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Kino – «Close»

Vereint und verloren

«Close» aus Belgien: Die wunderbare Freundschaft zweier Buben bricht tragisch auseinander.

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Unzertrennlich: Leo (Eden Dambrine, r.) und Rémi (Gustav De Waele).

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Antonio Gattoni

Sie rennen zusammen über Wiesen und Felder, verstecken sich im Spieleifer vor angreifenden Rittern, kuscheln sich aneinander, wenn der eine beim andern übernachtet. Leo (Eden Dambrine) und Rémi (Gustav De Waele) sind 13 Jahre alt und unzertrennlich.

Die Buben vom Land mögen sich, ohne viel darüber nachzudenken. Und ohne das Unterschiedlichsein des andern zu bewerten. So ist Leo der sportliche Typ, während Rémi Klarinette spielt. Die Unbeschwertheit ändert sich aber, als beide in die Stadt aufs Gymnasium gehen. Plötzlich ist ihre Nähe ein Thema. Mitschüler fragen, ob sie ein Paar sind, und bald werden die beiden gehänselt. Leo ist darob völlig verunsichert und distanziert sich von Rémi, was diesen zutiefst verletzt. Und so kommt es zum Bruch.

Der Belgier Lukas Dhont (31) inspiziert in seinem zweiten Spielfilm «Close» derart lebensfroh und eindringlich die Freundschaft der beiden Buben, dass der spätere Bruch wie ein Schock wirkt. Der Film konzentriert sich dann auf Leo und darauf, wie er mit der Absenz des Freundes umgeht. Leo will seine Männlichkeit beweisen und beginnt, Eishockey zu spielen. Die Kamera folgt ihm dabei ins harte Training, ist hautnah dabei, wenn er mit verbissener Miene auf dem Eis Bodychecks einsteckt und versucht, die Gefühle für seinen Freund wegzubugsieren.

Was Freundschaft in jungen Jahren bedeutet und wie die Schubladisierung von aussen alles kippen kann, das zeigt Dhont mit zärtlicher Innigkeit und kraftvollen Bildern, wobei Kameramann Frank van den Eeden oft auf mobile Grossaufnahmen der Gesichter setzt. Es geht dabei nicht um eine homosexuelle Beziehung, sondern um starre männliche Rollenbilder.

Diese erkundete der Belgier schon in seinem Erstling «Girl» (2018) über einen Jungen, der eine Frau sein möchte und Ballett tanzt. Wie dort sind die Darsteller exzellent. Leo-Laiendarsteller Eden Dambrine entdeckte Dhont zufällig, als der ihm im Zug gegenübersass. Das passt zu einem intimen Drama, das so dicht bei den Figuren ist, dass es wehtut.

Close

Drama 

Mit Eden Dambrine, Gustav De Waele; Regie: Lukas Dhont

Belgien 2022, ab 2. Februar 2023 im Kino

Von Antonio Gattoni am 6. Februar 2023 - 11:40 Uhr