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ZDF – «München Beats»

Techno knallt auf Kartoffeln

Um-tss, um-tss, um-tss, um-tss! «München Beats» ist inspiriert vom Kunstpark Ost in München.

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Techno im Blut: Linda (Jule Hermann) will in München als DJ durchstarten.
Techno im Blut: Linda (Jule Hermann) will in München als DJ durchstarten.ZDF und marc reimann

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München Mitte der 1990er-Jahre: Die Berliner Mauer ist längst gefallen, und ein ungebremster Optimismus liegt in der Luft. In diesem Spannungsfeld entfaltet die ZDF-Miniserie «München Beats» ihr Panorama.
Untermalt vom wuchtigen Sound von The Prodigys «No Good», setzt schon der Opener den ener­getischen Ton: Ohne Umschweife wird man mitten ins Lebensgefühl einer Ära katapultiert, in der hämmernde Bässe und synthetische Klänge eine Generation prägten. Techno war mehr als nur ein Musikgenre. Es war ein Ausdruck von Freiheit, eine Bewegung ohne fixe Regeln und Zufluchtsort für Randständige.
Dass diese Faszination kein verstaubtes Relikt der Vergangenheit ist, beweist der Blick in die Gegenwart: Als Vorzeigebeispiel dient die Zürcher Street Parade, die als eine der grössten Techno-Partys der Welt den Geist dieser Bewegung lebendig hält.
Jedenfalls prallen in der Serie das traditionelle Bayern und diese damals brandneue, raue Subkultur mit voller Wucht aufeinander. Oder wie es die Showrunner prägnant zusammenfassen: «Land trifft auf Stadt, Tradition auf Veränderung, Kartoffeln auf Techno.»
Im Mittelpunkt steht die junge Linda (Jule Hermann), die der Enge des elterlichen Bauernhofs entfliehen will. Getrieben von einer unbändigen Neugier zieht es sie nach München, wo sie in die pulsierende Club-Szene eintaucht und ihren Traum verfolgt, DJ zu werden. Zwischen Nebelmaschinen und dem hypnotischen Rhythmus der Turntables entdeckt sie eine Welt voller Toleranz und Diversität.
Regisseurin Mimi Kezele (Jahrgang 1975) verleiht dem Vierteiler eine spezielle Spürbarkeit, greift sie doch auf ihre eigene Geschichte zurück: «Ich konnte vieles aus meiner Erfahrung einfliessen lassen, da ich über eine Welt erzählen durfte, von der ich selbst ein Teil gewesen bin.»

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Doch die Freiheit der Nacht hat einen Gegenpol. Während Linda ihren Platz hinter den Mischpulten sucht, gerät die Existenz ihrer Familie auf dem Land in Gefahr.
Der Unternehmer Theo Meinhardt (Tobias Moretti) sieht sich gezwungen, das Familienunter­nehmen für Kartoffelprodukte zu schliessen. Als langjährige Kartoffellieferanten stehen viele Bauern der Region plötzlich vor akuten existenziellen Nöten.
Theo plant das Gelände in ein modernes Stadtquartier zu verwandeln, doch sein Sohn Marius (Klaus Steinbacher) verfolgt eine andere Vision: Er will die alte Fabrik in einen Ort für Technopartys und alternative Kunst- und Kulturprojekte verwandeln.
Als Vorbild dient die Entstehung des legendären «Kunstpark Ost» in München, dem mit 90 000 Quadratmetern grössten Nightlife-Areal Europas (1996 bis 2003). Wie zwiespältig und voller sozialem Sprengstoff diese Zeit trotz Aufbruchstimmung war, führt die Geschichte eines jungen Mannes vor, der seine Homosexualität sogar vor der eigenen Familie verbirgt.

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Das zeigt den scharfen Kontrast jener Jahre: Während in den Schutzzonen der Szene-Clubs bereits eine queere Befreiung erfolgte, versuchte die bürgerliche Gesellschaft immer noch ihre biederen Fassaden aufrechtzuerhalten.
Als Marius und Linda zu Verbündeten und schliesslich zu einem Liebespaar werden, prallen die Weltbilder und scheinbaren Lebenswahrheiten endgültig aufeinander. Erst recht, als pikante Details aus der Vergangenheit der beiden Familien hochgespült werden. Der Riss zwischen dem konservativen Patriarchen Theo und der zukunftstrunkenen Jugend spiegelt den Geist dieser Zeit perfekt wider.
Dass das Ganze erzählerisch so gut funktioniert, liegt auch an der geradlinigen Inszenierung. «München Beats» verzichtet erfrischenderweise beinahe komplett auf Rückblenden und verschachtelte Zeitsprünge, die heute fast schon zum Standard geworden sind.

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Zudem ist die Miniserie mit ihren gerade mal vier Folgen angenehm überschaubar. Wenn man eine Story knackig auf den Punkt bringen kann, sollte man das genau so tun, anstatt sie künstlich auf zwölf Folgen aufzublasen.
Allerdings schlägt das Pendel hier stellenweise ins Gegenteil um: Hie und da hetzt die Handlung gar zügig durch die Konflikte. Zwei zusätzliche Episoden hätten der Geschichte durchaus gutgetan.

München Beats

Miniserie
Mit Jule Hermann, Klaus Steinbacher, Tobias Moretti
Folgen 1+2 Mittwoch, 26. August, 20.15 Uhr, ZDF
Folgen 3+4 Donnerstag, 276. August, 20.15 Uhr, ZDF

Der Trailer

Über die Autoren

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