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Netflix – «Schlafende Hunde»

Die Blutspur der Justiz

Ein verwirrter Ex-Cop auf Spurensuche: In der Krimiserie «Schlafende Hunde» verschwimmt die Grenze zwischen Recht und Unrecht.

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Mike Atlas (Max Riemelt) ist ein sehr gepflegter Randständiger: «Schlafende Hunde» auf Netflix

Mike Atlas (Max Riemelt) ist ein sehr gepflegter Randständiger:

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Mischa Christen

Er ist verwirrt. Sieht aus wie ein Penner.» Luka Zaric (Carlo Ljubek), ein Ermittler des Kriminaldauerdienstes KDD, hat keine lobenden Worte für den Ex-Kollegen übrig. Dabei war Mike Atlas (Max Riemelt; «Sense8») mal ein ausgezeichneter Cop, der hohes Ansehen genoss. Nun haust er verwahrlost in einem heruntergekommenen Wohnwagen am Rande einer fiktiven deutschen Stadt.

Was ist passiert? Mike fand vor ein paar Jahren die entscheidenden Beweismittel in einem prestigeträchtigen Mordfall. Ein junger Muslim wurde daraufhin des Mordes an einem Richter überführt und ins Gefängnis gesteckt. Danach verschwand Mike.

Als sich der junge Muslim im Knast die Pulsadern aufschneidet, taucht Mike wieder auf und beginnt Fragen zu stellen. Und davon hat er jede Menge. Denn fatalerweise hat er keinen Schimmer, was damals alles passiert ist. Er weiss nicht mal mehr, wie und weshalb er den Dienst quittierte. Die Gründe für seine massiven Gedächtnislücken bleiben vorerst schleierhaft.

Schon bald muss Mike seine eigene Integrität bei den damaligen Ermittlungen im Fall des Richtermordes hinterfragen. Hat er die Spuren am Tatort gar selber gelegt? Doch nicht nur er interessiert sich wieder für diesen Fall. Auch die junge, strebsame Staatsanwältin Jule Andergast (Luise von Finckh) will die geschlossene Mordakte erneut öffnen. Allerdings aus einem ganz anderen Grund.

So machen sich beide auf die blutige Fährte einer Verschwörung, die immer tiefer in den Polizei- und Justizapparat führt. In Rückblenden erscheinen zudem kurze Ausschnitte eines Terroranschlags, der die Stadt vor gut einem Jahr erschütterte und ganz offensichtlich mit den hier erzählten Geschehnissen im Zusammenhang steht.

Die Krimiserie rüttelt jedenfalls an den Grundfesten des Rechtsstaates: Die junge Staatsanwältin, die eine Affäre mit einem verheirateten Richter hat; Polizisten, die Beweise vertuschen und ihre Befugnisse überschreiten. Ausgerechnet ein in den Fall involvierter Rechtsanwalt (Martin Wuttke) kommt noch am besten von allen weg – zumindest zu Beginn.

«Schlafende Hunde» ist eine Adaption der israelischen Krimiserie «The Exchange Principle» und wurde von den Machern der preisgekrönten Dramaserie «Unorthodox» umgesetzt. Deren Absicht war auch, den Druck aufzuzeigen, dem die Polizei täglich ausgesetzt ist. Das ist durchaus gelungen. Einen Pluspunkt gibt’s auch für die Subtilität, mit der das Thema Homosexualität unter Muslimen angegangen wird.

Etwas überzeichnet fiel allerdings die Oberstaatsanwältin aus, die ihre junge Mitarbeiterin konsequent schikaniert, darüber hinaus eine Rassistin und homophob ist. Vermutlich ist sie auch korrupt und hatte bei der fingierten Überführung des Muslim die Finger im Spiel. Mike wiederum wirkt trotz Siff und Trostlosigkeit allzu proper. Der mit allerlei Gerümpel gefüllte Einkaufswagen, den er zuweilen vor sich herschiebt, vermag das Bild des abgestürzten Penners auch nicht glaubwürdiger zu transportieren.

Wie die heimische Produktion beim skeptischen deutschen Publikum ankommt, ist schwer abzuschätzen. Immerhin wird weder Erfolg noch Misserfolg darüber entscheiden, wie es weitergeht: «Schlafende Hunde» ist ganz offiziell eine in sich abgeschlossene Miniserie.

Schlafende Hunde ★★★☆☆

Netflix | Krimi-Miniserie

Mit Max Riemelt, Luise von Finckh, Peri Baumeister, Martin Wuttke

D 2023, ab 22. Juni 2023

Von Mischa Christen am 15. Juni 2023 - 17:47 Uhr