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ARD / Sky Show – «Babylon Berlin»

«Wir werden weinen und betrunken sein»

Die historische Krimiserie «Babylon Berlin» endet mit Staffel 5. TELE lässt zwei Macher dieses grössten deutschen TV-Projekts zurück- und vorausblicken.

TELE

Offener Schlagabtausch im Reichstag: Der Streit zwischen SPD und NSDAP droht zu eskalieren.
Offener Schlagabtausch im Reichstag: Der Streit zwischen SPD und NSDAP droht zu eskalieren.ARD Degeto

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Der Start der historischen Krimiserie «Babylon Berlin» 2017 war ein grosses Wagnis, das rasch Aufmerksamkeit erheischte. Die visuell berauschende, historisch akribisch recherchierte und sehr aufwendige Krimiserie über die Weimarer Republik (1918–1933) brauchte den Vergleich mit internationalen Produktionen nicht scheuen. Über vier Staffeln entfaltete «Babylon Berlin» ein Panoptikum einer Epoche im Taumel zwischen Exzess und drohendem Absturz.
Die Reise beginnt 1929, als der vom Krieg traumatisierte Kölner Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) nach Berlin versetzt wird, um in einem Erpressungsfall zu ermitteln. Dort trifft er auf Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), die sich von der Stenotypistin zur Ermittlerin der Mordkommission hocharbeitet. Gemeinsam geraten sie in den ersten zwei Staffeln in einen Sumpf aus politischem Extremismus, Unterwelt-Fehden und dubiosen Machenschaften.
Als Ende des Jahres 1929 in Staffel 3 der globale ­Börsenkrach droht, erschüttert eine mysteriöse Mordserie die deutsche Hauptstadt. Auch die politisch ­motivierten Auseinandersetzungen auf der Strasse spitzen sich zu. In Staffel 4 wird Berlin im eiskalten Winter 1930/31 schliesslich vom Terror der SA beherrscht.
Die nun startende finale fünfte Staffel basiert auf Volker Kutschers Roman «Märzgefallene» und führt den Plot an seinen historischen Nullpunkt: den endgültigen Zusammenbruch der Weimarer Republik und die Machtergreifung der Natio­nalsozialisten im Jahr 1933.
Verantwortlich für dieses Mammutprojekt ist seit Anbeginn das Schöpfertrio Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten. Mit tele.ch haben Tykwer und von Borries über den emotionalen Abschluss einer Ära geredet.

TELE: Wie kam es zur Entscheidung, «Babylon Berlin» mit der fünften Staffel enden zu lassen?

Achim von Borries: Wir spürten schon nach der vierten Staffel, dass wir in der finalen Staffel noch «aufräumen» müssen. Das Ende forderte einen wahnsinnigen Blutzoll. Nun brauchten die Figuren, die uns über zehn Jahre begleitet haben, einen konsequenten Abschluss.

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Zwischen Staffel 4 und 5 verstrich mehr Zeit als sonst. Lag das am Ausstieg von Sky?

Tom Tykwer: Ja, auch. Das waren komplizierte Umstände. Den Ausstieg von Sky im Verbund mit der ARD und Degeto abzufedern, war ein Kraftakt, der uns viel Zeit gekostet hat. Zudem war Staffel 5 konzeptionell herausfordernd: Wir hatten viele Fäden, die wir zu Ende erzählen mussten. Dabei war es uns wichtig, einen konsequenten ­Abschluss für diese multiperspektivische Geschichte zu finden.

Das beherrschende Thema der finalen Staffel ist die Machtübernahme Hitlers. Er selbst tritt aber kaum in Erscheinung. Warum?

Von Borries: Wir haben von Anfang an gesagt: Den zeigen wir nie! Das funktionierte zu Beginn der Serie noch ganz gut. In der finalen Staffel war er für den Plot als grosser Antagonist natürlich unvermeidlich. Doch wir erzählen von Hitler hauptsächlich in Rückblenden: am Ende des Ersten Weltkriegs als traumatisierter Frontsoldat im Lazarett. Die Figur von 1933 ist bei uns nur so ein Typ, der im Hintergrund durchs Bild läuft und fragt, wo er hinmuss. Als Mensch war Hitler bei seiner Machtergreifung für uns nicht von Interesse.

