Tom Cruise ist eine der Ikonen Hollywoods. Der Ausdruck «Weltstar» wird oft verwendet, Cruise kennt man tatsächlich rund um den Globus. Und seine Filme wie etwa die «Mission: Impossible»-Reihe sind Kassenschlager. Doch ein Oscar fehlt ihm noch – trotz vier Nominierungen.
Darum dürfte er für den neuen Film von Alejandro G. Iñárritu unterschrieben haben. Der mexikanische Regisseur holt mit seinen Werken immer wieder Auszeichnungen und verhalf mit «The Revenant» (2015) Leonardo DiCaprio zum lange verdienten Oscar. Wird auch Cruise belohnt? Möglicherweise.
Der Grund für die zurückhaltende Prognose: Mit «Digger», so heisst der Film, zeigt sich Iñárritu von seiner extravagantesten Seite! Der Filmtitel ist der Name der Hauptfigur: Digger Rockwell, ein grössenwahninniger Erdöl-Unternehmer, den Cruise so grossspurig wie möglich spielt. Mit Menschen kommt Digger nicht gut zurecht, lieber pflegt er seine 38-jährige Katze, die bereits deutlich nach Verwesung riecht.
Doch nun sorgt austretendes Methan bei einer Bohrung in Grönland dafür, dass sich eine gewaltige Eisscholle löst und Richtung Europa treibt. Während der Wissenschaftler Ganesh (Riz Ahmed) den US-Präsidenten (John Goodman) darüber informiert, dass Millionen Opfer zu erwarten sind, sucht Digger bereits nach Wegen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
An dieser Stelle mehr zu verraten, wäre sträflich, denn Iñárritu bringt früh eine Idee ins Spiel, um die Handlung in ein komplett neues Licht zu rücken. Ein Kniff, der dem Film nicht unbedingt guttut.
Doch zuerst zu Cruise: Er ist wirklich toll. Als führe er seine Figur des schmierigen Les Grossman aus «Tropic Thunder» (2008) weiter, kennt er keine Eitelkeit. Mit Wampe, faltigem Gesicht und schütterem grauem Haar stolziert er durch die Szenerie und posaunt seine prahlerischen Phrasen heraus. Das hat in der Tat Oscar-Potenzial.
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Doch «Digger» macht es ihm nicht einfach. Denn was als provokative Satire auf alle möglichen Themen (Klimawandel, Trump, Milliardäre, Social Media) beginnt, wird durch die oben angesprochene Wendung plötzlich viel abstrakter. Und fortan sind viele der Gags und visuellen Einfälle eher aufdringlich und mitunter anstrengend.
Denn nichts ist hier subtil. Vom Schauspiel (v. a. Cruise und Goodman) über die Bilder des dreifachen Oscarpreisträgers Emmanuel Lubezki bis hin zu Alejandro G. Iñárritus Inszenierung: Jedes Element ist auf maximale Wirkung ausgelegt und laugt entsprechend aus.
«Digger» ist sicherlich ein Erlebnis. Das Ensemble klinkt sich vorbehaltlos in die Übertreibungen ein, viele Bilder brennen sich ins Gedächtnis, und so manche Pointe trifft ins Ziel. Doch ob dieser 125-Millionen-Dollar-Kunstfilm ein breites Publikum findet, ist fraglich.
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Digger
Komödie
Mit Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller
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