Der Entscheid galt als konsequenter Befreiungsschlag in die rein digitale Welt von DAB+: Die SRG zog am 1. Januar 2025 all ihren UKW-Sendern den Stecker. Masten wurden ausser Betrieb genommen und damit Millionen bei den Betriebskosten eingespart. Der Schnitt durch die analogen Kabel kam der SRG als Entlastung der strapazierten Kassen gerade recht. Nach den reduzierten Serafe-Abgaben steht das Medienhaus unter erheblichem Spardruck.
Das Ergebnis war jedoch ein Fiasko. Nicht alle, die am Küchentisch oder im Auto auf den gewohnten Frequenzen plötzlich nur noch ein Rauschen vernahmen, besorgten sich ein neues Empfangsgerät oder rüsteten ihr Fahrzeug für teures Geld um. Im Gegenteil. Hunderttausende Hörer/-innen der SRG-Sender entzogen sich der «verordneten» Digitalisierung und flüchteten zur privaten Konkurrenz, die weiterhin analog sendete.
Die Wende brachte schliesslich die Politik: Im Dezember 2025 entschied das Parlament, das schweizweite UKW-Netz entgegen den ursprünglichen Plänen doch nicht Ende 2026 abzuschalten, sondern den Weiterbetrieb bis mindestens Ende 2034 zu gewährleisten.
Konfrontiert mit den verheerenden Hörerzahlen und der neuen Rechtslage knickte die SRG ein und kündigte zähneknirschend die Rückkehr in die analoge Zukunft an. Eigentlich hätten erste Radiosender längst aufgeschaltet werden sollen, die verwaisten Frequenzen wurden per 1. Juli offiziell freigegeben. Doch wer im Hochsommer voller Vorfreude das Autoradio oder den Radiowecker im Schlafzimmer auf Suchlauf stellte, wartete vergebens auf die vertrauten Stimmen der Service-public-Sender. Auf den altbekannten Frequenzen herrscht bis heute das grosse Rauschen.
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Warum dauert die Wiederinbetriebnahme des UKW-Netzes so lange? Bei genauerer Analyse tritt ein vielschichtiges Konstrukt aus bürokratischem Hürdenlauf, technischen Hindernissen und einer Prise Schweizer (Über-)Gründlichkeit zutage.
Auf konkrete Fragen nach Terminen, Regionen oder der Wiederbelebung stillgelegter Masten antwortet die SRG mit rhetorischer Eleganz und verweist gebetsmühlenartig auf noch einzuholende Bewilligungen sowie komplexe juristische und technische Hürden.
Licht ins Dunkel bringt ein Papier des Bundesamts für Kommunikation (Bakom): Es hat die ersehnte UKW-Funkkonzession erst am 18. September 2026 ausgestellt. Doch damit ist der Weg rechtlich noch immer nicht geebnet: Es gilt eine dreissigtägige Beschwerdefrist. Erst wenn diese verstrichen ist, kann etwas passieren. «Alle anderen Voraussetzungen für die Inbetriebnahme sind erfüllt, sodass einer raschen Aufschaltung von ersten UKW-Sendern nichts mehr im Weg steht», beteuert die SRG auf Anfrage von tele.ch.
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Ein vollständiges Comeback der einstigen UKW-Abdeckung gibt es aber nicht. In den Tunneln wird auch künftig Funkstille herrschen. Ein Wiederaufbau der komplexen Tunnelversorgung ist laut Bakom ausgeschlossen. Es gebe keine gesetzlichen Versorgungsauflagen oder eine Funkpflicht. Wer also durch die Schweizer Betonröhren braust, bleibt unweigerlich auf DAB+ oder Webradio angewiesen.
Die On-off-Beziehung der SRG zu UKW birgt fürwahr eine gewisse Ironie. Doch der Wille, das Publikum zurückzugewinnen, ist spürbar: Das Medienhaus nimmt Geld in die Hand und Mühen auf sich, um diesen Wellensalat zu entwirren. Sobald die Beschwerdefrist abgelaufen ist – also am 18. Oktober –, legt die SRG einen Fahrplan vor.
In Tunneln bleiben die Autofahrer auf DAB+ oder Webradio angewiesen.Alamy Stock Photo
In Tunneln bleiben die Autofahrer auf DAB+ oder Webradio angewiesen.Alamy Stock Photo