Kino – «Vie privée»

Tod in Paris

Im Krimi «Vie privée» verliert Jodie Foster als Therapeutin den Boden unter den Füssen.

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Les Films Velvet/Frenetic
Psychotherapeutin Lilian (Jodie Foster) gerät selbst in eine Krise. RMS

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Psychoanalyse und Film haben viel gemeinsam. Beide entstanden fast zeitgleich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Als Stichdaten gelten die Uraufführung von «L’arrivée d’un train» (1896) der Brüder Lumière und die Publikation des Buches «Die Traumdeutung» (1899) von Sigmund Freud. Beide Werke nutzen Träume, um verborgene Wünsche oder Ängste zu erforschen.
Die Sprache des Traumes samt seinen Sprüngen in Raum und Zeit gleicht dabei der Filmsprache, die mit Gestaltungsmitteln wie Montage, Grossaufnahme und Rückblenden arbeitet. So erstaunt es nicht, dass die Psychoanalyse in Filmen wie Hitchcocks «Spellbound» (1945) oder Scorseses «Shutter Island» (2010) eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung von Geheimnissen spielt.
In dieser Tradition steht auch der französische Thriller «Vie privée». Die Amerikanerin Lilian (Jodie Foster) arbeitet als Psychotherapeutin in Paris. Die elegante, stets kontrollierte Frau ist schockiert, als sie vom Suizid ihrer langjährigen Patientin Paula (Virginie Efira) erfährt. Bei einem Kondolenzbesuch wird sie von Paulas Mann Simon (Mathieu Amalric) angegriffen. Er beschuldigt sie, für Paulas Tod mitverantwortlich zu sein, da sie dieser Beruhigungsmittel verschrieb, mit denen sie ihrem Leben ein Ende setzte.
Die Vorwürfe gehen Lilian unter die Haut, doch als sich Simon äusserst seltsam verhält, wird sie misstrauisch. Bald glaubt sie nicht mehr an Suizid, sondern an Mord. Zusammen mit ihrem Ex-Mann (Daniel Auteuil) spioniert sie Simon hinterher. Ihr Verdacht scheint sich zu erhärten, als die Minidisc der Sitzungen mit Paula geklaut wird.
«Vie privée» ist elegant gefilmt, Krimilaune kommt allerdings selten auf. Die Französin Rebecca Zlotowski ist kein Hitchcock: Statt Spannung aufzubauen, geht sie es eher gemächlich an. Auch die Aufklärung am Ende wirkt banal. Psychologisch bleibt der Film oberflächlich: So sind die Naziverfolgungsträume, die Lilian nach dem Besuch einer Hypnotiseurin plagen, ohne Verknüpfung mit dem Plot.
Der Film lässt die kühle Therapeutin aus ihrer Komfortzone fallen. Eine Rolle wie geschaffen für die zweifache Oscargewinnerin Jodie Foster (63), passend zu ihren strengen Gesichtszügen. Foster, die perfekt Französisch spricht, gefällt besonders im Duett mit Daniel Auteuil: ein charmantes Schnüfflerpaar in einem eher mittelmässigen Film.

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Vie privée

Krimidrama
Mit Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira
F 2025, ab 16. April 2026 im Kino

Der Trailer

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