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Der Killer mit der Maske aus Menschenhaut ist wieder da

In «Texas Chainsaw Massacre» lässt Netflix den sägeschwingenden Kult-Psycho Leatherface aufs Publikum los.

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«Texas Chainsaw Massacre» auf Netflix

Wir sind ihn noch nicht los: Leatherface (Mark Burnham).

Yana Blajeva / Legendary, Courtesy of Netflix

Mit seinem Erstling «The Texas Chain Saw Massacre» (deutsch: «Blutgericht in Texas») schuf Regisseur Tobe Hooper 1974 einen der grossen Klassiker des Horrorfilms. Kettensäge-Killer Leatherface avancierte zur Genre-Ikone wie später Michael Myers, Jason Voorhees und Freddy Krueger.

Mit dem fast identisch betitelten Netflix-Schocker «Texas Chainsaw Massacre» kommt nun der neunte Streifen um Leatherface (s. unten), der erste seit Hoopers Tod 2017. Es handelt sich um ein sogenanntes «Legacy-Sequel»: eine direkte Fortsetzung des Originals, die in der Gegenwart spielt. 

Will meinen: Leatherface (Mark Burnham) lebte fast 50 Jahre unter der Aufsicht von Mrs. Mc (Alice Krige) im Waisenhaus des texanischen Wüstenkaffs Harlow. Die Influencer Melody (Sarah Yarkin) und Dante (Jacob Latimore) haben die vermeintliche Geisterstadt gekauft und reisen dorthin, um die einzelnen Gebäude an Meistbietende zu versteigern. Doch als die jungen Städter Mrs. Mc aus ihrem Heim werfen, bricht sie zusammen und stirbt – worauf Leatherface durchdreht und nach Jahrzehnten wieder zur Kettensäge greift.

Die Story der Uruguayer Fede Alvarez und Rodo Sayagues, die schon die Horror-Hits «Evil Dead» (2013) und «Don’t Breathe» (2016) erdachten, bringt mit Sally (Olwen Fouéré) die Überlebende des Originals zurück und hat auch sonst prima Ideen. Doch das Drehbuch von Neuling Chris Thomas Devlin arbeitet diese viel zu wenig aus, was sich auch in der mageren Laufzeit von 70 Minuten plus Nachspann zeigt. Die Figuren tragen alle spannende Züge, bleiben aber eindimensional.

Ein elementarer Fehler stört zudem immens: Was Leatherface seit jeher von anderen Kino-Schlitzern unterscheidet, ist, dass er Teil einer Familie ist. So auch im Original, das neben ihm der Vater («der Koch») und der Opa überleben. Die werden nun aber nicht einmal erwähnt, was erst die Handlungsgrundlage ermöglicht, dass Leatherface all die Jahre im Waisenhaus weggesperrt sein konnte. So wird aus dem «Familienmensch» ein Solo-Killer wie fast alle anderen.

Auf der positiven Seite anzumerken sind die stimmige Inszenierung von Regisseur David Blue Garcia und die elaborierten Mordszenen. Der Höhepunkt des ganzen Films ist das Massaker im Greyhound-Bus, als Leatherface haufenweise hippe Städter der Social-Media-Generation zersägt.

Die wunderbar schwarzhumorige Szene huldigt auch direkt der berühmtesten nicht verwendeten Szene aus Tobe Hoopers eigener ersten Fortsetzung «The Texas Chainsaw Massacre 2».

Aber letztlich ergibt sich leider nicht zum ersten Mal in einem Film um Leatherface das Fazit: Das Potenzial wird bei weitem nicht ausgeschöpft.

Texas Chainsaw Massacre ★★☆☆☆

Netflix | Horrorfilm

Mit: Mark Burnham, Sarah Yarkin, Elsie Fisher u.a.

USA 2022, ab 18. Februar 2022

Die bisherigen Leatherface-Filme

«The Texas Chain Saw Massacre»
(1974, VoD/Blu-ray/DVD): Das bis heute unerreichte Original ist cineastisches Pflichtprogramm, nicht nur für Genre-Fans. ★★★★★

«The Texas Chainsaw Massacre Part 2»
(1986, Blu-ray/DVD): Die blutige Fortsetzung ist weniger Horror als ätzende Satire auf das Yuppietum und wurde jahrelang unterschätzt. ★★★★☆

«Leatherface: The Texas Chainsaw Massacre III»
(1990, auf D zurzeit nicht verfügbar): Kein Vergleich mit den ersten zwei, aber immerhin mit Viggo Mortensen («Herr der Ringe»). ★★★☆☆

«The Return of the Texas Chainsaw Massacre»
(1994, VoD/Blu-ray/DVD): Der unfassbare Murks war das Hauptrollen-Debüt von Renée Zellweger und Matthew McConaughey! ★☆☆☆☆

«The Texas Chainsaw Massacre»
(2003, Blu-ray/DVD): Das von Michael Bay produzierte Update hat ordentlich Schmiss und löste eine Horror-Remake-Welle aus. ★★★☆☆

«The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning»
(2006, DVD): Die Remake-Fortsetzung erzählt die grimmige Vorgeschichte und ist vielleicht der beste hinter den ersten zwei. ★★★★☆

«Texas Chainsaw»
(2013, Netflix/VoD/Blu-ray/DVD): In 3D gedreht ist auch dieses Reboot eine direkte Fortsetzung des Originals, weiss aber nicht viel damit anzufangen. ★★☆☆☆

«Leatherface»
(2017, Prime Video/VoD/Blu-ray/DVD): Erzählt wie «The Beginning» eine düstere Vorgeschichte und macht das immerhin mit recht stimmigem Gothic-Flair. ★★★☆☆

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Patrick SchnellerMehr erfahren
Von Patrick Schneller am 18. Februar 2022 - 09:09 Uhr