Die allerersten Minuten machen klar, wie eiskalt und manipulativ Jurek Walter (Stephen Graham) sein kann. Der verurteilte Serienkiller sitzt in der Hochsicherheitszelle der Psychiatrischen Klinik Riverside, Pennsylvania. Durch das Abflussrohr seines Lavabos kann er mit seinem Zellennachbarn reden. Mit sanfter Stimme bringt er den Mithäftling dazu, sich den Schädel an der Zellenwand zu zertrümmern.
Während der Mann jenseits der Gefängniswand stirbt, sitzt Walter lächelnd auf seiner Pritsche und strahlt die innere Ruhe eines Zen-Buddhisten aus.
In Apples neuer Thrillerserie «Nocturne» dreht sich alles um Serienkiller Jurek Walter. Er hat mehrere Menschen entführt und sie bei lebendigem Leib vergraben. Damit sie nicht zu schnell starben, gab er ihnen Essen und Wasser mit ins Grab, ein dünner Schlauch versorgte sie mit Luft und verlängerte so den qualvollen Todeskampf.
Noch sind aber nicht alle Opfer gefunden, mehrere Personen gelten seit drei Jahren als vermisst. Da taucht eines Nachts ein unterernährtes und verwahrlostes Kind im Wald auf. Der kleine Michael (Landon Valentin) – ein mutmassliches Opfer von Walter – war zusammen mit seiner Schwester Felicia verschwunden. Der traumatisierte Junge kann zwar keine Angaben zum Verbleib seiner Schwester machen, spricht jedoch immer wieder vom «Sandmann», der ihn holen komme, wenn er nicht gehorcht.
Nun beginnt die Polizei fieberhaft nach Felicia zu suchen. In die Ermittlungen miteinbezogen wird auch der Ex-Cop Jonah Lynn (Liev Schreiber). Er hat vor drei Jahren den Dienst quittiert. Damals verschwanden seine Frau und die Tochter spurlos – nachdem Jurek Walter bereits in Haft war. Gemeinsam mit Saga Bauer (Zazie Beetz), die fürs FBI arbeitet, sucht er die vermisste Felicia.
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Für die beiden ist klar: Dass Michael ausgerechnet jetzt freikommt, bedeutet, dass Walter draussen einen Komplizen haben muss. Doch wie kommuniziert er mit ihm? Um das herauszufinden, lässt sich Saga undercover als Patientin in die Psychiatrische Klinik Riverside einweisen – also genau dorthin, wo Walter einsitzt.
Die zehnteilige Thrillerserie basiert auf dem Nordic Noir «Der Sandmann». Es ist der vierte Teil aus der Joona-Linna-Reihe vom Ehepaar Alexandra und Alexander Ahndoril, die unter dem Pseudonym Lars Kepler Bestseller um Bestseller publizieren.
Die US-Adaption dieses schwedischen Krimis fesselt enorm und beeindruckt vor allem mit einem phänomenalen Cast. Stephen Graham («Adolescence») brilliert als psychopathischer Serientäter. Auch sein Gegenspieler, der verbitterte Ex-Cop Lynn, ist mit Liev Schreiber («Ray Donovan») perfekt besetzt. Bestechend gut ist zudem Rory Culkin in der Rolle des manipulierbaren Psychiatriewärters Karl, der sich von Jurek Walter um den Finger wickeln lässt.
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Für atmosphärische Thrillerstimmung sorgt auch das Intro mit unterkühlten Naturbildern, kryptischen Schnitzereien in Baumstämmen und wiederkehrenden Vogelmotiven. Was es damit auf sich hat, erschliesst sich erst gegen Ende der Serie.
Innerlich frohlocken dürften nun alle Fans der Joona-Linna-Krimireihe. Denn sie wissen: Der vierte Band «Der Sandmann» ist inhaltlich verknüpft mit «Lazarus», dem siebten Teil der Nordic-Noir-Buchreihe. Na, wenn das nicht auf eine zweite Staffel hindeutet!
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