Zu Mario Adorfs Tod

Addio, Mario!

Am 8. April 2026 starb Mario Adorf im Alter von 95 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in seiner Wohnung in Paris. Der deutsch-italienische Schauspieler mit ausgeprägtem Schweizer Bezug war während sieben Jahrzehnten nicht aus Film und Fernsehen wegzudenken, weit über den deutschsprachigen Raum hinaus.

TELE Logo

imago163412366.jpg
Weltstar ohne Allüren: Mario Adorf (1993). Imago

Werbung

Mario Adorf wurde am 8. September 1930 in Zürich geboren. Er war das Ergebnis einer Affäre der deutschen Röntgenassistentin Alice Adorf und dem italienischen Chirurgen Matteo Menniti in dessen Klinik im kalabrischen Siderno. Alice floh hochschwanger in die Schweiz, damit sie Mario als uneheliches Kind nicht in staatliche Obhut abgeben musste. Drei Monate nach seiner Geburt wurde Alice allerdings aus der Schweiz ausgewiesen, worauf sie in die Eifel-Kleinstadt Mayen zog, dem Geburtsort ihres Vaters. Dort wuchs Mario auf, sechs Jahre davon im örtlichen Kinderheim der Borromäerinnen.
Nach Grundschule und Gymnasium in Mayen studierte Mario Adorf Geisteswissenschaften an der Uni Mainz. Auf deren Studentenbühne sammelte er erste schauspielerische Erfahrungen. 1953 kehrte er nach Zürich zurück, wo er als Statist und Regieassistent im Schauspielhaus arbeitete. Kurz darauf ergatterte er seine ersten Filmrollen.
Sein Vermächtnis vor der Kamera umfasst über 220 Filme und Serien. Detailliert auf sein vielseitiges Schaffen einzugehen, würde hier zu weit führen. Daher exemplarisch 24 teils weniger bekannte Exponenten.

08/15-Trilogie (D 1954/55)

In Paul Mays Adaptionen von Hans Hellmut Kirsts Romantrilogie «08/15» hatte Adorf seine allerersten Filmrollen neben Joachim Fuchsberger. In den ersten zwei Teilen noch ungenannt als Gefreiter Wagner, im Abschluss «08/15 in der Heimat» im Vorspann erwähnt als Unteroffizier Stamm. Zwar waren es bescheidene Rollen und die zeitgenössischen Kritiken verrissen die Filme als «spassig und zu unpolitisch» und damit «fragwürdig», doch Teil 1 avancierte in Deutschland zum erfolgreichsten Kinofilm des Jahres 1954.

Werbung

Nachts wenn der Teufel kam (D 1957)

Als vermeintlicher Frauenmörder Bruno Lüdke schaffte Mario Adorf bereits seinen internationalen Durchbruch im Tatsachen-Drama des aus Hollywood zurückgekehrten Robert Siodmak. Auch wenn sich später herausstellte, dass Lüdke gar kein Serienkiller war (und sich Adorf daraufhin von der Rolle distanzierte, wozu er sich zuletzt 2021 in der Arte-Doku «Die Erfindung eines Mörders» äusserte), beeindruckt der Film auch heute noch als beklemmendes Zeitbild Deutschlands gegen Ende des Zweiten Weltkriegs.

Werbung

Am Tag als der Regen kam (D 1959)

Im von James-Dean-Filmen inspirierten «Jungdelinquenten»-Krimi macht Adorf als Anführer einer Jugendgang die Strassen Westberlins unsicher. Der Film mag nicht sonderlich vorteilhaft gealtert sein, ist aber der erste, in dem Adorf die Besetzungsliste anführte. Bekannter als der Film selbst ist heute das gleichnamige Titellied, gesungen von Dalida.

Winnetou – 1. Teil (D/YU/I 1963)

Werbung

Als Santer, ein wahrer Oberschurke vor dem Herrn, spielte Mario Adorf die Helden Pierre Brice und Lex Barker genüsslich an die Wand und traumatisierte Generationen von jungen Karl-May-Fans: Wie kann man bloss so böse sein und Winnetous Schwester Nscho-tschi (Marie Versini) erschiessen? Zudem bescherte die Rolle Adorf einige weitere Engagements in Eurowestern, meistens natürlich als ungute Person.

Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (O: L’Uccello dalle Piume di Cristallo, I/D 1970)

Erstaunlicherweise war Mario Adorf nie in einem Edgar-Wallace-Film dabei. Dafür im Regiedebüt von Dario Argento, das in Deutschland einst als Bryan-Edgar-Wallace-Film vermarktet wurde, also als Verfilmung eines Romans von Edgar Wallace’ Sohn. Das ist freilich Quatsch, basiert die Story vielmehr (lose) auf einer Vorlage des Amerikaners Fredric Brown. Argento verhalf dem Giallo, dem kultigen italienischen Thriller, auch dank Ennio Morricones besonders kribbeligem Soundtrack zu neuen Höhen, und Adorf hat einen denkwürdigen Gastauftritt als exzentrischer Maler, der in einer Bruchbude haust und Katzenfreunden Albträume beschert. Es war der Startschuss zu einer unglaublich produktiven Zeit für Adorf in der Heimat seines Vaters.

Werbung

Malastrana (O: La Corta Notte delle Bambole di Vetro, I/D/YU 1971)

In Aldo Lados Paranoia-Giallo erster Güte mit einem weiteren psychedelischen Morricone-Soundtrack spielt Adorf einen französischen Auslandskorrespondenten, der in Prag mit dem amerikanischen Kollegen Moore (Jean Sorel) einer bizarren Verschwörung auf der Spur ist. Unkonventionell aus der Sicht des scheinbar toten, in Wahrheit aber «bloss» paralysierten Moore in Rückblenden erzählt, ist «Malastrana» (= Kleinseite von Prag) ein beklemmender Psychothriller mit politischen Untertönen, der einen Blick hinter den Eisernen Vorhang wagte. Das Titellied singt Schlagerstar Jürgen Drews, der als Strassenmusiker auch einen Gastauftritt hat.

Werbung

Das Syndikat (O: La Polizia Ringrazia, I/D 1972)

1972 bekleidete Adorf gleich in drei stilbildenden Polizieschi, also italienischen Polizei- und Gangsterfilmen, zentrale Rollen. In diesem gesellschaftskritischen Krimi mit toller Musik von Stelvio Cipriani spielt er den Staatsanwalt, der der steigenden kriminellen Gewalt in Rom hilflos gegenüber steht. Genauso Kommissar Bertone (Enrico Maria Salerno), der es zu allem Überfluss auch noch mit einer mysteriösen Gruppierung zu tun bekommt, die Selbstjustiz übt. Regie in diesem pessimistischen Kracher führte der sonst als «Steno» bekannte Komödien-Spezialist (!) Stefano Vanzina, und Drews ist auch hier dabei; diesmal nicht als Sänger, sondern als Raubmörder!

Werbung

Milano Kaliber 9 (O: Milano Calibro 9, I 1972)

Praktisch gleichzeitig mit «Das Syndikat» startete dieser Reisser von Fernando Di Leo in den italienischen Kinos, für den Adorf die Seiten wechselte: Er spielt den Gangster Rocco, der im Auftrag der Mafia dem an sich harmlosen Schwarzgeld-Kurier Ugo (Gastone Moschin) übel auf den Zahn fühlt. Der wehrt sich aber gegen die Schikanen und löst so ein gröberes Erdbeben in Mailands Unterwelt aus. Adorf macht als Rocco keine Gefangenen und gibt Vollgas, womit er schon einen Vorgeschmack auf seine nächste Rolle bietet…

Werbung

Der Mafiaboss: Sie töten wie Schakale (O: La Mala Ordina, I/D 1972)

…nämlich als Mailänder Ganove Luca, der vom Paten (Adolfo Celi) zum Sündenbock in einem Kokainstreit zwischen der New Yorker und der lokalen Mafia gestempelt wird. Prompt hat er zwei US-Killer (Henry Silva, Woody Strode) am Hals. Doch Luca hält dagegen, und als die Mafia seine Frau und Tochter totfahren, gibt es für ihn kein Halten mehr: Mario Adorf definiert fortan den Begriff «Dampfhammer» neu und drückt voll auf die Tube. Niemand entkommt dem Zorn des Luca, eine ungemein kraftvolle Darbietung. Regie beim auf deutsch auch unter dem bizarren Titel «Der Eisenfresser» veröffentlichten Rachefeldzug führte einmal mehr Fernando Di Leo.

