Nach einer anderthalbjährigen Haftstrafe wegen Versicherungsbetrug versucht der Spitzenkoch Jónas (Ólafur Darri Ólafsson) sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.
Doch die wiedergewonnene Freiheit meint es nicht gut mit ihm: Seine Frau ist wieder liiert und hält die gemeinsamen Kinder von ihm fern, und seinen Job als Koch in einer Kita, für den er ohnehin völlig überqualifiziert ist, verliert er wegen seiner Vergangenheit gleich wieder. Die Eltern sollen reklamiert haben. «Worüber?», fragt Jónas sarkastisch, «dass sich ihre Kinder endlich vernünftig ernähren?»
In seiner Verzweiflung lässt sich Jónas auf Kristján (Þröstur Leó Gunnarsson) ein, den er im Gefängnis kennengelernt hat. Der erklärt sich zwar bereit, ihm ein eigenes Restaurant zu finanzieren, will es aber dazu nutzen, sein kriminelles Geld zu waschen. Der Deal: Jónas bringt sein «Fine Dining»-Etablissement zum Laufen, während Kristjáns kratzbürstige Komplizin Marý (Hera Hilmar) die Bücher fälscht.
Zunächst scheint der Plan aufzugehen: Jónas’ 17-jährige Tochter fängt sogar als Kellnerin bei ihm an – und auch das Testessen erweist sich als voller Erfolg. Doch dann macht ein ungebetener Gast im Restaurant klar, dass Kristjáns Geschäfte schmutziger sind, als Jónas ahnte. Während er versucht, seinen Traum zu verwirklichen, wird er immer tiefer in den kriminellen Morast gezogen.
«Reykjavík Fusion» ist die erste isländische Serie, die beim «Cannes International Series Festival» gezeigt wurde. Der Genre-Mix aus Krimi, Familiendrama und kulinarischer Selbstfindung wirkt auf dem Papier gewagt, funktioniert aber in der Umsetzung durchaus.
Das hiesige Publikum kennt Ólafssons bereits als Kommissar aus der deutsch-isländischen Serie «Trapped – Gefangen in Island». Sein Spiel zwischen stoischer Ruhe, Wutausbrüchen und der verzweifelten Hoffnung auf einen Neuanfang verleiht der Figur Tiefe.
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«Reykjavik Fusion» gelingt es, das klassische Noir-Motiv «Mann gegen System» modern zu interpretieren. Und die moralischen Grauzonen werden so nuanciert ausgeleuchtet, dass man Jónas’ wiederkehrende, riskante Entscheidungen trotz aller Vorbehalte nachempfinden kann.
Die kriminellen Verstrickungen sind geschickt in den Alltag des Gastronomiebetriebs eingewoben und sorgen für konstante Grundspannung, obwohl die Handlung manchmal zu stagnieren droht. Nämlich dann, wenn sich die persönlichen Stimmungen und Befindlichkeiten wichtiger nehmen als das erzählerische Voranschreiten.
«Reykjavik Fusion» erfindet das Genre nicht neu, dafür fällt ein Aspekt der Serie speziell auf: die Darstellung der Kochkunst. Die Kamera fängt die Zubereitung der Speisen in einer Ästhetik ein, die man sonst aus Highend-Werbespots kennt. Wenn Jónas mit leidenschaftlicher Präzision eine Sauce montiert, Kräuter in Zeitlupe auf ein perfekt gegartes Filet fallen lässt oder der Fleischsaft beim ersten Schnitt lustvoll austritt, entwickelt man beim Zuschauen einen unbändigen Appetit auf die exquisiten Gerichte.
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Diese Szenen sind visuelle Delikatessen, die das Handwerk des Kochens ins Erhabene, ja in geradezu sakrale Sphären erheben. Umso heftiger fällt der Schlag in die Magengegend aus, wenn dieselbe Akribie, mit der eben noch ein Fisch filetiert wurde, flugs einem Messer gilt, das in eine menschliche Niere gestossen wird.
Reykjavík Fusion
Arte | Thrillerserie (1–6/6)
Mit Ólafur Darri Ólafsson, Hera Hilmar, Þröstur Leó Gunnarsson
ISL 2025
Donnerstag, 23. April 2026, 21.45 Uhr, Arte; alle 6 Folgen am Stück
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