Kino – «The Devil Wears Prada 2»

Diabolischer Modezirkus

Nach 20 Jahren kehren Meryl Streep und Anne Hathaway mit «The Devil Wears Prada 2» in die Welt des Glamours zurück.

Marco Spiess

THE DEVIL WEARS PRADA 2
«Strike a pose!» Meryl Streep und Anne Hathaway zicken wieder. 20th Century Studios

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Wenn die Diva zur vereinbarten Zeit nicht da ist, dann kommt sie nicht etwa zu spät – sie ist «fashionably late». Sind zwanzig Jahre vielleicht doch etwas gar spät?
2006 begeisterte Meryl Streep in «The Devil Wears Prada» als Miranda Priestly, die strikte Leiterin des Modemagazins «Runway». Die Figur basierte auf «Vogue»-Chefin Anna Wintour, schliesslich war die Autorin der Romanvorlage, Lauren Weisberger, einst deren Assistentin. Mit Landei Andy (Anne Hathaway) trat Miranda eine gmögige Figur entgegen, die als Sprachrohr des Publikums diente und Einblicke in den irren Modezirkus gab.
Das alles kam ungeheuer gut an, spielte weltweit über 300 Mio. Dollar ein und mauserte sich zum Kult. Dennoch lehnten Streep und Hathaway eine Fortsetzung lange ab – auch als Weisberger 2013 eine Fortsetzung ihres Romans schrieb.
Nun hat es doch noch geklappt. Streep spielt wieder Miranda, weiterhin Chefin – und noch immer ein emotionaler Eis­zapfen. Als nach einem Skandal Mirandas Stuhl wackelt, holt «Runways» Mutterfirma Andy an Bord.
Die ist inzwischen eine angesehene Journalistin. Die Zeitung, für die sie arbeitete, wurde jedoch jüngst liquidiert. Daher sagt Andy sofort zu, «Runway» zu Glaubwürdigkeit zu verhelfen.
Es dauert nicht lange, bis Andy mit Miranda wieder giftelt, der künstlerische Leiter Nigel (Stanley Tucci) ihr Hilfe anbietet und Emily (Emily Blunt) – mittlerweile bei Dior – schnöden kann.
Doch die Geschichte entfaltet sich dieses Mal holpriger. Figuren wie Mirandas unglaubwürdig sanfter Ehemann (Kenneth Branagh) oder Andys unauffällige neue Liebschaft bleiben bloss Stichwortgeber. Seitenhiebe auf den Modezirkus sind kaum mehr da. Dafür gibt’s ein paar kritische Worte zum Niedergang des Journalismus in Zeiten des Online-Konsums. Und wer Glamour will, bekommt dies nicht nur über die Mode und die vielen Gastauftritte (u. a. Lady Gaga, Donatella Versace), sondern auch dank den abermals wunderbaraufspielenden Stars.

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Ist die Luft nach zwanzig Jahren raus? Miranda wirkt nach anfänglich treffsicheren Spitzen fast schon nett, und richtig fiese Lacher werden rarer. Es dominiert das gefällige Schmunzeln.
Einem Teufel sollte man eben nicht die Hörner stutzen und die Zähne ziehen, sonst fehlt’s an Biss. Oder wie Miranda früher gesagt hätte: «‹The Devil Wears Prada 2› ist gewöhnlich, das war’s.»

The Devil Wears Prada 2

Komödie
Mit Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt
USA 2026, ab 30. April 2026 im Kino

Der Trailer

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