Werbung

Die Ermordung Matteottis (O: Il Delitto Matteotti, I 1973)

Neben den actionlastigen Polizieschi stand Adorf zu jener Zeit auch zweimal für Florestano Vancini vor der Kamera. Einerseits im Gerichtsfilm «Gewalt – Die fünfte Macht im Staat» (O: La Violenza: Quinto Potere, I 1972), andererseits in diesem historischen Politdrama um die Ermordung des Sozialisten Giacomo Matteotti (Franco Nero) 1924 im Auftrag des faschistischen Regimes unter Benito Mussolini. Und ja: Adorf verkörpert, kaum zu erkennen, Mussolini! Der Film geht unter die Haut und ist heute aufgrund der in vielen Ländern stark gewordenen rechtsextremen Parteien, die ihre Demokratien immer unverhohlener untergraben, aktueller denn je.

Werbung

Der Tod trägt schwarzes Leder (O: La Polizia Chiede Aiuto, I 1974)

Mario Adorf spielte in Gialli und in Polizieschi, weshalb es prima passt, dass er auch in diesem tollen Genre-Hybrid von Massimo Dallamano mit von der Partie ist – als Inspektor, dessen Kollege Silvestri (Claudio Cassinelli) einem Mädchenprostitutions-Ring auf der Spur ist. Gross der Schock und Adorfs Schauspiel, als sein Valentini anhand einer Tonbandaufnahme feststellen muss, dass seine eigene 15-jährige Tochter in die Fänge des verwerflichen Zirkels geraten ist. Einmal mehr auch ein grandioser Soundtrack von Stelvio Cipriani.

Werbung

Die verlorene Ehre der Katharina Blum (D 1975)

Natürlich drehte Adorf in den 70ern nicht nur in Bella Italia. Während er dort gerne ganz schön auf den Putz haute, verschrieb er sich in Deutschland eher dem Arthouse-Kino. In Volker Schlöndorffs und Margarethe von Trottas Adaption des gleichnamigen Romans von Heinrich Böll verkörpert er Kommissar Beizmenne. Der ermittelt gegen Frau Blum (Angela Winkler) wegen ihrem Verhältnis zu einem mutmasslichen Terroristen (Jürgen Prochnow), wodurch sie ins Visier eines Schmierenreporters (Dieter Laser) gerät. Der Film funktioniert wie die Vorlage zeitlos als Mahnmal gegen ungezügelte Staatsgewalt und rücksichtslosen Sensationsjournalismus, was angesichts grassierender manipulativer Fake News heute so aktuell ist wie damals.

Werbung

Ich habe Angst (Io Ho Paura, I 1977)

Der Titel ist Programm im beklemmenden Thriller von Genre-Pionier Damiano Damiani, der mit «Der Tag der Eule» (Il Giorno della Civetta I/F 1968) den Mafiafilm praktisch begründet hat. Brigadiere Graziano (Gian Maria Volontè) fürchtet um sein Leben und lässt sich daher zum Chauffeur des Richters Cancedda (Erland Josephson) versetzen. Doch sie geraten in eine Verschwörung, Cancedda wird ermordet. Dadurch bekommt Graziano es mit Mario Adorfs Richter Moser zu tun… doch kann er ihm trauen? Ein Meisterstück des Paranoia-Kinos, mit einem wunderbar zwielichtig aufspielenden Adorf. Leider ist «Ich habe Angst» im Gegensatz zu den anderen hier besprochenen Filmen seit VHS-Zeiten nicht mehr vernünftig verfügbar (Stand: April 2026). Auf Youtube gibt es zwar Uploads deutscher Fassungen, doch die sind unterschiedlich unvollständig; und die dortigen Uploads der kompletten italienischen Fassung sind qualitativ erbärmlich sowie in verzerrtem Bildformat.

