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Netflix – «Die Falle»

Das Labyrinth der Leere

Nach «Liebes Kind» folgt der nächste Streich von Isabel Kleefeld: «Die Falle». Die Erwartungen sind gross.

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Für Lisa (Friederike Becht, r.) war ihre Schwester Anna der wichtigste Mensch überhaupt.
Für Lisa (Friederike Becht, r.) war ihre Schwester Anna der wichtigste Mensch überhaupt.Netlfix

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Mit der Bestseller-Adaption «Liebes Kind» landete Regisseurin und Drehbuchautorin Isabel Kleefeld (60) vor drei Jahren auf Netflix einen internationalen Streaming-Erfolg.
Die Miniserie um einen Vater, der seine Frau und ihre beiden Kinder jahrelang im Haus einsperrt und drangsaliert, bestach durch ein Gespür für beklemmende Räumlichkeiten, durch präzise Bildsprache, ausgeklügelte Twists und fein dosierte, narzisstische Bedrohung.
Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Kleefeld erneut für eine Produktion angefragt wird. Nun liegt das neue Werk vor: «Die Falle».
Im Zentrum der auf Melanie Raabes gleichnamigem Roman basierenden Thrillerserie steht Bestsellerautorin Lisa Konrad (Friederike Becht). Seit sie vor zehn Jahren mit ansehen musste, wie ihre Schwester Anna (Josephine Thiesen) mit mehreren Messerstichen ermordet wurde, hat sie ihr Haus nicht mehr verlassen. Das Gesicht des mutmasslichen Täters erspähte Lisa noch ganz kurz, verborgen hinter einem Vorhang, ehe dieser die Flucht ergriff.
Als sie viele Jahre später eine Sendung im TV schaut, glaubt sie im Investigativjournalisten Robert Lenzen (Hans Löw) den Mörder von damals wiederzuerkennen. Von der Polizei erhält sie aber wegen der dünnen Beweislage keine Hilfe. Da beschliesst sie kurzerhand, selber aktiv zu werden.
Sie stellt dem Mörder eine Falle, indem sie einen Krimiroman über sich und ihre Schwester schreibt – bis hin zum Mord. Alle Namen ändert sie, lässt jedoch so viele Details und Insiderwissen einfliessen, dass sie Lenzens Aufmerksamkeit gewinnt und ihn dazu bringt, mit ihr ein Exklusiv-Interview zu ihrem Krimi zu führen.
Der Journalist betritt Lisas abgeschottetes Refugium, und schon entspinnt sich ein scheinbares Katz-und-Maus-Spiel um Schuld, Wahn und Vergeltung.
Was als intensives Kammerspiel angelegt ist, stellt das Publikum allerdings vor eine Geduldsprobe. Zwar choreographiert Kleefeld das Aufeinandertreffen der beiden Hauptfiguren mit gewohnt kühler Eleganz, doch die makellose Inszenierung kann nicht darüber hinwegtrösten, dass dem zentralen Konflikt mit der Zeit das dramaturgisch tragende Fundament fehlt.

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Dabei blitzt zu Beginn durchaus erzählerische Raffinesse auf: Das geschickte Ineinandergreifen und wechselweise Verschwimmen von Lisas Halluzinationen mit ihrer echten Tragödie erzeugt eine spürbare Spannung. Schade, dass dieser kreative Kunstgriff im weiteren Verlauf nicht konsequent weiterverfolgt wird.
So bleibt die Erzählung streckenweise an der Oberfläche, und das Geschehen verliert sich zunehmend in langen Dialogen.
Gerade wegen der hervorragenden visuellen und technischen Umsetzung vertraut man sich der Inszenierung über weite Strecken an. Gebannt wartet, ja hofft man bis zum Schluss darauf, dass der grosse Wendepunkt einsetzen möge. Das erlösende Aha-Erlebnis! Oder zumindest ein Staunen, das wenigstens bis zum nächsten Wendepunkt anhalten würde. Fehlanzeige. Leider.
Die Geschichte dreht sich phasenweise im Kreis und bedient sich letztlich vertrauter Genre-Muster. Wirklich neue oder wagemutige Impulse sucht man in diesem Verwirrspiel eher vergebens.

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So bleibt am Ende eine zwar ästhetisch überzeugende Produktion, der es für einen dauerhaften Nervenkitzel etwas an inhaltlicher Sub­stanz und echtem Thrill fehlt. Gewagt gesagt: eine Falle.

Die Falle ★★☆☆☆

Netflix | Thrillerserie | 1. Staffel
Mit Friederike Becht, Hans Löw, Matthias Brandt, Anna Schudt
D 2026, ab 13. Oktober 2026

Der Trailer

Über die Autoren

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