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Die Beschatter – Schnüffeln für Anfänger

Vorhang auf für die «Die Beschatter»: Die erste Krimiserie von Erfolgsregisseur Michael Steiner kann sich sehen lassen.

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Die Beschatter

Leo Brand (Roeland Wiesnekker) verzweifelt nicht nur einmal fast ob seinen Schützlingen.

Pascal Mora/SRF

Zu Beginn wähnt man sich im «Missen Massaker 2»: Da wird eine Prostituierte von einem vermummten Killer in den Tod gehetzt. Schnitt!

Und schon befindet man sich sechs Monate später beim Bewerbungsgespräch einer Handvoll Normalbürger, die sich beim Ex-Polizisten Leo Brand (stark: «Strähl»-Star Roeland Wiesnekker) zu Spürnasen ausbilden lassen wollen. Doch dieser weiss in Sekundenschnelle, wer in sein Team passt – und wer mit einem «Leider nei!» verabschiedet wird.

Es folgt keine lange Theorie, sondern schon der erste echte Fall, welchen die dilettantischen Nachwuchs-Detektive ähnlich wie die Jus-Studis in der US-Serie «How to Get Away with Murder» mit ihrem Lehrmeister nicht nur aus nächster Nähe beobachten, sondern als Akteure live miterleben.

Michael Steiners erste Serienarbeit «Die Beschatter» beginnt vielversprechend, baut sympathische Figuren auf, welche über die nächsten fünf Episoden bestens funktionieren. Insbesondere die verwahrloste Agotha (Meryl Marty) mausert sich von einer bankrotten Nervensäge zu Leos Lieblingsschülerin. Sie will Detektivin werden, um ihre vermisste Mutter wiederzufinden. Doch diese Suche droht ein schreckliches Geheimnis aus Leos Polizeivergangenheit ans Tageslicht zu bringen.

Die neue SRF-Serie aus Basel ist eine Krimikomödie, unter deren Oberfläche ein düsterer Thriller brodelt. Just dieser doppelte Boden hebt die sechs Folgen von klassischen Krimis ab, in denen der Humor meist zu kurz kommt. Und genau hier spielt Steiner sein inszenatorisches Knowhow in den Gattungen Drama und Komödie aus, das er über die Jahre in Kinohits wie «Mein Name ist Eugen», «Grounding», «Sennentuntschi» oder zuletzt «Wolkenbruch» pflegte.

Steiner: «Beim Spielfilm dreht man zwei bis drei Minuten am Tag, bei einer Serie sechs Minuten. Man muss sich etwas einfallen lassen, damit die Serie trotz Zeitdruck gut ausschaut und die Schauspielerinnen und Schauspieler trotz der langen Drehdauer von fünf Monaten immer gleich performen.»

Dabei vertraut der Regisseur nicht nur auf langjährige berufliche Weggefährten wie den Kameramann Pascal Walder und Head-Editor Benjamin Fueter, sondern er setzt auch auf talentierte Newcomer wie den B-Unit-Regisseur Timo von Gunten («La femme et le TGV») oder den Regieassistenten Giacun Caduff.

In jeder Episode müssen Brands Spürnasen einen neuen Fall lösen, der mal besser (FCB-Fankult in Episode 2; Social Engineering in Folge 5), mal schlechter (Filmbloggerin-Stalking in Episode 4) gelungen ist. Dies liegt nicht nur am schauspielerischen Talent der handverlesenen Besetzung um Roeland Wiesnekker, Esther Gemsch, Martin Rapold und Pascal Ulli, sondern auch am Drehbuchkönnen von Headautorin Simone Schmid («Zwingli»), Francesco Rizzi («Cronofobia»), André Küttel («Platzspitzbaby») und der Krimiautorin Christine Brand.

Die Zürcher Privatdetektei Ryffel beriet das Autorenteam während der Entstehung der einzelnen Geschichten, gewährte dem Produktionsteam Einblick in den Berufsalltag von professionellen Privatdetektiven und unterstützte es in Bezug auf Ermittlungsmethoden und den Einsatz von technischen Hilfsmitteln.

Die Beschatter ★★★★☆

Play Suisse | Crime-Comedyserie

Mit Roeland Wiesnekker, Esther Gemsch, Pascal Ulli, Meryl Marty, Martin Rapold

CH 2022, ab 29. Oktober 2022

Die Beschatter Staffel 1

Lektion im Abhören der Zielperson (v. l.): Doro Iselin (Esther Gemsch), Milan Giokaj (Dardan Sadik), Agotha Bayani (Meryl Marty), Hennig Eckberg (Martin Butzke) und Roger Hasenfratz (Martin Rapold).

SRF/Pascal Mora
Von Mohan Mani am 19. Oktober 2022 - 10:09 Uhr