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Dieses Projekt haben Sie 13 Jahre lang zu dritt gestemmt. Mögen Sie sich noch?

Tykwer: Aber ja! Wir sind sogar enger zusammengewachsen. Und ich habe extrem viel über mich selbst gelernt. Vor allem, von der Idee loszukommen, dass ich bei dieser künstlerischen Arbeit das Mass aller Dinge bin. Wenn man es schafft, starke Stimmen zu bündeln, liegt darin eine viel grössere künstlerische Kraft. Wir haben gelernt, dass Kämpfen genauso wichtig ist wie Loslassen und Zulassen.
Von Borries: Und ganz wichtig: Wir sind bis zum Ende keinen einzigen Kompromiss eingegangen. Jeder einzelne Schnitt, jede Entscheidung wurde von allen dreien aus tiefster Überzeugung getragen.

Bei historischen Stoffen entscheiden Details über die Glaubwürdigkeit. Wie verlief der Faktencheck?

Von Borries: Schon beim Schreiben achteten wir penibel darauf, faktentreu zu erzählen. Wir setzten unsere Figuren, ob echt oder erfunden, ganz bewusst an substanziellen Orten wie etwa dem Reichstag aus, um sie in die Geschichte ein­zufügen. Und uns stand ein Expertenteam zur Seite, das den Plot einem Faktencheck unterzog und sich in all den Jahren personell nie verändert hat.

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Tykwer: Dabei folgten wir stets einer Maxime: Triftigkeit. Der Plot muss nicht immer ab­solut akkurat sein, aber triftig.

Sie haben nun 533 Drehtage hinter sich. Wie gross war die Erleichterung nach dem letzten Tag?

Tykwer: Also an Erleichterung kann ich mich nun wirklich nicht erinnern (lächelt). Aber an Überwältigung und sehr starke Emo­tionen! Immerhin ist «Babylon Berlin» das grösste künstlerische Kapitel unseres Lebens.

Die finale Staffel endet mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Planen Sie nun eine Serie à la «Nazi Berlin»?

Von Borries: (Lacht.) Nee, ganz bestimmt nicht!
Tykwer: Nein, sicher nicht. Aber ein neues Serien-Grossprojekt von uns dreien gibt’s ganz bestimmt.

Haben Sie schon eine Idee, was für eines das ist?

Tykwer: Wir können dazu leider noch nicht mehr sagen.

Sie haben sich jeweils die neuste Staffel zusammen mit der gesamten Crew im Kino angeschaut. Machen Sie das bei der finalen wieder so?

Tykwer: Natürlich! Das ist für uns ein heiliger Moment geworden. Wir sind 700 Leute und gehen im Anschluss gemeinsam feiern. Es fühlt sich an, als hätten wir alle zusammen vor zehn Jahren ein riesiges Schiff geentert und dieses durch all die Gefahren gesteuert. So intensiv ist das! Auf jeden Fall werden wir weinen und sehr betrunken sein.

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Von Borries: Vielleicht ist das am Ende der einzige Weg, das alles zu ertragen (lacht).
Achim von Borries, Tom Tykwer, Henk Handloegten, Deutschland, Berlin, Zoo Palast, Weltpremiere der neuen Staffel BABYLON
Achim von Borries, Tom Tykwer, Henk Handloegten, Deutschland, Berlin, Zoo Palast, Weltpremiere der neuen Staffel BABYLON
Die «Babylon Berlin»-Autoren und -Regisseure (v. l.) Henk Handloegten (58), Tom Tykwer (61) und Achim von Borries (57) packen bald ein neues Projekt an.www.imago-images.de
Die «Babylon Berlin»-Autoren und -Regisseure (v. l.) Henk Handloegten (58), Tom Tykwer (61) und Achim von Borries (57) packen bald ein neues Projekt an.www.imago-images.de

Babylon Berlin ★★★★★

ARD | Historische Krimiserie | 5. Staffel
Mit Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Lars Eidinger, Benno Fürmann
Folgen 1–4/8: Samstag, 19. September, 20.15 Uhr, ARD
Folgen 5–8/8: Samstag, 26. September, 22.20 Uhr, ARD
Ab 21. September auch auf der Streaming-Plattform Sky Show

Der Trailer

Über die Autoren

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