Kino – «Mercy»

Killerspiele

Chris Pratt wird im Sci-Fi-Thriller «Mercy» des Mordes beschuldigt. Er hat genau neunzig Minuten Zeit, um seine Unschuld zu beweisen. Vor einer KI-Richterin.

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Kino – «Mercy»: Polizist Chris (Chris Pratt) sitzt als Angeklagter einer KI-Richterin gegenüber.
Polizist Chris (Chris Pratt) sitzt als Angeklagter einer KI-Richterin gegenüber. Sony Pictures

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Maschinen sind da, um die Menschen zu unterstützen. Das war zentraler Antrieb der industriellen Revolution, die im 19. Jahrhundert viele mühsame Arbeiten übernahm. Mit dem Siegeszug von künstlicher Intelligenz und Chatbots gerät der Mensch selber allerdings immer mehr ins Abseits. Bald sollen automatisierte Fahrzeuge die Chauffeure und Taxifahrer ersetzen, wie dies Sci-Fi-Autor Isaac Asimov schon 1953 in der Kurzgeschichte «Sally» beschrieben hat. Oder KI-Assistenten werden Krankheiten diagnostizieren. Doch was, wenn eine KI als Richterin waltet? Schliesslich kann sie Gerichtsakten blitzschnell durchackern und «unvoreingenommen» ein Urteil fällen.
Das ist der Ansatz des Sci-Fi-Thrillers «Mercy», der in einem L.A. in naher Zukunft spielt. Um die steigende Kriminalität zu bekämpfen, kommt das KI-Rechtssystem Mercy zum Einsatz, das den Angeklagten peinlich genau durchleuchtet. Das Perfide: Der Angeklagte muss selber beweisen, dass er unschuldig ist.
Auf der Anklagebank landet auch der Polizeidetektiv Chris (Chris Pratt). Er wird beschuldigt, seine Frau erstochen zu haben. Die KI-Richterin (Rebecca Ferguson) legt ihm belastendes Material vor – darunter ein Video, wo man sieht, wie er betrunken an der Tür seiner Frau klingelt. Chris hat nun 90 Minuten Zeit, seine Unschuld zu beweisen, sonst wird er hingerichtet. Die KI erlaubt ihm dafür den Zugriff auf alle möglichen Infos.
Wie gerecht urteilt eine KI-Justiz und welche Probleme stellen sich bei einem automatisierten Rechtssystem? Es sind hochaktuelle Fragen, die «Mercy» aufwirft. Das Echtzeit-Setting fokussiert auf Handy-Displays, Suchmaschinen, Social-Media-Profile oder Aufnahmen von Überwachungskameras, die Chris im Eiltempo absucht. «Desktop-Thriller» heisst das Genre, das der kasachisch-russische Regisseur Timur Bekmambetov (64) als Produzent geprägt hat. Dazu gehört der Horrorfilm «Unfriended» (2014) und der Thriller «Searching» (2018), wo ein Mann seine vermisste Tochter nur per Desktop sucht.

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Bekmambetov, der selber seit langem in Los Angeles lebt, hat «Mercy» als Online-Schnitzeljagd angelegt, das Resultat ist ein Mix aus «Minority Report» und fiebrigem Videogame. Der Plot wirkt aber manchmal überkonstruiert und unglaubwürdig – wie soll jemand in nur 90 Minuten seine Unschuld beweisen? «Mercy» widersetzt sich dafür gekonnt dem Klischee der bösen KI und ist als dystopisches Gedankenexperiment auf jeden Fall spannend und unterhaltsam.

Mercy

Thriller
Mit Chris Pratt, Rebecca Ferguson
USA 2026, ab 22. Januar 2026 im Kino

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