One – «The Hardacres»

Wir stinken vor Geld, so what ?

Die britische Serie «The Hardacres» klingt wie ein Märchen: Eine mausarme Familie steigt in die High Society auf – dank der Geschäftsidee einer Frau.

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The Hardacres, Staffel 1
Hat mit Fisch ein Vermögen gemacht: die neureiche Familie Hardacre. WDR/Playground Television (UK) 2

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Gut, dass es kein Geruchsfernsehen gibt! Denn dann würde sich der Auftakt der Dramaserie «The Hard­acres» äusserst unangenehm gestalten. Wir befinden uns in einem Küstenstädtchen in Yorkshire in den 1890er-Jahren. Die mittellose Familie Hardacre verdient im Hafen ein paar Schillinge beim Ausnehmen von Fischen. Riechen Sie’s?
Doch da verletzt sich Vater Sam (Liam McMahon) schwer an der Hand, an ein Weiterarbeiten ist nicht zu denken. Als sich der Fischhändler-Boss an Sams Frau Mary (Claire Cooper) heranmacht und diese sich mit spitzen Knien wehrt, sind die Arbeitstage der Hardacres am Hafen endgültig gezählt. Um an etwas Geld zu kommen, versucht Grossmutter Ma (Julie Graham) an ihre glorreichen Tage als beste Schmugglerin von Yorkshire anzuknüpfen. Doch auch das bringt die Familie nicht weiter.
Es ist schliesslich die Idee von Mary, die das Schicksal der Familie in die richtigen Bahnen lenken soll. Die Hardacres kratzen ihr letztes Geld für ein Fass Hering zusammen und verkaufen den selbstgebratenen Fisch als Delikatesse an Pferderennen und anderen Anlässen. Das Heringbusiness geht komplett durch die Decke, und bald wissen Mary und Sam nicht mehr wohin mit all ihrem Geld.
Also tragen sie ihr Vermögen in Säcken zum jungen Callum Saunders (Taheen Modak), einem Fachmann, wenn es um Finanzen geht. Der empfiehlt den Hardacres, in diverse Firmen zu investieren. Und schon bald wird ihnen ein unfassbar grosses Vermögen in die Taschen gespült. Nun können sie sich ein Landgut samt Butlern, Zofen, Köchen und der hochnäsigen Haushälterin Mrs Dryden (Ingrid Craigie) leisten.
Ja, auch wenn die britische Dramaserie «The Hardacres» schon bis hierhin unterhaltsam war, dann ziehen die Spannung, die Handlung und vor allem der Spass erst hier so richtig an. Der Moment, in dem die wohlerzogenen Bediensteten auf die rülpsenden und schmatzenden Neureichen vom Fischhandel treffen, ist einfach umwerfend.

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Mary gibt sich grösste Mühe, zur noblen Gesellschaft dazuzugehören, stösst aber immer wieder auf Widerstände und Grenzen. Denn Neureiche sind in Englands nobler Gesellschaft höchstens geduldet. Derweil findet Gatte Sam den Alltag eines Gentlemans zum Gähnen.
Die historische Dramaserie basiert auf der gleichnamigen Best­seller-Romanreihe des Briten C. L. Skelton (1919–1979). Sie bietet während sechs Folgen ausgezeichnete Fernsehunterhaltung. Nebst prächtigen Kostümen und detailverliebter Ausstattung vermag auch die Geschichte zu fesseln: Eine bodenständige, einfache Familie wird in eine für sie völlig fremde Umgebung katapultiert und versucht sich in der versnobten Gesellschaft der Hochwohlgeborenen zurechtzufinden.
Das ist mal peinlich und tragisch, meistens aber höchst amüsant. So kommt einem «The Hard­acres» vor wie «Downton Abbey» mit einer grossen Portion Humor. Kein Wunder, ist im Mai dieses Jahres in Grossbritannien schon die zweite Staffel erschienen.

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The Hardacres

One | Dramaserie (1–6/6)
GB 2025, Samstag, 18. Juli, 20.15 Uhr, One: Alle Folgen am Stück

Der Trailer

Über die Autoren

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