Werbung

Die Blechtrommel (D/F/PL 1979)

Volker Schlöndorffs Verfilmung des gleichnamigen Romans von Günter Grass ist die erste deutsche (Ko-)Produktion, die den Oscar für den besten internationalen Film gewann. Und obwohl dem Grossteil des Publikums in erster Linie David Bennents atemberaubende Darbietung als trommelnder Oskar Matzerath in Erinnerung bleibt, der während des allmählichen Aufstiegs der Nazis als Dreijähriger beschliesst, aus Protest gegen die Erwachsenen sein Wachstum «einzustellen», begeistert Mario Adorf genauso als Oskars Vater Alfred, der letztlich an seinem eigenen Opportunismus zugrunde geht. Und Angela Winkler als Mutter bzw. Ehefrau ebenso. Zugegeben, manchen brennen sich womöglich die Aale am tiefsten ins Gedächtnis.

Werbung

Lola (D 1981)

Nur logisch, dass Adorf auch für das Enfant terrible der deutschen Filmszene der 70er und frühen 80er vor der Kamera stand, Rainer Werner Fassbinder (1945–1982). Als Coburger Baulöwe Schuckert fürchtet er wegen des strengen neuen Baudezernenten (Armin Mueller-Stahl) um das Aufrechterhalten der Vetternwirtschaft, die ihm die Macht sichert, kann diesen dann aber mit der «Schenkung» der Prostituierten Lola (Barbara Sukowa) ruhig stellen. Selten war Fassbinders Gesellschafts-Schelte ätzender, und «Lola» ist leider der einzige Film, in dem Adorf mit Kult-Kollege Udo Kier (1944–2025) vor der Kamera stand.

Werbung

Momo (D/I 1986)

Zu behaupten, Mario Adorf habe sich nach «Lola» neu erfunden, wäre übertrieben. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass damit seine «wilde» Zeit endete. Adorf verlagerte sein Schaffen auf «familientauglichere» Stoffe. Die Erstverfilmung von Michael Endes Kinderbuch «Momo» des ansonsten eher unbekannten Johannes Schaaf repräsentiert diesen Wandel ganz gut. Lustigerweise agiert Adorf wie in «Lola» neben Armin Mueller-Stahl, und wieder sind sie Widersacher. Denn das Waisenmädchen Momo (Radost Bokel) bringt unter anderem dem Maurer Nicola (Adorf) neues Glück, das die «grauen Herren» unter ihrem finsteren Chef (Mueller-Stahl) bedrohen. Ganz nett, auch wenn Adorf in seiner Rolle gnadenlos unterfordert ist.

Werbung

Allein gegen die Mafia, Staffel 4 (La Piovra 4, I 1989)

In den 80er-Jahren tauchte Mario Adorf auch vermehrt in Fernsehserien auf, was kaum überrascht, wenn man bedenkt, dass er seit Beginn seiner Karriere immer wieder in TV-Produktionen zu sehen war. Ein Musterbeispiel ist seine Gastrolle in den sechs Folgen der vierten Staffel der RAI-Erfolgsreihe «Allein gegen die Mafia» – was perfekt passt, bedenkt man seine Erfolge im italienischen Genrefilm der 70er-Jahre. Adorf spielt den Sizilianer Acciduzzo, der in Mailand Rache an einem Casinobesitzer nehmen will. Das verkompliziert Commissario Cattanis (Michele Placido) Vorhaben, den mafiösen Banker Cariddi (Remo Girone) zur Strecke zu bringen.

Werbung

Der grosse Bellheim (D 1993)

Der Schattenmann (D/A 1996)

Die Affäre Semmeling (D 2002)

Dann kam Dieter Wedel (1939–2022) und Mario Adorf wurde zum Inbegriff des «ewigen» Patriarchen. Mit den Hauptrollen im Vierteiler «Der grosse Bellheim» als ehemaliger Leiter einer Kaufhauskette, dem Fünfteiler «Der Schattenmann» als Drahtzieher der Frankfurter Unterwelt und dem Sechsteiler «Die Affäre Semmeling» als Bausenator, alle fürs ZDF, erzielte Adorf im deutschsprachigen Raum die grösste Reichweite seiner Karriere, wodurch er mit seinen brillanten Darbietungen vom Star zur Ikone avancierte. Seine Rolle im Schattenmann huldigt dabei seinen legendären Schurkenrollen, und die im Semmeling ist mehr als bloss eine «Lola»-Referenz. Trotzdem kam es zwischen Wedel und ihm zum Bruch. Warum erklärte Adorf 2018 in einem Interview (siehe Clip).

