Kino – «Roter Himmel»

Feuer & Flamme an der Ostsee

In «Roter Himmel» von Christian Petzold toben ein Wechselbad der Gefühle und ein Waldbrand.

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Roter Himmel: Vergeblich versucht Nadja, den hadernden Leon mit ihrem unbeschwerten Sommerflair anzustecken.
Roter Himmel: Vergeblich versucht Nadja, den hadernden Leon mit ihrem unbeschwerten Sommerflair anzustecken. Inc., Filmcoopi

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Im Sommer weg aus der Stadt ans Meer – der ideale Weg, um Alltagssorgen zu vergessen und die Seele baumeln zu lassen. Leider nicht für den von Selbstzweifeln geplagten Berliner Schriftsteller Leon (Thomas Schubert). Zwar fährt er mit seinem Jugendfreund Felix (Langston Uibel) an die Ostsee zum Ferienhaus von dessen Mutter, aber Leon ist nicht zum Vergnügen da: Er muss seinen zweiten Roman fertigschreiben.
Selbst die Bekanntschaft mit der Glacéverkäuferin Nadja (Paula Beer) und dem Bademeister Devid (Enno Trebs) entspannen ihn nicht. Während Felix die Auszeit mit Nadja und Devid geniesst, wird Leon zur Spassbremse. Und dann ist da auch noch der nahe Waldbrand, der den Himmel rötlich färbt und den die Feuerwehr nicht unter Kontrolle bringt.
Christian Petzold («Barbara») schwebte ein Sommerfilm nach französischer Façon vor, und genau das ist «Roter Himmel» geworden: Statt teutonischer Strenge herrscht leichtfüssiges Savoir-vivre vor. Lediglich Leon erinnert mit seiner verbohrten Art daran, dass sich die Handlung in Mecklenburg-Vorpommern abspielt und nicht etwa in der Bretagne.
Gegen Ende präsentiert Petzold fast aus dem Nichts eine eher irritierende Wendung zum Fatalismus. Mit ihr kommuniziert er freilich eine lobenswerte Botschaft: Wer immer nur mit sich selbst beschäftigt ist, übersieht die Mitmenschen, verpasst die schönen Momente im Leben und wird erst allzu spät der Vergänglichkeit gewahr. In dem Sinne: Macht euch locker und haltet die Augen offen!

Roter Himmel

Tragikomödie

Mit Thomas Schubert, Paula Beer, Langston Uibel

D 2023, ab 25. Mai im Kino



Der Trailer

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Über die Autoren
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Patrick Schneller
Patrick Schneller, Filmredaktor bei TELE, hat sich seit seinem Einstieg in den Journalismus im Jahr 1992 einen Namen im Bereich der Spielfilmkritik gemacht. Seine Expertise erstreckt sich über das gesamte Spektrum der Filmindustrie, von obskuren Filmen aus vergangenen Zeiten über TV-Produktionen bis hin zu großen Kinoveröffentlichungen von heute. Unter seinen jüngsten Arbeiten ragen Artikel wie 'Halloween – Die Nacht der vielen Schrecken', 'Ich weiß, was du letztes Halloween getan hast' und 'Blutiges Erntedankfest' hervor. Seine retrospektive Betrachtung von Monty Python in 'Monty Python – und nun zu etwas völlig anderem' zeugt von seiner tiefen Verwurzelung in der Filmgeschichte. Bevor Patrick Schneller zu TELE kam, war er für die 'Solothurner AZ', 'Music Scene' und 'Toaster' tätig. Er gehört der Autorenvereinigung Pro Litteris an.

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