Schauspieler und Synchronsprecher wehren sich

KI-Alarm in Hollywood

Aus Angst vor digitalem Diebstahl proben Stars und Synchronsprecher den Aufstand gegen KI. Doch die Front bröckelt.

Christian Thiele

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Die von KI generierte Schau­spielerin Tilly Norwood wurde 2025 am Zurich Film Festival vorgestellt und soll im Comedy-Drama «Misaligned» die Hauptrolle übernehmen. Instagram

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Wieso klingt George Clooney nicht wie George Clooney? Diese Frage werden sich künftig viele Zuschauer stellen, wenn sie deutsch synchronisierte Netflix-Filme mit dem Filmstar schauen. Denn Martin Umbach (70), die deutsche Stimme von Clooney und auch von Russell Crowe (62), verweigert zusammen mit anderen Synchronsprechern die Unterzeichnung eines neuen Vertrags. Eine Klausel darin würde es Netflix erlauben, seine Stimme zum Training von KI zu nutzen.
Die Angst, schon bald durch KI ersetzt zu werden, macht sich nicht nur in der Synchronsprecher-Branche breit. Sie grassiert schon längst auch bei denjenigen, denen Umbach und Co. ihre Stimme leihen: den Hollywoodstars selbst.
Bereits beim Streik der US-Schauspielergewerkschaft vor drei Jahren ging es darum, sich davor zu schützen, von den eigenen KI-Kopien ausgebootet zu werden. Der neu ausgehandelte Vertrag mit den Produzenten schob das Problem nur um ein paar Jahre hinaus.
Wer noch einen Weckruf für den Ernst der Lage benötigte, bekam diesen im letzten Oktober durch Tilly Norwood. Laut Berichten buhlten mehrere grosse Talentagenturen darum, die bildschöne Schauspiel-Novizin unter Vertrag zu nehmen. Obwohl sie von einer KI-Firma kreiert wurde, wirkt sie so lebensecht, dass «Disclosure Day»-Star Emily Blunt (43) dazu ein «Wir sind am Arsch!» herausrutschte. Doch ihr Appell «Bitte lasst die Finger von diesen furchterregenden synthetischen Dingern und raubt uns nicht die Menschlichkeit» verhallte.
Nun, eine fotorealistische Schauspielerin, deren Figur, Haar- und Augenfarbe man auf Knopfdruck ändern und bei der man sich Schauspieltraining und Visagistin sparen kann, ist für Produzenten natürlich ein kostengünstiger Traum – und für die Kolleginnen aus Fleisch und Blut ein absoluter Albtraum.

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Obwohl Jenna Ortega (23) befürchtet, dass «die Büchse der Pandora bereits geöffnet ist», will man sich in Hollywood nicht kampflos geschlagen geben. Pamela Anderson (58) führt eine Kampagne an, die Modelabels verpflichten will, keine KI-Models anzuheuern. Robert Downey Jr. (61) will sogar testamentarisch untersagen lassen, dass er in einer Rolle posthum durch KI wiederbelebt wird. «Ich bin zwar weg, aber meine Anwälte bleiben aktiv!», verspricht er. Und sein Kollege Matthew McConaughey (56) hat beantragt, seinen berühmten Filmspruch «Alright, alright, alright» aus «Confusion – Sommer der Ausgeflippten» patentieren zu lassen. Ein diesbezüglicher Erfolg wäre ein Punktsieg im Kampf gegen den KI-Klau von Promi-Stimmen.
Paris Hilton steht an der Spitze im Kampf gegen sogenannte Deepfakes, diese täuschend echt aussehenden KI-Fälschungen von Promis, die online verbreitet werden. Die 44-Jährige warb sogar vor dem Kongress in Washington für die Verabschiedung des «Defiance Act»: ein neues Gesetz zur Verhinderung von KI-generierten pornographischen Bildern und Videos.

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Stars wie Scarlett Johansson (41) und Cate Blanchett (57) unterstützen die Kampagne «Stealing isn’t innovation» (Klauen ist keine Innovation). Diese setzt sich gegen Technologie-Unternehmen zur Wehr, die urheberrechtlich geschützte Werke ohne Genehmigung zum Training generativer KI-Systeme genutzt haben sollen, und fordert in Zukunft Strafen dafür.
Doch nicht alle Stars befinden sich im Anti-KI-Lager. So werben etwa Reese Witherspoon (50) und Sandra Bullock (61) auf Social Media dafür, dass insbesondere Frauen künstliche Intelligenz akzeptieren und nutzen sollten. Auch Ben Affleck ist voll auf den KI-Zug aufgesprungen. Der 53-Jährige hatte 2022 seine eigene KI-Firma gegründet. Kritikern aus den eigenen Reihen entgegnet er, dass seine KI-Tools allein dafür kreiert wurden, Filme und Serien schneller und effizienter zu produzieren – ohne dabei die menschliche Kreativität aus dem Blick zu verlieren.

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Dass Affleck seine Firma jetzt aus­gerechnet an Netflix verkauft hat, begründete Affleck in einer Presseerklärung damit, dass der Streamingriese «jahrzehntelange Erfahrung darin hat, neue Technologien verantwortungsvoll einzusetzen». Martin Umbach und seine Kollegen würden diesen Satz bestimmt nicht unterschreiben.

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