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Netflix – «Schumacher ’94»

Geburtsstunde einer Legende

Die Netflix-Doku blickt auf die Formel-1-Saison 1994, die alles veränderte. Mittendrin: Michael Schumacher.

Marcel Wyss

Michael Schumacher lag 1994 vor dem Grand Prix von Australien in Adelaide nur 1 Punkt vor Damon Hill.
Michael Schumacher lag 1994 vor dem Grand Prix von Australien in Adelaide nur 1 Punkt vor Damon Hill.BONGARTS

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Sein allererstes Rennen in der Formel 1, der Königsklasse des Motorsports, bestritt Michael Schumacher 1991. Nach seinem vielbeachteten Debüt für den Rennstall Jordan nahm ihn Flavio Briatore gleich für Benetton-Ford unter Vertrag. Und der Jungspund aus Kerpen fuhr sogleich in die Punkte.
1992 holte er seinen ersten GP-Sieg und wurde WM-Dritter. Die Netflix-Doku beleuchtet aber das Jahr 1994. «Die Saison, die die Formel 1 für immer veränderte», wie es der damalige Rennfahrer ­David Coulthard dramatisch formuliert. Es wurde eine Saison, wie sie nur das Leben schreiben kann – aus der Feder eines Hollywood-­Autors würde man sie als zu übertrieben abkanzeln.
Nach dem Rücktritt von Alain Prost sah es ganz nach einem ­Duell zwischen der brasilianischen F 1-Legende Ayrton Senna und dem 25-jährigen Emporkömmling Michael Schumacher von Benetton-Ford aus, dem Aussenseiter-Team mit dem kleinen Budget.
Die Ereignisse überschlugen sich. «Schumi gibt Gummi», titelte die «Bild»-Zeitung nach Siegen in den ersten zwei Rennen, während Altstar Senna mit zwei Nullern dastand. Dann kam es zum wohl tragischsten Rennwochenende der Motorsportgeschichte in Imola (I). Im Qualifying raste zuerst der Österreicher Roland Ratzenberger in den Tod und einen Tag später im Rennen Senna.
Aber für Bernie Ecclestone, «Mister Formel 1» und langjähriger Herrscher über den Zirkus, war klar: «The show must go on.» Schumacher näherte sich nun anscheinend konkurrenzlos seinem ersten WM-Titel. In Deutschland wurde eine unglaubliche Euphorie entfacht, die grosse Auto­nation war plötzlich wieder wer.
Doch dann kamen Betrugs­vorwürfe gegen Benetton auf. Der schnelle Aufstieg des Teams hatte Misstrauen geweckt. Oder wie es der heute 76-jährige Briatore erklärt: «Gewinnt ein Grosser, ist es kein Problem. Gewinnt ein Neuer, ist es Betrug.» Schumacher wurde zweimal disqualifiziert und für zwei Rennen gesperrt. «Schummel-Schumi» war geboren. Und nach vier Nullern war die WM plötzlich wieder spannend.

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Damon Hill lag drei Rennen vor Schluss nur noch einen Punkt hinter Schumacher. England gegen Deutschland – das ewige Duell ­beherrschte plötzlich auch in der Formel 1 die Schlagzeilen. Es war spannend geworden wie schon lange nicht mehr.
Die Doku beleuchtet nicht nur die sportliche Geburt der Legende Schumacher. Dank Ehefrau Corinna erfährt man auch viele Details zu ihrer Liebesbeziehung und zu seiner Persönlichkeit. Etwa dass Michael eigentlich nie berühmt sein wollte und sich einen Schutzpanzer zulegte.
Auch andere langjährige Weg­gefährten wie sein Manager Willi Weber, sein damaliger Teamchef Flavio Briatore, die RTL-Reporter Kai Ebel und Heiko Wasser plaudern aus dem Nähkästchen. Genau das ist aber die Schwäche der Doku. Die Person Michael Schumacher wird zu einseitig und wohlwollend beleuchtet. Wer sich also fast 13 Jahre nach seinem schweren Ski-Unfall etwas Neues zum Gesundheitszustand erhofft hat, wird ebenfalls enttäuscht.

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Trotzdem: «Schumacher ’94» ist äusserst spannend und dramatisch.

Schumacher ’94 – Die Geburt einer Legende ★★★☆☆

Netflix | Dokumentarfilm
Mit Michael und Corinna Schumacher, Flavio Briatore, Kai Ebel
D 2026, ab 2. Oktober 2026

Der Trailer

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