Netflix – «Kacken an der Havel»

Je schräger, desto besser

Die Netflix-Comedyserie mit dem vulgären Namen ist ein chaotisches Halligalli. Doch wer sich darauf einlässt, hat einen Heidenspass.

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Eine schrecklliche Familie: Karo, Johnny, Toni, Nancy (vorne), Charly mit Babyente Tupac und Kaia (v. l.). Courtesy of Netflix

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Der Titel der Serie ist ein No-Go. Immerhin wird schon in den ersten Minuten erklärt, dass «Kacken an der Havel» der Name des Kaffs ist, in dem die Story spielt. Der Held heisst Toni (Anton Schneider): Er zog vor 18 Jahren weg, um in Berlin eine grosse Karriere als Rapper zu starten. Das hat nicht geklappt, denn Toni arbeitet inzwischen als Pizzabäcker. Da erreicht ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter Wera (Ruth Reineke): Sie war, als sie eine Ente retten wollte, vom Baum hinuntergestürzt – und wurde dann gleich noch vom Blitz getroffen.
Für die Beerdigung muss Toni also heim nach Kacken, wo seine kuriose Familie auf ihn wartet. Eine weitere Überraschung für Heimkehrer Toni: sein 14-jähriger Sohn Charly (Sky Arndt), von dessen Existenz er nichts wusste. Und ausgerechnet als Toni im Heimatdorf ankommt, kontaktiert ihn die Agentin eines Plattenlabels, die ihn gross rausbringen will.
Bis hierhin könnte man denken, es handle sich um eine weitere Serie «made in Germany» mit eigenwilligem Humor, wie «How to Sell Drugs Online (Fast)» oder «Kleo». Und spätestens als Mutter Weras hysterischer Witwer Johnny Carrera (Dimitrij Schaad) auftaucht, kippt die Comedy in anarchischen Klamauk. Johnny rezitiert an der Beisetzung den liebsten Dichter der Verstorbenen, den deutschen Eurodance-Sänger Haddaway: «What Is Love? Baby Don’t Hurt Me».
Es folgt ein kunterbuntes Chaos aus irrsin­nigen Ideen, hanebüchenen Handlungen und komplett durchgeknallten Charakteren. Es dünkt einen, als hätten die Serienmacher beim Brainstorming zu viele Pillen eingeworfen. Motto: Je schräger die Idee, desto besser. Idee 1: Toni könnte doch eine sprechende Babyente adoptieren und diese Tupac taufen, oder? – Klaro, das nehmen wir! Idee 2: Im Dorf gibt es ein Laubbläser­museum, was meint ihr? – Ha-ha-hammergeil! Idee 3: Veronica Ferres spielt die Bürgermeisterin von Kacken, und die heisst auch gleich so? – Gekauft! Oder wie wär’s damit: Die Schule ist nach der Ferres benannt, und das wichtigste Schulfach ist Veronica-Ferres-Kunde? – Deal!

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Das nur ein paar Müsterchen, um die schwindelerregende Schieflage der Geschichte zu illustrieren. Zu ebenjenem Brainstorming (falls es denn wirklich so stattfand) luden nämlich Johnny-Carrera-Darsteller Dimitrij Schaad und sein jüngerer Bruder Alex Schaad. Letzterer führte auch Regie, gemeinsam mit Jano Ben Chaabane, der schon bei «Kleo» vier Folgen auf dem Regiestuhl sass. Und wo Schaad draufsteht, ist meist sehr viel Humor und in diesem Fall auch eine grosse Portion Albernheit drin.
Erstaunlicherweise schreckt uns dieses Potpourri an Farben, Figuren und Gags keineswegs ab. Man wird vielmehr neugierig, was sich die Schaad-Brüder sonst noch alles an Absurditäten ausgedacht haben könnten, und schaut weiter. Dass die Kacken-Suppe nie ganz überkocht, dafür sorgt die Haupt­figur, die im ganzen Durcheinander ein ruhender Pol ist. Obwohl es um ihn herum brodelt und brennt, bleibt Toni angesichts der Geschehnisse (meist) ziemlich entspannt.

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Was ebenfalls nicht zu über­sehen ist: Die Darsteller haben Riesenspass. Veronica Ferres tobt sich genüsslich in ihrer Rolle als Dorfqueen aus; Edin Hasanovic, der den verhaltensgestörten Rap-Produzenten Rick Schmandtke spielt, geniesst jede Szene. Logo: Schmandtke hat mit den Beatles, Tupac Shakur UND Marlene Dietrich zusammengearbeitet (so viel zum Brainstorming!).
Bei «Kacken an der Havel» ist nichts logisch. Es ist ein über­kandidelter Kindergeburtstag mit tonnenweise Herz und Spass.

Kacken an der Havel ★★★☆☆

Netflix | Comedyserie | 1. Staffel
Mit Anton Schneider, Sky Arndt, Dimitrij Schaad, Veronica Ferres
D 2026, ab 26. Februar 2026

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Der Trailer

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