Kino – «Project Hail Mary»

Hilfe, die Sonnenfresser kommen !

Ryan Gosling versucht im schrulligen Sci-Fi-Film «Project Hail Mary» die Welt zu retten. An seiner Seite: ein Krabben-Alien.

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Biologe Grace (Ryan Gosling) findet sich unverhofft allein in einem Raumschiff. Sony Pictures

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Ein Gebet zu sprechen, ist oft die letzte Hoffnung. Ave Maria (engl.: «Hail Mary») ist so eines, beliebt in der katholischen Kirche. Aber es kommt auch im American Football zum Zug und bezeichnet einen riskanten letzten Versuch, ein Spiel zu drehen – etwa mit einem sehr langen, hohen Pass. Verwendung findet der Ausdruck nun in der Sci-Fi «Project Hail Mary», wo es wieder mal um die Rettung der Welt geht.
Der nerdige Lehrer Grace (Ryan Gosling) wird von einem Team um die deutsche Projektleiterin Eva Stratt (Sandra Hüller) kontaktiert: Als renommierter Mikrobiologe soll er bei der Erkundung eines bedrohlichen Phänomens helfen. Unsere Sonne verliert durch mysteriöse Organismen (sog. Astrophagen) an Strahlkraft, was zu einem Temperatursturz von 10 bis 15 Grad und im Verlauf der Jahre zu einer Hungersnot führen würde.
Andere Sonnen sind auch betroffen, einzig eine Sonne im Tau-Ceti-System ist gegen die Astrophagen resistent. Stratt plant deshalb eine Mission, Projekt Ave Maria genannt, zu diesem Lichtjahre entfernten System, um herauszufinden, wie die Sonnenverbrennung zu stoppen ist. Ausgerechnet die Astrophagen selbst sorgen für den nötigen Raketenantrieb.
Eher unfreiwillig landet Grace auf dem Raumschiff und findet sich nach einem komaartigen Tiefschlaf allein im All, die anderen zwei Astronauten sind tot. Dennoch will er, noch immer benommen, die Mission erfüllen, stösst dabei aber vor Tau Ceti auf ein anderes Raumschiff.
Gesteuert wird es von einem Alien, das aussieht wie ein Mix aus Krabbe und dem versteinerten Ding aus «Fantastic Four». Nach etwas unbeholfenen Kommunikationsversuchen erfährt Grace, dass das Alien, das er Rocky nennt, wegen dem gleichen Problem vor Ort ist.

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So ernst wie der Titel ist «Project Hail Mary» nicht. Es ist ein Sci-Fi-Film voll spleenigem Humor und mit einem seltsamen Buddy-Duo aus Kerl und Kreatur. Als Inspiration dienten Klassiker wie Douglas Trumballs «Lautlos im Weltall» (1972), John Carpenters «Dark Star» (1974) oder Chris Nolans «Interstellar» (2014), in welchem die Langeweile im All zu eigenartigem Verhalten führt.
Der Film basiert auf einem Buch von Andy Weir, der schon die Vorlage für Ridley Scotts Allein-auf-dem-Mars-Trip «Der Marsianer» (2015) geliefert hatte. MGM bzw. die Mutterfirma Amazon kaufte die Rechte für 3 Millionen Dollar 2020 – ein Jahr, bevor das Buch erschien.
Die Adaption ist gespickt mit kreativen Ideen. Das Regie-Duo Chris Miller und Phil Lord legte das Setdesign so verspielt an wie ihr «Lego Movie», etwa mit dem Alien-Raumschiff, das an Mikadostäbe erinnert. Doch bei einer Länge von 2,5 Stunden fehlt es an dramatischen Spitzen. Etliche Szenen wirken aufgebläht, so auch das nicht enden wollende Finale.

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Fast schon «E. T.»-Qualitäten hat die herzliche Freundschaft zwischen Grace und dem gesichtslosen Rocky, nur dass hier kein Finger ausgestreckt, sondern getanzt und gekuschelt wird. Für Pluspunkte sorgen auch Ryan Gosling, der charismatisch zwischen freakig, lustig und ernst jongliert, und die Deutsche Sandra Hüller als kantige Leaderin.
«Project Hail Mary» ist also durchaus eigenwillig und sehenswert, aber kein Heilsversprechen für das Genre.

Project Hail Mary

Sci-Fi-Film
Mit Ryan Gosling, Sandra Hüller, Ken Leung, Milana Vayntrub
USA2026, ab 19. März 2026 im Kino

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