HBO Max – «Banksters»

Dilemma im Knast

Mit der Dramaserie «Banksters» liefert HBO Max sein erstes deutsches Original. Kann es die hohen Erwartungen erfüllen?

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Wer von Yusufs (Eren M. Güvercin, M.) Mittätern hat ihn verpfiffen? HBO Max

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Der US-amerikanische TV-Programmanbieter HBO ist seit Jahrzehnten bekannt für qualitativ hochstehendes Serienhandwerk und gilt bis heute als der Massstab schlechthin für exzellentes Storytelling. Wer HBO sagt, denkt an die «Heilige Dreifaltigkeit», die das moderne Fernsehen definiert hat: das Mafia-Epos «The Sopranos», das als Startschuss für das goldene Serien-Zeitalter gilt; das hyperrealistische Gesellschaftsporträt «The Wire» und natürlich das Fantasy-Phänomen «Game of Thrones».
Stilistische und inhaltliche Brillanz verrät HBO auch in der jüngeren Vergangenheit immer wieder: mit dem Familiendrama «Succession», der emotionalen Videospiel-Adaption «The Last of Us» sowie der beklemmenden Miniserie «Chernobyl».
Grosse Freude herrschte, als HBO Max am 13. Januar den deutschen Sprachraum betrat – und fast noch grösser sind die Erwartungen, wenn nun wenig später sein erstes deutsches Original präsentiert wird. Die Messlatte liegt ziemlich hoch, zumal die Streaming-Konkurrenz bereits bewiesen hat, dass eine Produktion made in Germany Weltniveau erreichen kann. Man denke etwa an das Mystery-Meisterwerk «Dark» von Netflix oder an die Hochglanz-Historienserie «Das Boot» von Sky Show, die mittlerweile auch bei Netflix ein Zuhause gefunden hat.
«Banksters» (ein Kofferwort aus «Bank» und «Gangster») erzählt frei nach wahren Begebenheiten und setzt im Berlin von 2004 ein. Der junge, begabte Bankerlehrling Yusuf (Eren M. Güvercin) wird auf dem Fussballplatz von der Polizei verhaftet. Der Vorwurf: mehr­facher Bankraub. In der U-Haft gerät Yusuf in ein Dilemma: Wenn er schweigt, wird er lange sitzen. Packt er aus, macht ihn das zum Verräter. Doch Yusuf treibt noch eine ganz andere Frage um: Wer hat ihn verpfiffen?
Die Handlung entfaltet sich in rasantem Wechselspiel zwischen Gegenwart und Rückblenden, die zeigen, wie aus kleinen Gaunereien eine kriminelle Existenz wurde. Besetzungstechnisch ist die Serie mit Jungstars und erfahrenen Charakterköpfen wie Andreas Pietschmann («Dark») bis in die Nebenrollen exzellent besetzt. Auch hinter der Kamera verheisst das Team Qualität: Pro­duzent und Drehbuchautor ist Bernd Lange («Die Kaiserin»). Die Nähe zum Kulthit «4 Blocks» ist deutlich spürbar und gewollt. Nicht von ungefähr hat HBO Max ja ein Prequel zu ebenjenem Clan-Epos auf die Beine gestellt.

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Doch wie schlägt sich «Banks­ters» gemessen am eingangs erwähnten Goldstandard? Der Einstieg ist verheissungsvoll: Hastige Schnitte und ein treibender Soundtrack saugen den Zuschauer sofort ein. Doch bald offenbaren sich Risse in der Fassade. «Banksters» will von allem etwas und nimmt sich von vielem ein wenig: Bankraubaction, Identitätsfindung, Familiendrama. Dieser Genremix und chaotische Zeitsprünge machen den Plot so löchrig, dass die Figuren darin versinken, statt emotionale Tiefe zu erlangen.
Störend ist auch das Ge­baren der Polizei: Der ermittelnde Cop wird als unprofessioneller Rüpel mit superkurzer Zündschnur derart überzeichnet, dass er mehr als Karikatur denn als ernsthafte Gefahr für Verbrecher rüberkommt.
«Banksters» überzeugt handwerklich, erreicht aber inhaltlich nicht die epochale Wucht eines «Succession» oder die Präzision von «The Wire». Für die Fans von Heist-Storys und deutscher Crime-Kost ist dieser Sechsteiler (eine Folge pro Woche) aber allemal einen Versuch wert.

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Banksters ★★★☆☆

HBO Max | Dramaserie | 1. Staffel
Mit Eren M. Güvercin, Michelangelo Fortuzzi, Maria Dragus, Andreas Pietschmann
D 2026, ab 20. Februar 2026

Der Trailer

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