Abo
Kino – «Wildwood»

Pure Magie

«Wildwood», der neue Geniestreich des Stop-Motion-Hauses Laika Entertainment.

TELE Logo

Im Wald fühlen sich Prue (l.) und Curtis zu Recht ziemlich unscheinbar.
Im Wald fühlen sich Prue (l.) und Curtis zu Recht ziemlich unscheinbar.Praesens Film

Werbung

Animationsfilme sind in allen Bereichen unverwechselbar: Zeichentrickfilme haben genauso ihren eigenen Charakter wie computeranimierte Trickfilme, und auch innerhalb der Sparten lassen sich die Unterschiede locker erkennen. So hebt sich ein Anime stilistisch unverkennbar vom «westlichen» Zeichentrick ab.
Eine Sonderstellung nehmen die Stop-Motion-Filme ein, in denen plastische Figuren wie Puppen und Knetmännchen Bild für Bild ab-fotografiert werden, um Bewegung zu erzeugen. Es ist die wohl aufwendigste Art der Animation. Und die organischste: Da es sich um «gebastelte» Figuren handelt, wirken sie greifbarer als gezeichnete oder computergenerierte Trickfiguren.
Im Gegensatz zu Zeichentrick-Ikonen wie Walt Disney und Hayao Miyazaki oder Digital-Pionieren wie John Lasseter und Brad Bird sind die Stop-Motion-Magier oft nur eingefleischten Filmfans ein Begriff. Zum Beispiel Willis H. O’Brien (1886–1962), der die bahnbrechenden Tricks für «King Kong» (1933) schuf, oder Ray Harryhausen (1920–2013), der Inbegriff für Stop-Motion des 20. Jahrhunderts.
Zu den zeitgenössischen Exponenten zählen der tschechische Surrealist Jan Švankmajer (92), der britische «Wallace & Gromit»-Schöpfer Nick Park (67) und Travis Knight (53) aus Oregon, der 2016 mit «Kubo – Der tapfere Samurai» das Publikum begeisterte. Nun legt er «Wildwood» nach, die Adaption der gleichnamigen illustrierten Buchtrilogie des Ehepaars Colin Meloy und Carson Ellis.
Knight und sein Team vom Studio Laika Entertainment scheuten keinen Aufwand: «Wildwood» ist mit 130 Minuten der erste Stop-Motion-Animationsfilm, der über zwei Stunden Laufzeit hat.
Die aufmüpfige 13-jährige Prue aus Portland, Oregon, ist von ihren überfürsorglichen Eltern genervt. Als sie mal alleine zu Hause ist, geht sie mit ihrem einjährigen Bruder Mac auf Velo-Spritztour. Doch da wird Mac von Krähen in den nahegelegenen Wald entführt! Mit ihrem schüchternen Mitschüler Curtis macht sich Prue auf ins verwunschene Gehölz, wo sie sprechenden Tieren begegnet und an die Ex-Gouverneurin Alexandra gerät, die finstere Pläne hat.

Werbung

Schlicht umwerfend, was Knight & Co. zustande gebracht haben. Sie erwecken die phantasievolle Vorlage in all ihrer Pracht zum Leben. Die Animation ist so verblüffend wie atemberaubend: pure Kinomagie mit einer Liebe zum Detail, mit der Knight selbst sein wunderbares Regiedebüt «Kubo» übertrumpft.
«Wildwood» ist ein klassisches und doch durch und durch modernes Märchen für Jung und Alt. Aber nicht für die Kleinsten: Dafür ist die Story zu düster, mit unheimlichen und tragischen Momenten, die überfordern und verstören können. Die Freigabe ab 12 Jahren in der Schweiz und in Deutschland überrascht daher nicht.

Wildwood

Trickfilm
Stimmen: Peyton Elizabeth Lee
USA 2026, ab 5. November 2026 im Kino

Der Trailer

Über die Autoren

Werbung