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ARD – «Ein Schritt zum Abgrund»

Dafür wirst du büssen

In der ARD-Miniserie «Ein Schritt zum Abgrund» merkt eine Frau, dass ihr Mann fremdgeht. Doch er streitet alles ab. Was macht das mit ihr?

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ARD – Drama-Miniserie «Ein Schritt zum Abgrund» mit Petra Schmidt-Schaller

Haben sich nichts mehr zu sagen: Christian (Florian Stetter) und Jana (Petra Schmidt-Schaller).

ARD Degeto/Boris Laewen
TELE
Simone Reich

Es gibt Dinge, Erlebnisse und Situationen im Leben, die will man sich gar nicht vorstellen. Lieber Augen zumachen und nicht daran denken, was theoretisch alles Schlimmes passieren könnte.

So geht es wohl auch jenen, die die vierteilige Miniserie «Ein Schritt am Abgrund» schauen. Man will sich nicht ausmalen, was wäre, wenn einem dasselbe passieren würde wie Hauptfigur Jana Hansen (Petra Schmidt-Schaller). Und trotzdem oder gerade deshalb: Lassen Sie es uns einmal durchspielen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind eine engagierte Ärztin und leiten die ortseigene Gemeinschaftspraxis. Sie arbeiten hart, kümmern sich neben dem Job auch ums grosse Haus, Ehemann Christian (Florian Stetter) und die gemeinsame, etwa zwölf Jahre alte Tochter Lotta (Tilda Wunderlich).

Eines Morgens entdecken Sie per Zufall ein langes, blondes Haar am Schal Ihres Mannes. Sie selber sind brünett, die Tochter auch. Das Kopfkino geht los. Wobei: Ist ja nur ein Haar! Doch von da an schauen Sie alle blonden Frauen mit einem unterschwelligen Misstrauen an. Kommt eine Ihrem Mann zu nah? Oder spinnen Sie jetzt komplett?

Blöd nur, dass Sie schon am nächsten Tag entdecken, dass Ihr Mann schwindelt: Er müsse schon wieder länger arbeiten. Dabei hat Ihnen doch eine seiner Arbeitskolleginnen erzählt, wie toll es sei, dass man schon um 17 Uhr Feierabend habe. War sie nicht blond?

Stellen Sie sich vor, wie Sie anfangen, ihm nachzuspionieren, in seinen Sachen rumschnüffeln, sein Handy nach kompromittierenden Nachrichten absuchen. Und sich dabei für Ihr Verhalten schämen. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem Sie sich hundertprozentig sicher sind: Ihr Mann hat eine Affäre. Und belügt Sie weiterhin eiskalt. Ahnt nicht, dass Sie Bescheid wissen. Schlimmer noch: Sie realisieren allmählich, dass alle eingeweiht waren und nichts gesagt haben: Freundinnen, Nachbarn, Mitarbeitende, sogar Ihr Schwiegervater.

Nun geben Sie dem Fremdgänger eine Chance, konfrontieren ihn mit dem Verdacht, erwarten ein Geständnis, eine Entschuldigung. Doch alles, was Sie zu hören bekommen: «Was soll das?! Glaubst du wirklich, dass ich dir das antun könnte? Du arbeitest zu viel.»

Irgendwann kommt der Moment, in dem es einem vor dem Fernseher komplett den Deckel lupft. Da rät eine Kollegin der Betrogenen tatsächlich: «Lass ihn sich doch austoben. Wenn er erschöpft zurückkommt, machst du ihm die Hölle heiss, dann redet ihr, und alles wird wieder gut. Investiere lieber in sexy Dessous –  du kannst so was tragen.» Na – wie fühlen Sie sich dabei? Es ist kaum auszuhalten, oder?

«Ein Schritt zum Abgrund» ist ein hochspannendes, beklemmendes Psychogramm. Der Vierteiler basiert auf der BBC-Serie «Doctor Foster» (2015–2017) mit Suranne Jones in der Hauptrolle, die dafür u. a. einen Bafta Award erhielt.

Auch die deutsche Adaption zieht einen von Beginn weg rein und entfaltet eine grosse Wucht. Petra Schmidt-Schaller, die viele noch als Katharina Lorenz kennen, die Kollegin von Kommissar Falke im Hamburger «Tatort» (2010–2015), spielt die Rolle der Betrogenen sehr überzeugend.

Dass Jana so lange schweigt und dann in einen regelrechten Racherausch gerät, hat Schmidt-Schaller fasziniert: «Das, was mich am meisten an Jana interessiert hat, war der Fakt, wie eine kluge Frau, die eigentlich mit beiden Beinen fest im Leben steht, so tief erschüttert wird, dass sie sich in eine Rachegöttin verwandelt.»

Eine moderne Medea also, die von Eifersucht und Hass verblendet vor nichts mehr zurückschreckt. Das hingegen kann man sich dann schon beinahe wieder sehr gut vorstellen. 

Ein Schritt zum Abgrund

Drama-Miniserie (1–4/4)

Mit Petra Schmidt-Schaller, Florian Stetter, Anna Loos

Samstag, 1. April, 20.15 Uhr, ARD

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Simone ReichMehr erfahren
Von Simone Reich am 29. März 2023 - 09:00 Uhr