Werbung

Epsteins Nacht (CH/D/A 2002)

Obwohl Mario Adorfs Schauspielkarriere auf der Zürcher Bühne begann, spielte er nie in Schweizer Filmen mit. Bis er 2002 die Titelrolle im Schuld-und-Sühne-Drama des Berners Urs Egger (1953–2020) übernahm. Als Holocaust-Überlebender Jochen Epstein kommt er nach 15 Jahren aus dem Knast, und der Film rollt seine Geschichte in Rückblenden auf. Alles begann damit, dass er an einem katholischen Gottesdienst im Priester (Günter Lamprecht) den SS-Hauptsturmführer aus dem KZ Birkenau wiedererkannte. Dabei stand Adorf auch zum einzigen Mal mit der Zürcher Schauspiel-Legende Bruno Ganz (1941–2019) vor der Kamera. Elf Jahre später trat er in einer weiteren Schweizer Koproduktion auf: «Der letzte Mentsch» (D/CH/F 2013), wieder als Holocaust-Überlebender.

Werbung

Same Same But Different (D 2009)

Auch im fortgeschrittenen Alter war sich Mario Adorf nie zu schade, für Kolleginnen und Kollegen Gastauftritte zu absolvieren. So auch in Detlev Bucks Liebesdrama um den 20-jährigen Ben (David Kross), der als Rucksacktourist in Kambodscha mit der Einheimischen Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) intim wird. Zurück in Hamburg beginnt Ben sein Redaktions-Praktikum bei der Zeitung des Herausgebers Behr (Adorf). Da ruft Sreykeo Ben an und offenbart ihm, dass sie HIV-positiv ist. Adorfs Rolle ist überschaubar, doch er bereichert die berührende (aber nie rührselige) Geschichte einer komplizierten Liebe mit seiner unverkennbaren Präsenz.

Werbung

Altersglühen: Speed Dating für Senioren (D 2014)

Der Titel der ARD-Komödie von Jan Georg Schütte sagt eigentlich schon alles. 13 Senioren daten, darunter Mario Adorf, Senta Berger, Matthias Habich und Angela Winkler, die nach «Die verlorene Ehre der Katharina Blum» und «Die Blechtrommel» den Hattrick mit Adorf verwirklichte. Das Resultat haut zwar nicht vom Hocker, aber wenn man bedenkt, dass der Dreh vorwiegend improvisiert vonstattenging, zieht man vor den älteren Semestern eben doch den Hut. Wer Lust auf mehr Improvisation hat: «Altersglühen» erschien auch in einer erweiterten Fassung als Serie mit sechs Teilen à 24 Minuten.

Werbung

Alte Bande (D 2019)

Auch Mario Adorfs allerletzte Filmrolle war für eine ARD-Komödie, diesmal als Langzeit-Häftling Boxer, der mit seinem alten Gaunerkumpel (Tilo Prückner) aus dem Seniorenknast ausbüxt, dadurch dem alten Bandenchef (Jörg Gudzuhn) aber 50000 Euro schuldet. Die Lösung: ihre Millionenbeute von anno dunnemals holen. Problem: Die ist bei einem Baum vergraben, der vor dem neu erbauten Polizeirevier steht. Das ist alles nicht sonderlich originell, aber sehr bekömmlich, und stellt eigentlich den idealen Schlusspunkt von Adorfs Karriere dar: Schliesslich hatte er seine prägnantesten Auftritte im italienischen Genrekino der 70er-Jahre. Mit dem nie vernünftig veröffentlichten und dadurch völlig untergegangenen Boxerdrama «Real Fight» von Ahmet Tas erschien erst 2023 noch ein Film mit Adorf – doch der Dreh dazu in Berlin fand bereits 2014 und 2016 statt.

Werbung

Über die Autoren

Werbung