Netflix – «23 000 Leben»

Helfen ist kein Verbrechen

Das deutsche Drama «23 000 Leben» ist inspiriert von der Entstehung der Seenotrettungsorganisation Jugend Rettet.

Marco Spiess

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Jede Rettung ist eine Heraus­forderung mit ungewissem Ausgang. Für die jungen Helfer gehen die Aktionen nicht immer reibungslos über die Bühne. Courtesy of Netflix

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Wenn Menschen in Not geraten sind, bietet man Hilfe und Rettung an. Gerade jüngst beim verheerenden Erdbeben in Vene­zuela war allen klar, dass angesichts von grenzenlosem Leid die Weltgemeinschaft zusammenstehen muss.
Auf dem Mittelmeer scheint diese an sich simple Tatsache aber komplizierter zu werden. Denn die geretteten Menschen kommen nach Europa – und werden somit zu einem Politikum.
In der Flüchtlingskrise 2015/16 gelangten über zwei Millionen Menschen via Balkan oder Mittelmeer auf unseren Kontinent – und bis heute dominiert dieses Thema den Diskurs in den EU-Ländern und der Schweiz. «23 000 Leben» geht in jene Zeit zurück und widmet sich – wenn auch mit fiktionalisierten Figuren – der Entstehung der Organisation Jugend Rettet.
Der Hauptfigur Lukas (Louis Hofmann) stellt sich am Anfang die simple Frage: «Können wir Menschen einfach so ertrinken lassen? Dürfen wir da wegsehen?» Der Student ist sich sicher: nein! Also trommelt er Freunde zusammen, startet 2015 eine Crowd­funding-Kampagne und sucht Gönner, um mit dem Geld die «Iuventa» zu kaufen, ein altes Schiff.
Erfahrungen auf See hat Lukas keine. Darum holt er sich Unter­stützung von Aktivisten, die bereits auf dem Mittelmeer in Aktion waren. Zu ihnen gehört etwa der tatkräftige Sören (Frederick Lau), aber auch eine Kapitänin.
Im Juli 2016 geht es los nach Malta. Schnell macht sich die harte Realität bemerkbar: Die Kapazität des Schiffs ist beschränkt, und libysche Partisanen machen der Crew das Leben schwer.
In der Heimat wächst der Unmut gegenüber den Geflüchteten – was darin mündet, dass «Jugend Rettet» der Schlepperei bezichtigt wird und in Italien vor Gericht muss.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass Regisseur Markus Goller («25 km/h») und sein Team zwar in der Realität verankert bleiben (als Berater diente «Iuventa»-Kapitän Benedikt Funke), die Figuren aber erfunden sind. Die dadurch gewonnene erzählerische Freiheit wirkt oft bemüht. So ist etwa einer der ersten Geretteten ein Modellflüchtling, der im Nu Deutsch lernt und die Retter danach unterstützt.

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«23 000 Leben» ist immer dann am besten, wenn man am Boden bleibt: also wenn ersichtlich wird, wie mühsam es ist, das Geld zusammenzukratzen, wie anstrengend das Leben an Bord der «Iuventa» ist, wie auch innerhalb der Organisation Konflikte aufbrechen. Und vor allem: wie erschütternd die Schicksale der Geretteten sind.
Hauptdarsteller Louis Hofmann (bekannt vom Netflix-Hit «Dark») und Co-Stars wie Mala Emde und Frederick Lau halten das Ganze gut zusammen. Unterstützung gibt es von prominenten Gastrollen. Zum Beispiel: Corinna Harfouch und Ulrich Matthes als Förderer, Herbert Knaup als Politiker, Katja Riemann als sie selbst oder Franka Potente als Mutter von Lukas.

23 000 Leben ★★★☆☆

Netflix | Drama
Mit Louis Hofmann, Mala Emde, Frederick Lau, Katharina Stark
D 2026, ab 17. Juli 2026 auf Netflix

Der Trailer

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