Kino – «Marty Supreme»

Schnösel mit Smash-Power

Timothée Chalamet labert, trickst und pingpongt sich im US-Drama «Marty Supreme» nach oben.

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Kino – «Marty Supreme»: Euch zeig ich’s! Marty (Timo-thée Chalamet) beim Tischtennisturnier.
Euch zeig ich’s! Marty (Timothée Chalamet) beim Tischtennisturnier. Ascot Elite

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Tischtennis ist nicht gerade eine Trendsportart. Einen kleinen Ball auf einem kleinen Tisch hin- und herzuschlagen, haut selten jemanden vom Hocker. Umso erstaunlicher ist, dass nun gerade ein Tischtennis-Film neun Oscarnominationen holte. «Marty Supreme» ist aber kein klassischer Sportfilm mit einem Aufsteiger, sondern zeigt einen Antihelden, der sich mit grosser Klappe durchs Leben pingpongt.
Marty Mauser (Timothée Chalamet) verkauft 1952 Schuhe im New Yorker Geschäft seines Onkels, doch der picklige junge Mann träumt davon, der weltbeste Tischtennisspieler zu werden. Sein Talent ist tatsächlich gross, sein Ego noch grösser. Er kratzt alles Geld zusammen, um an einem Turnier in London teilzunehmen. Dort dominiert er die Konkurrenz, preist sich als grosser Meister, verliert aber im Final gegen den Japaner Endo (Koto Kawaguchi).
Fortan hofft er auf eine Revanche und sieht seine Chance bei der WM in Japan. Für die Reise braucht er aber viel Geld. Mit einem Kumpel (Tyler, the Creator) zieht er darum Leute über den Tisch. Eine grössere Chance auf einen Zustupf wittert er, als er auf das Ex-Starlet Kay (Gwyneth Paltrow) und ihren steinreichen Mann (Kevin O’Leary) trifft.
Der Film basiert lose auf der Lebensgeschichte von Marty Reisman, der an Weltmeisterschaften fünf Bronzemedaillen gewann. Ein Sympathieträger ist Marty nicht: Ständig auf Achse, versucht er Leute vollzulabern und zu manipulieren. So klaut er etwa Kay ein Schmuckstück und tut dann so, als hätte er es gefunden.
Timothée Chalamet spielt den Schnösel mit Schnäuzchen und enormem Drive, was ihm vermutlich einen Oscar einbringen wird. Für sein beachtliches Tischtenniskönnen trainierte er jahrelang, auch während des Drehs zu «Dune» (2021). Dass wir mit dem arroganten Marty mitfiebern, hat auch mit der adrenalinhaltigen Inszenierung zu tun. Josh Safdie und Kameramann Darius Khondji («Seven») erzeugen einen hypnotischen Sog und übertragen die Dynamik der Ballwechsel auf den Plot mit teils aberwitzigen Einfällen und treibendem 80er-Synthiesound.

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Die Tischtennisszenen wirken wie die New-York-Szenen sehr authentisch, auch dank Tischtennisprofis wie dem gehörlosen Japaner Koto Kawaguchi. So wird «Marty Supreme» zum Erlebnis, auch wenn man danach nicht mehr weiss, wo einem der Kopf steht.

Marty Supreme

Drama
Mit Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Tyler the Creator
USA 2026, ab 26. Februar 2026 im Kino

Der Trailer

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