Autowracks und skelettierte Überreste einstiger Gebäude säumen die maroden Strassen wie Mahnmale einer längst vergangenen Ära. Ein massiger Mann im Kapuzenmantel schlurft durch den dichten Staubnebel des Ödlands und nähert sich unheilschwanger einem Comicbuch-Laden, der so gar nicht in die Szenerie passt.
Was sich als Nächstes in diesem apokalyptischen Auftakt entfaltet, muss noch ein Geheimnis bleiben. Die von HBO Max verhängte Sperrfrist verbietet uns das Erwähnen weiterer Details.
Sagen darf man, dass es sich bei «Stuart Fails to Save the Universe» um den offiziellen Ableger der Kult-Sitcom «The Big Bang Theory» handelt. Doch wer das gewohnte Drei-Kamera-Setup, ein Sofa und eingespielte Lacher erwartet, wird ziemlich überrascht sein.
Obwohl das Projekt im Vorfeld von den Machern selber als Sitcom angekündigt wurde, bricht es radikal mit den Gesetzen des Genres und wandelt sich stattdessen zu einer visuell aufwendigen Sci-Fi-Comedy, die sich mit der uns vertrauten Nerd-Kultur aus «The Big Bang Theory» kreuzt.
«Stuart Fails to Save the Universe» bedient sich grosszügig bei der düsteren Ästhetik von Mysterythrillern und weckt mit seinen Multiversums-Sprüngen Erinnerungen an den existenziellen Wahnsinn von «Rick and Morty» oder die skurrile Melancholie von «Doctor Who».
Ausserdem zieht die Serie ganz offensichtliche Parallelen zum Cyberpunk-Kult von «Matrix»: Stuart Bloom mutiert unfreiwillig zum neurotischen «Auserwählten», der hinter die Kulissen der vermeintlichen Realität blickt und die Fäden des Universums neu verknüpfen muss. Nur eben ohne Sonnenbrille und Ledermantel, sondern mit Anti-Allergie-Salbe und chronischem Schlafmangel im vertrauten Cardigan.
Entwickelt wurde das intergalaktische Abenteuer von Chuck Lorre, Bill Prady und Zak Penn. Während Lorre und Prady bereits die Mutterserie schufen, bringt Penn («Ready Player One», «Free Guy») seine Science-Fiction-Erfahrung ins Gemeinschaftsprodukt ein.
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Für mehr Heimatgefühl in den unendlichen Weiten dieses Sci-Fi-Setups sorgt eine Riege altbekannter Gesichter aus «The Big Bang Theory». Wie bereits erwähnt, schlüpft Kevin Sussman wieder in die Rolle des Comicbuchladen-Betreibers Stuart, dem er erneut diese feinsinnige Melancholie verleiht. Neben ihm versucht Lauren Lapkus als seine schräge und schlagfertige Freundin Denise dem drohenden Chaos im Multiversum die Stirn zu bieten.
Unterstützung erhalten die zwei von Brian Posehn als gutmütigem Geologen Bert Kibbler sowie von John Ross Bowie, der als exzentrischer Physiker Barry Kripke für die nötige Reibung sorgt. Sogar Wil Wheaton (ursprünglich bekannt aus «Star Trek: Das nächste Jahrhundert») ist wieder mit von der Partie und darf eine gewohnt charmant-fiktionalisierte Version seiner selbst verkörpern.
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Getragen von diesem vertrauten Ensemble wagt die Serie den mutigen Spagat, das Erbe einer der erfolgreichsten Sitcoms in ein völlig neues, kosmisches Gewand zu kleiden. Ob dieses erzählerische Experiment auf Dauer zündet, bleibt abzuwarten. Aber die Neugier dürfte definitiv geweckt sein.
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