Nach 35 Jahren und 100 Fällen machen die Münchner Kommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic Schluss. Ein Abgesang auf das bisher fleissigste «Tatort»-Duo.
Ales begann mit einem Hundehaufen. Am 1. Januar 1991 traten zwei neue Ermittler beim Münchner «Tatort» ihren Dienst an. Der damals 36-jährige Miroslav Nemec und der 32-jährige Udo Wachtveitl verkörperten erstmals die Kriminalkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr.
Ersterem passierte gleich zu Beginn der Auftaktfolge «Tatort: Animals» das Malheur. Die Presse schrieb: «Wenn einer in seinem ersten Fall in einen Hundehaufen tritt, dann muss das Glück bedeuten!»
Tat es auch. Das Duo Leitmayr/Batic entwickelte sich zum Publikumsmagneten und war ein sicherer Wert in der «Tatort»-Landschaft. Zwei Männer, die stets Frotzeleien austauschen, sich zanken, versöhnen und in brenzligen Situationen füreinander da sind. Nie langweilig, immer unberechenbar, das sind Leitmayr und Batic.
Ein Bild aus den Anfängen: Leitmayr (l.) und Kollege Batic.BR
Ein Bild aus den Anfängen: Leitmayr (l.) und Kollege Batic.BR
Bei ihrem Debüt Anfang der 1990er-Jahre galten sie als die jungen Wilden. Leitmayr war eher der schicke Yuppie, Batic der verwegene Deutsch-Kroate. Entdeckt wurden die beiden von Silvia Koller, damals Redaktorin beim Bayerischen Rundfunk. Koller rief jeweils am Montag nach der Ausstrahlung an, und einmal habe sie gesagt: «Wir haben eine super Quote gehabt. Der Fernsehdirektor hat mich angerufen, und es hat ihm gefallen. Jetzt frage ich mich, was wir falsch gemacht haben.»
Während der 35 Dienstjahre gab es immer mal wieder Fälle, an die sich die beiden besonders gern erinnern. Etwa «Tatort: Das Glockenbachgeheimnis» (1999), wo Nemec alias Batic eine Liebesnacht mit Iris Berben verbrachte und zum ersten Mal splitternackt zu sehen war. Die Berben soll anschliessend zu Nemec gesagt haben: «Einen schönen Hintern hast du, Miro!» Zwei Jahre später zog Wachtveitl bezüglich nackter Tatsachen nach und beim «Tatort: Im freien Fall» blank.
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Der hochgelobte Münchner «Tatort: Frau Bu lacht» (1995) von Drehbuchautor Dominik Graf gilt als eine der besten «Tatort»-Folgen überhaupt. Die Themen Frauenhandel und Kindesmissbrauch bewegte das Fernsehpublikum – und auch die beiden Schauspieler.
Bemerkenswert am Fall war, dass Leitmayr und Batic die Täterin laufen liessen, ihr sogar noch zur Flucht verhalfen, weil ihr Kind Opfer von Missbrauch geworden war.
Nun neigt sich die lange Ermittlerkarriere der beiden Münchner dem Ende zu. Für beide fühlt es sich offenbar richtig an. «Der ‹Tatort› ist ein realistisches Genre, und Leute in unserem Alter würden im harten Einsatz nicht mehr über Zäune springen und sich Schlägereien liefern», sagt Wachtveitl in der ARD-Doku nach der Doppelfolge.
Die Nachfolger: Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer, l.) und Nikola Buvak (Carlo Ljubek).BR/Markus Konvalin
Die Nachfolger: Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer, l.) und Nikola Buvak (Carlo Ljubek).BR/Markus Konvalin
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Der grosse TV-Abschied bringt ein paar hübsche Überraschungen. So findet Leitmayr zufällig seinen roten 911er-Porsche wieder, den er in den ersten vier Folgen fuhr; und eine ehemalige Kollegin, die Fall-Profilerin Christine Lerch (Lisa Wagner), packt bei den Ermittlungen mit an.
Auch zu einem von zahlreichen Fans herbeigesehnten Comeback kommt es in der Schlussfolge: Carlo Menzinger (Michael Fitz) taucht auf. Er war 17 Jahre und 44 Fälle lang der Assistent des Duos, doch 2007 hatte er sich nach Thailand davongemacht.
Ob die Kommissare ihren Ruhestand geniessen dürfen oder ob sie noch vor dem Abspann das Zeitliche segnen, wissen nur die Macher: Bei der Vorab-Filmversion für die Medien wurden die letzten fünf Minuten weggelassen.
Pfiat eich, Franz und Ivo!
«Tatort» München
Ein Doppel-Fall und eine Doku zum Abschied des Duos.
«Tatort: Unvergänglich» (1/2)
Sonntag, 5. April, 20.05 Uhr, SRF 1
«Tatort: Unvergänglich» (2/2)
Montag, 6. April, 20.05 Uhr, SRF 1
«Batic und Leitmayr – Die Zwei vom Tatort sagen Servus»