Abo
Kino – «The Dog Stars»

Flug in die Ungewissheit

In der Romanverfilmung «The Dog Stars» von Ridley Scott sucht Jacob Elordi nach den Überresten der Zivilisation.

TELE Logo

Finden trotz allen persönlichen Differenzen zusammen (v. l.): Bangley, Hig, Cima und Pops.
Finden trotz allen persönlichen Differenzen zusammen (v. l.): Bangley, Hig, Cima und Pops.filmcoopi

Werbung

Am 30. November feiert der im nordostenglischen South Shields geborene Ridley Scott seinen 89. Geburtstag. Spätestens seit «Alien» (1979) ist er nicht mehr aus der Kinoszene wegzudenken. Über 50 Filme, Videoclips, Werbespots und TV-Episoden aus allen möglichen Genres gehen auf sein Regiekonto, für gut 150 Projekte fungierte er als Produzent.
Nun hat Scott wieder mal eine literarische Vorlage verfilmt: Peter Hellers 2012 erschienenen Roman «The Dog Stars», der bei uns als «Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte» auf den Markt kam. Der deutsche Filmtitel und die auf den Kinostart hin veröffentlichte Roman-Neuauflage sind griffiger: «Das Ende der Sterne».
2035, eine Seuche hat einen Grossteil der Menschheit dahingerafft. Die meisten Überlebenden sind degeneriert und haben sich zu marodierenden Horden zusammengerottet. Wer die Pandemie überstanden hat, lebt irgendwo im Nirgendwo. So auch der Mechaniker Hig (Jacob Elordi), dessen schwangere Frau einst dem Virus zum Opfer fiel. Er haust mit seinem treuen Schäferhund Jasper und dem resoluten Militärkopf Bangley (Josh Brolin) in den Flugplatz-Hangars von Erie, Colorado, und fliegt zwecks Nachschubs mit seiner alten Cessna oft in die ausgestorbene Metropole Denver.
Eines Tages empfängt er ein Funksignal vom Grand-Junction-Flughafen. In Hig keimt die Hoffnung, dass es dort eine Art Zivilisation gibt. Als sein Hund Jasper stirbt, fliegt er los. Unterwegs zwingt ihn ein Motorschaden zur Notlandung. Dadurch lernt er den Farmer Pops (Guy Pearce) und dessen Tochter Cima (Margaret Qualley) kennen. Sie helfen ihm, die Cessna zu reparieren.
Regisseur Scott taucht die postapokalyptische Dystopie in atemberaubende Naturbilder, und auch die Impressionen der verlassenen Grossstadt beeindrucken. Der Story hingegen fehlt das Fleisch am Knochen, sie bleibt dünn. Genauso mangelt es dem Personal an charakterlicher Tiefe: Alle haben zwar emotional am eigenen Verlusttrauma zu nagen, doch sie sind schlicht zu flach gezeichnet, um als Identifikationsfiguren zu dienen.
Richtig lebhaft wird es nur, wenn eine degenerierte Meute angreift – und das passiert viel zu selten. «The Dog Stars» hätte eine vergnügliche Trashperle abgeben können, doch Scotts gewohnt virtuose Inszenierung lässt den Streifen edler aussehen, als er es verdient. Ridley Scott selber wird das kaum stören. Der hat wie immer gleich mehrere Projekte am Laufen, die zum Teil schon in der Vorproduktion stehen. Es bleibt zu hoffen, dass er noch genug Jahre vor sich hat, um zumindest die meisten davon umsetzen zu können.

Werbung

The Dog Stars

Sci-Fi-Abenteuer
Mit Jacob Elordi, Margaret Qualley, Josh Brolin
GB/USA 2026, ab 27. August 2026

Der Trailer

Über die Autoren

Werbung