Kino – «No Other Choice»

Willst du meinen Job, dann stirb!

Im koreanischen Thriller «No Other Choice» eliminiert ein Entlassener seine möglichen Konkurrenten. Bissige Satire.

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Ma-su (Lee Byung-hun) wird entlassen und fühlt sich gedemütigt. Ascot Elite

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Eine langjährige Stelle zu verlieren, kann schwer kränken und die ganze Existenz über den Haufen werfen. Im Extremfall lässt es einen sogar zum Mörder werden. Killen wegen eines Jobs – das ist das makabere Programm des südkoreanischen Thrillers «No Other Choice».
Familienvater Man-su (Lee Byung-hun) arbeitet seit 25 Jahren als Manager in einer Papierfabrik, als er eines Tages erfährt, dass die neuen US-Besitzer die Firma umstrukturieren und Leute entlassen wollen. Man-su gehört dazu – was für eine Schmach! In Südkorea ist Jobverlust auch Gesichtsverlust, als ob dir der Kopf ab­geschlagen würde. Vor seinem geistigen Auge sieht er schon, wie sein Haus gepfändet wird, weil er die Hypothek nicht mehr bezahlen kann. Und wie er vor seiner Frau und den zwei Kindern als Loser dasteht.
Eine andere Stelle als im Papierbereich kommt für ihn prinzipiell nicht in Frage. Als er nach drei Monaten noch nichts Neues gefunden hat und das Geld immer knapper wird, entwickelt er einen mörderischen Plan. Er will alle Jobkonkurrenten mit Kenntnissen im Papierbereich eliminieren. Dazu gibt er ein Inserat für eine angeblich offene Stelle auf und inspiziert die eintreffenden Bewerbungen. Die persönlichen Informationen nutzt er, um die Bewerber auszuspionieren und einen nach dem anderen auszuschalten. Sehr anstrengend, wie sich herausstellt.
«No Other Choice» beginnt in Hitchcock-Manier: Ein biederer Familienvater wälzt plötzlich Mordphantasien. Der Südkoreaner Park Chan-wook ist nicht nur ein erklärter Hitchcock-Fan (in «Decision to Leave» eiferte er «Vertigo» nach), er liebt auch das Exzessive, das Brutale, das Absurde – und verbindet übergangslos Schönheit mit Schrecken. So beisst im Rachethriller «Oldboy» (2003) die Hauptfigur in einen lebenden Tintenfisch, und in «The Hand­maiden» raucht einer drei Zigaretten gleichzeitig. Ähnlich abstrus sind die Mordszenen in «No Other Choice», denn Man-su ist ein dilettantischer Killer. Sein Plan startet mit stolperndem Nachstellen und wird durch die Unerfahrenheit immer sadistischer. Bis er die Leichen daheim entsorgt.
Was zur billigen Farce hätte werden können, ist bei Park Chan-wook ein eigenwilliger Mix aus Satire, Drama und Krimi. Mit irritierenden Kamerawinkeln, überraschenden Twists und tranceartiger Dynamik inszeniert er den Film unbe­rechenbar unterhaltsam. So ist es auch Man-sus Obsession mit Papier und allem Analogen, was seiner Figur zusätzlichen Reiz verleiht.

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Letztlich ist «No Other Choice» aber in erster Linie eine bitterböse Satire auf die brutale Arbeitswelt, in der jeder jederzeit entsorgt werden kann.

No Other Choice

Thriller
Mit Lee Byung-hun, Son Ye-jin, Woo Seung Kim
Südkorea 2025, ab 5. Februar 2026

Der Trailer

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