Seine markante Stimme hat sich über die Jahrzehnte ins kollektive Gedächtnis des Publikums eingebrannt. Ein Timbre, das gleichermassen Autorität und kindliches Staunen ausstrahlt. Wenn Sir David Attenborough (99) spricht, dann schweigt und horcht die Welt.
In der neuen Netflix-Dokuserie «Eine Gorilla-Story» über die Berggorillas Ruandas findet dieses monumentale Lebenswerk einen weiteren bedeutsamen Höhepunkt. Und die Veröffentlichung steht unter einem ganz besonderen Stern: Am 8. Mai feiert Attenborough seinen 100. Geburtstag. Ein Jahrhundert, in dem er die Naturfilmgeschichte nicht nur begleitet, sondern definiert hat.
Von den grobkörnigen Schwarz-Weiss-Aufnahmen der 50er-Jahre bis hin zur superrealistischen,ultrahochauflösenden Bildästhetik der Gegenwart hat der Brite eine Metamorphose vollzogen. Er begann als Entdecker, der exotische Kreaturen in die britischen Wohnzimmer brachte, und entwickelte sich zum moralischen Gewissen eines Planeten, der unter der Last seiner Zivilisierung ächzt.
Die neue Produktion von Oscarpreisträger James Reed («Mein Lehrer, der Krake») erzählt die bemerkenswerte Geschichte von Attenboroughs erster Begegnung mit Gorillababy Pablo und ergänzt sie durch Einblicke in das heutige Leben von Pablos direkten Nachkommen in den Bergen Ruandas.
Sir Davids Augen schimmern feucht, wenn er ins Schwärmen gerät: «Ich habe viele faszinierende Geschöpfe getroffen. Bei einigen habe ich jedoch eine besonders tiefe Verbundenheit gespürt. Sie besitzen eine Stärke und Vitalität, die unsere bei weitem übertreffen.»
Die Doku verknüpft aktuelle Bilder mit Archivaufnahmen (inkl. Auszüge aus Attenboroughs Tagebüchern von 1978) und zeigt aussergewöhnlichen Verhaltensweisen der Gorillas. Attenboroughs Erzählweise erhebt das Ganze über die reine Dokumentation hinaus. Er strukturiert die Serie als tierisches Familiendrama: So erleben wir Machtkämpfe der Silberrücken, zärtliche Fürsorge der Mütter und die -verspielte Neugier der Jungen.
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Doch über der scheinbaren Idylle schwebt immer das Wissen um die Bedrohungen durch Lebensraumverlust und Wilderei. Themen, die Attenborough in den letzten zwei Jahrzehnten mit wachsender Dringlichkeit aufnahm: Sein Schaffen war geprägt durch einen Schwenk weg vom reinen «Spektakel» hin zum aktivistischen Naturschutz.
Er wurde vom Beobachter zum Fürsprecher. Diese Gorilla-Story ist auch ein Rückblick auf seine eigene Reise – und eine Mahnung, dass wir im Begriff sind, die Wunder der Erde, die er uns in all den Jahren gezeigt hat, zu verlieren.
Attenborough ist übrigens der Einzige, der einen BAFTA-Award in jeder technologischen Ära des Fernsehens gewonnen hat: Schwarz-Weiss, Farbe, HD, 3D und 4K.
Wenn am 8. Mai die hundert Kerzen für Sir David brennen, wird diese Serie als Zeugnis dafür stehen, dass seine Neugier auch im biblischen Alter noch nicht gestillt ist.
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