eine super komplexe Figur. Ich hatte auch das Gefühl, dass ich ihren Charakter direkt spüre.

Wie spürt man das?

Johanna ist eine Frau, die mit vielen Widrigkeiten fertigwerden muss, das ist ein spannendes Setting. Es hat für mich alles gepasst. Ausserdem glaube ich, dass es diese Art von Geschichte im Schweizer Fernsehen noch nicht gab: zwei Spioninnen in einem historischen Kontext.

Eine emanzipierte Serie also?

Auf jeden Fall! Johanna ist sehr abgeschottet aufgewachsen und lernt nun verschiedene Formen von Emanzipation kennen, aber auch von Machtausübung.

Die Serie spielt 1917 während des Ersten Weltkriegs. Wie viel wussten Sie zuvor über jene Zeit?

Wohl etwa so viel wie alle noch aus der Schulzeit wissen. Dass die Schweiz damals schon neutral war, war mir klar, aber ich wusste nicht, was das genau bedeutete. Das war dann auch mein Fokus. Ich wollte herausfinden, wie man damals in der Schweiz gelebt hat. Vor allem auch als Frau. Wie wuchsen die Frauen auf? Was waren ihre Aufgaben? Zudem habe ich mich mit Tagebüchern von Krankenschwestern an der Front beschäftigt.

Schwester Johanna misst nicht nur Fieber, sie holt auch Gewehrkugeln aus den Patienten raus.

Ja, das sieht alles sehr echt aus, oder? (Lacht.) Wir hatten eine Ärztin vor Ort, die uns bei berufsspezifischen Handgriffen beraten hat. Das Vernähen von Wunden übten wir an Sets, die für Medizinstudenten gedacht sind und mit einer Silikonhaut mit Schnitten ausgestattet sind. Es ging aber auch darum, zu erfahren, was eine Krankenschwester wie Johanna tagsüber so macht in einem Kurhaus, das auf Tuberkulose spezialisiert ist.

Sie mussten nicht nur Medizinisches lernen, sondern auch die Bündner Mundart. Oder haben Sie die schon vorher beherrscht?

(Lacht.) Nein! Ich beneide die Schauspielerinnen und Schauspieler, die einfach nach Belieben den Dialekt wechseln können. Ich kann das nicht. Eine Expertin coachte mich, und wir haben die Sätze eingelesen und geübt. Dabei haben wir uns für einen nicht sehr ausgeprägten Dialekt entschieden, denn sonst wäre die Chance gross gewesen, Fehler zu machen.

Was mussten Sie sonst noch lernen für die Rolle? Konnten Sie zum Beispiel vorher schon reiten?

Nur begrenzt, ich hatte für «Sisi» schon Reitstunden bekommen und musste es damals relativ schnell lernen. Ich würde nicht behaupten, dass ich es gut kann, aber die Grundlagen haben mir für «Davos 1917» geholfen. Es ist aber auch so, dass man im Film beim Reiten die ganz schwierigen Sachen nicht selber machen darf.

Kaiserin Sisi, Kriegsschwester Johanna: Haben Sie ein Abonnement auf historische Stoffe?

Keine Ahnung, offenbar schaut man mich an und denkt «historisch!». (Lacht.) Ich kann mir schon vorstellen, dass ich bessere Chancen hatte, weil meine erste grosse Rolle die Sisi war. Hätte ich in meiner ersten grossen Rolle einen vollgepiercten Punk in Berlin gespielt, wäre es vielleicht schwieriger gewesen, sich mich als Johanna vorzustellen.

Macht es denn Spass, Figuren mit historischem Kontext zu spielen?

Mir gefallen die Kostüme, sie geben einem eine ganz klare Idee des Zeitalters. Wie lang sind die Röcke? Wie eng das Korsett? Kannst du atmen oder nicht? Kannst du dich hinsetzen oder nicht? Das Kleid gibt auch Aufschluss über die jeweilige Rolle der Frau. Das finde ich sehr interessant.

Legen wir Sisi und Johanna mal beiseite. Welches Genre würde Sie noch reizen: Horror? Musical?

Also Musical ist gar nicht meins! Aber mich reizen mehrere Dinge. Dadurch, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin und Englisch meine zweite Muttersprache ist, würde ich mega gern auch mal auf Englisch spielen, denn wenn man eine andere Sprache spricht, ist man wie eine andere Person. Ich würde nur allzu gerne wissen, was ich für eine Schauspielerin bin, wenn ich Englisch rede (schmunzelt). 

Von Simone Reich am 13. Dezember 2023 - 08:00 Uhr