Die Rückkehr der SRG zum Ultrakurzwellen-Rundfunk gleicht einer medienpolitischen Kehrtwende, die so kaum jemand vorhergesehen hat. Was als wegweisender Befreiungsschlag in die rein digitale Radiowelt geplant war, erweist sich rückblickend als strategischer Fehlentscheid.
Am 1. Januar 2025 schaltete die SRG ihre UKW-Sender ab. Es war ein klares, auf Branchenvereinbarungen fussendes Bekenntnis zu DAB+ und die Absage an eine vermeintlich veraltete Technologie. Man erhoffte sich so Einsparungen von rund 15 Mio. Franken. Pro Jahr.
Doch die Realität zeichnete ein anderes Bild. Statt die Digitalisierung zu beflügeln, sparte man das Publikum ein: Gut 500'000 Hörerinnen und Hörer kehrten den SRG-Sendern den Rücken und wanderten zu ausländischen oder Privatradios ab, die weiter analog senden.
Da das Parlament entgegen der ursprünglichen Planung entschied, das verbleibende UKW-Netz der Schweiz Ende 2026 nun doch nicht abzuschalten, geriet die SRG unter Zugzwang. Und kündigte die Rückkehr zur analogen Verbreitung an.
Der Wiedereinstieg soll laut dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) bereits diesen Sommer erfolgen können, da die Freigabe der entsprechenden Frequenzen per 1. Juli 2026 stattfindet. Die SRG muss dazu ein Gesuch für eine UKW-Funkkonzession stellen.
Auf Anfrage von TELE bestätigt die SRG, diesen Spielraum nutzen zu wollen, dämpft jedoch die Erwartungen. «Für das Hochfahren der UKW-Infrastruktur braucht es nicht nur die Frequenzen, sondern bis dahin auch den definitiven Bescheid über die beantragte Funkkonzession sowie über zahlreiche technische und vertragliche Aspekte, die geregelt werden müssen.» Dennoch sei das Ziel, die Radiosender der SRG so rasch wie möglich wieder über UKW zu verbreiten. Details dazu würden bekanntgegeben, «sobald alle nötigen Elemente beisammen sind».
Immerhin: Da die bisherigen Frequenzen für alle konzessionierten Radioveranstalter reserviert blieben, können die Sender auf ihre alten Plätze zurückkehren.
Ein vollständiges Comeback des vorherigen UKW-Komforts wird es aber nicht geben, insbesondere was den Empfang in Tunneln betrifft. Entsprechenden Hoffnungen erteilt das Bakom eine Abfuhr: «Der Wiederaufbau einer Tunnelversorgung ist ausgeschlossen», es gebe keine Versorgungsauflagen. Wer also im Auto unterwegs ist, bleibt in den Röhren auf DAB+ angewiesen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat die analogen Anlagen dauerhaft deaktiviert.
Wie lange wird die SRG nach ihrer Auferstehung auf UKW präsent bleiben? Das ist noch nicht abschliessend geklärt, doch die neuen Konzessionen werden laut Behörden bis ins Jahr 2034 erteilt. Damit ist das Ende der analogen Ära vorerst in weite Ferne gerückt.
Bleibt nur noch die Frage, wie viele treue Gebührenzahler ihren alten Radiowecker im Zuge des digitalen Übereifers bereits im Elektroschrott entsorgt haben.
Ein Trostpflästerchen gibt es immerhin für jene Autofahrer, die ihre Cockpits mit zusätzlichen Kosten auf DAB+ umgerüstet haben: Sie dürfen sich bei Tunneldurchfahrten darüber freuen, dass ihre Investition nicht völlig umsonst war. Während draussen unter freiem Himmel das analoge Rad der Zeit offiziell zurückgedreht wird.